Die neuen Bonus-Regeln für Banker in der Europäischen Union sorgen für Hektik in der Bankenwelt. Wie die «Financial Times» berichtet, müssen die Geldinstitute noch dieses Jahr ihre Aktionäre davon überzeugen, ihren Chefs wenigstens das Doppelte des Grundlohnes als Bonus zuzugestehen. Gelingt es nicht rechtzeitig, die Entlöhnungssysteme anzupassen, droht im Januar 2014 eine Kollision mit dem Gesetz, wenn die neuen EU-Regeln in Kraft treten.

Doch nicht nur die bald stattfindenden Generalversammlungen machen den Bankern Sorgen. Die oftmals hochkomplexen Bonussysteme, welche Anreize für richtiges Verhalten setzen sollten, werden durch die Änderung obsolet.

Neue Lohnstruktur setzt falsche Anreize

Einerseits müssen nun mit allen betroffenen Angestellten neue Löhne ausgehandelt werden. Und zwar schon für das laufende Jahr: Die Boni würden 2014 ausbezahlt und würden damit gegen das Gesetz verstossen. Doch Bankangestellte wollen für gute Resultate nach wie vor belohnt werden und werden daher substanziell höhere Fixlöhne fordern.

Andererseits befürchten Experten, die neue Lohnstruktur gebe den Bankangestellten die falschen Anreize. Der britische Schatzkanzler George Osborne argumentierte entsprechend gegenüber den anderen EU-Finanzministern: «Wir befürchten, dass die Regeln den gegenteiligen Effekt haben werden, nämlich dass sie verantwortliches Handeln innerhalb der Banken untergraben, anstatt es zu fördern.»

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Grundsaläre von 5 Millionen Franken

Doch England – wo 90 Prozent der betroffenen Banken angesiedelt sind, wie Osborne der «Financial Times» sagte – kam als einzige Gegenrstimme nicht gegen die zusammenstehenden Finanzminister der EU an. Als Konsequenz sei zu erwarten, dass das aktuelle Höchstsalär von 1,5 Millionen Pfund eines Bank-Chef auf 2 bis 3,5 Millionen Pfund (2,84 bis 5 Millionen Franken) steigt.

(jev/se)