SPIELWARENBRANCHE. Konjunkturzyklen beeinträchtigen die Kauflust stärker als negative Schlagzeilen: Diesen Schluss lässt die aktuelle Situation im Spielwaren-markt zu. Trotz anhaltender Rückrufaktionen wegen Giftstoffen in Produkten aus China wächst der Markt. Gemäss Ruedi Zurflüh von der Geschäftsstelle des Spielwarenverbands Schweiz (SVS) ist in diesem Jahr mit einer Umsatzsteigerung von 3 bis 5% zu rechnen. Das entspricht in einem Gesamtmarkt, den das Marktforschungsinstitut IHA-GfK für 2006 auf rund 600 Mio Fr. schätzt, immerhin gegen 30 Mio Fr.

Die Händler sind zufrieden mit ihren Verkaufszahlen und schauen den wichtigsten Wochen im Jahr optimistisch entgegen. «Das Weihnachtsgeschäft ist sehr gut angelaufen», sagt Thomas Bombeli, Geschäftsführer bei Franz Carl Weber (FCW). Bei der Migros sind die Umsätze in der Spielwarenabteilung gegenüber dem Vorjahr ebenfalls gestiegen. Für Weihnachten wird ein Ansturm erwartet, dies auch bei Coop und Manor. Für FCW-Chef Bombeli können die zuletzt negativen Schlagzeilen sogar positive Folgen für die Branche bringen: «Durch die breite Thematisierung der Produkte ‹Made in China› und der damit verbundenen strengeren Kontrollen erwarten wir längerfristig eine Steigerung der Produktequalität.»

China-Ware dominiert

Diese scheint den Konsumenten in den meisten Fällen zu genügen. So stellt keiner der Spielwaren-Grossverteiler eine spürbare Nachfrageverlagerung zu Produkten aus europäischer Herstellung fest. Thomas Bombeli räumt zwar ein, dass vereinzelte Kunden nach einheimischen Spielsachen fragen. Ein Trend lasse sich daraus aber nicht ableiten. Eine Sensibilisierung der Kundschaft in Bezug auf die Herkunft der Produkte habe zwar stattgefunden, heisst es auch bei Manor. «Bei den effektiven Verkäufen hat Europa gegenüber China aber nicht aufgeholt», so Sprecherin Elle Steinbrecher. Bei Migros steigen die Verkäufe für Produkte aus China ebenfalls nicht unterproportional. Eine Verlagerung sei allein aufgrund des Angebotssortiments nicht angezeigt, sagt Sprecherin Cinzia Venafro. «Sehr viele europäische Hersteller haben ihre Produktion in den letzten zehn Jahren nach Fernost ausgelagert.» Die Folge: Gegen 80% der hierzulande verkauften Spielzeuge werden in Asien hergestellt, vorwiegend in China. Tendenz steigend. Von den übrigen Produkten stammt wiederum nur ein ganz minimaler Anteil aus Schweizer Produktion. Dies erklärt auch, weshalb ein Boom in der Branche gar nicht möglich wäre ohne den Erfolg von chinesischen Spielsachen. Das weiss man auch beim Lego-Konzern, der noch immer fast ausschliesslich in Europa produziert, sein Umsatzzuwachs von bisher rund 5% in diesem Jahr aber nicht mit Rückrufaktionen von China-Produkten in Verbindung setzt.

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Schweizerisches mehr im Trend

Etwas differenzierter sieht das Bild für Spielzeug «Made in Switzerland» aus. Die gewachsene Sensibilität der Kundschaft für Qualität hat sich bei den Grosshändlern zwar nicht mit Ertragseinbrüchen für die Massenware manifestiert, bei Spielwaren-Kleinläden mit mehr helvetischen Produkten aber zu einem Nachfrageschub geführt. Das bestätigt Ruedi Zurflüh vom SVS: «Schweizer Produkte liegen wieder mehr im Trend.»Das belegen etwa die Zahlen der Ahorn AG, eines Holzspielzeug-Herstellers im Emmental. «Wir liegen in diesem Jahr rund 10% über dem Vorjahresniveau», freut sich der Geschäftsführer Walter Stuker. Ahorn produziert unter anderem Holzeisenbahnen, die etwa beim Spielwarenspezialisten Pastorini erhältlich sind. Nachdem dieser zuletzt in Schwierigkeiten steckte, haben sich die Verkaufszahlen in diesem Jahr erholt. Ko-Inhaberin Christa Pastorini bestätigt, dass die Stammkundschaft wieder gewachsen sei.Aber auch für sie liegt der Hauptgrund dafür weniger bei den Meldungen über mangelhafte Ware aus China, als vielmehr in der guten Konjunktur. «Wenn Kunden knapp bei Kasse sind, entscheiden sie sich eher für die Holzeisenbahn aus Fernost, die 100 Fr. günstiger ist als diejenige aus der Schweiz.»Die Produktionsauslagerung macht auch vor den Pastorini-Lieferanten nicht Halt. Immer mehr Angebote aus dem Sortiment werden in China hergestellt. Dazu gehört jetzt auch die Brio-Bahn.