Das B in BRIC steht für Brasilien, könnte aber auch für Binnenmarkt stehen - denn dieser ist es, was Brasilien langfristig für Investoren attraktiv macht. Brasiliens Wachstum hängt vermehrt vom inländischen Konsum der immer grösser werdenden Mittelschicht ab, sagen Experten. Laut der brasilianischen Getúlio-Vargas-Stiftung ist diese zwischen 2003 und 2009 um ungefährt 29 Millionen Menschen reicher geworden - das bedeutet, dass die Mittelschicht jetzt knapp mehr als die Hälfte der Bevölkerung repräsentiert.

Der Trend wird anhalten, meint Daniel Bittner, CEO der Arsago Latin Finance, ein Portfolioberater und Assetmanager, der zum Beispiel mit der Schweizer Privatbank Vontobel für interessierte Anleger Aktien-Baskets zusammenstellt. «Die starken Einkommenszuwächse der Mittelschicht und positive demographische Veränderungen treiben das Wachstum. Wenn im Westen die Nachfrageschwäche weitergeht oder es gar zu einem Double Dip kommt, dann ist Brasilien nicht dermassen betroffen», sagt er. Fremdfinanzierungen würde es auf dem brasilianischen Markt kaum geben. Er rät Anleger dazu, vermehrt auf in lokaler Währung kotierte Konsum- und Bauwerte zu setzen anstatt auf indexgetriebene und zu sehr in Rohstoff und Energie investierte Fonds.

Als ein Beispiel nennt er den Immobilienmarkt. Die Nachfrage sei riesig. Laut Zahlen von Ernst & Young existierte 2005 ein Wohnungsdefizit von 7,8 Millionen Einheiten. «Jedes Jahr braucht es ungefähr 1,3 Millionen Wohneinheiten mehr, um die neue Nachfrage zu befriedigen», sagt Bittner. Unter anderem will die brasilianische Regierung durch soziale Wohnbauprogramme - öffentlich-private Partnerschaften - diese Defizite aufholen. Bauprojekte privater Entwickler werden von zuständigen staatlichen Behörden überprüft und in das Programm aufgenommen. Die Käufer der Wohnungen können je nach Salärniveau profitieren, entweder von Subventionen oder von zinsvergünstigsten Finanzierungen durch die Caixa Econômica, eine brasilianische Förderbank. Im Falle von Subventionen sind dem Entwickler zum Beispiel Preis und Abnahme garantiert. «Das heisst, wenn das Projekt gut strukturiert ist, Investoren gute Renditen erzielen und dabei ein soziales Projekt mitgestalten können», so Bittner.

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Sport-Events wichtig, aber nicht zentral

Ausserdem herrscht in Brasilien Mangel an Hotels der Mittelklasse, vor allem in Hinsicht auf die Fussball-WM 2014 und die Olympiade 2016. «Wenn diese Hotels über die nächsten Jahre gebaut werden, dann befriedigt das nur den Bedarf, der jetzt schon existiert», meint Bittner. Auch im Transport- und Infrastrukturbereich gebe es noch viel zu tun, die Nachfrage werde folglich nicht absacken.

Für Alex Gorra, Brasilien-Experte und Head of International Platform beim Finanzdienstleister BNY Mellon ARX, einer zu BNY Mellon Asset Management gehörenden Vermögensverwaltungsboutique, sind die beiden Sport-Events wichtig, um das Thema Infrastruktur hervorzuheben, aber sie stellen nicht den Hauptgrund für den wachsenden Markt dar. «Brasilien braucht Infrastruktur für ein nachhaltiges Wachstum. Es ist einfach eine Notwendigkeit», sagt Gorra. Wichtige Faktoren seien etwa der Bau von Strassen und Zuggleisen. In den nächsten vier Jahren wird erwartet, dass Investitionen im Infrastrukturbereich 4,3 Prozent des brasilianischen BIP repräsentieren. BNY Mellon Asset Management hat deshalb ein neues Produkt, den Latin America Infrastructure Fund, auf den Markt gebracht, das vor allem auf brasilianischen Infrastrukturunternehmen basiert, unter anderem in der Transport-, Logistik- und Telekommunikationsbranche. «Für 2011 erwarten wir, dass Brasilien die anderen Märkte verhältnismässig übertreffen wird», meint Gorra.

Für Schweizer Anleger gibt es durchaus Möglichkeiten, in den brasilianischen Markt zu investieren. Die Schweizer Privatbank Vontobel bietet Tracker-Zertifikate an, wie das Voncert auf Brazilian Growth Basket, das über einen breit diversifizierten Korb von 16 in São Paulo börsenkotierten Aktientiteln verfügt, die aus zehn verschiedenen Wirtschaftssektoren stark auf den Binnenmarkt ausgerichtet sind. «Die Idee ist, den Anlegern Investments in Brasilien zu ermöglichen, und das nicht über den brasilianischen Bovespa-Index, der sehr minen- und energielastig ist, sondern über den Binnenmarkt Brasiliens», erklärt Eric Blattmann, Head of Public Distribution Financial Products bei Vontobel. Das Produkt ist auf vier Jahre terminiert. «Das sollte auch der Horizont sein, in dem die Entwicklung sich in den Börsenkursen abzeichnen sollte», meint er. Weil die Aktien in brasilianischen Real gehandelt werden, besteht ein Währungsrisiko, fügt er hinzu, dies könnte bei einer Festigung der Währung auch eine positive Seite haben. «Wichtig ist, dass die Anleger über Risiken informiert sind.» Seit Kurzem gibt es wegen der starken Nachfrage eine zweite Emission bei Vontobel, die Anlegern ermöglicht, in Brasiliens Binnenmarkt zu investieren.

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