Der CEO des Vermögensverwalters Julius Bär, Boris Collardi, will vor weiteren Übernahmen den Abschluss des Steuerstreits mit den USA abwarten. «Bevor der Steuerstreit erledigt ist, planen wir kein grösseres Übernahmeprojekt», sagte Collardi in einem Interview mit der «Basler Zeitung» vom Samstag. Er erwarte einen Entscheid «in absehbarer Zeit». Zudem sei er zuversichtlich, dass es eine «den Umständen entsprechenden guten Lösung» geben werde.

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Rückstellungen für den Steuervergleich habe Bär weiterhin nicht gebildet, da dazu bisher die Grundlage gefehlt habe, sagte Collardi weiter. Julius Bär sei aber sehr stark kapitalisiert. Zu den Spekulationen an der Börse über die Höhe einer Vergleichszahlung wollte er keine Stellung nehmen. «Eine gewisse Höhe ist im Aktienpreis jedoch enthalten.» Bisher habe der ganze Prozess Julius Bär bereits rund 80 Millionen Franken gekostet.

SNB-Entscheid brachte schmerzhafte Verluste

Nach der Aufgabe des Euro-Mindestkurses durch die SNB habe Bär mit der Ankündigung eines Personalabbau-Programms schnell reagiert, sagte Collardi im Interview weiter. Aber die Bank habe über Nacht 1 Prozent ihrer Vermögen verloren und an der Börse 25 Prozent ihres Werts eingebüsst. «Das konnten wir nicht ignorieren.« Bär habe nun einen gewissen Puffer für den Fall, dass es «im Markt nochmals schwierig werden sollte«.

Eine positive Bilanz zog Collardi in dem Interview zur Übernahme des Internationalen Vermögensverwaltungsgeschäfts von Merrill Lynch (ML). Bär habe für die ML-Assets 1,2 Prozent bezahlt – an der Börse würden sie aber mit fast 3 Prozent bewertet. Nun müsse der Vermögensverwalter während des Sommers nur noch den indischen Teil integrieren. Mit dem Kosten/Ertrags-Verhältnis sei die Julius Bär-Gruppe am unteren Ende des Zielbandes von 65 Prozent bis 70 Prozent angelangt. «Daran kann man erkennen, dass wir uns auf dem vorhergesehenen Pfad bewegen.»

Deutscher Markt strategisch wichtig

Eine strategische Bedeutung habe für Julius Bär der deutsche Markt. Dort sei der Vermögensverwalter dank dem starken Wachstum im reinen Onshore-Geschäft profitabel. Bär hatte 2012 im Steuerstreit mit Deutschland eine Vergleichssumme von 50 Millionen Euro gezahlt. Damals sei man eine der ersten Banken gewesen, so Collardi: «Ich bin froh, dass wir das hinter uns haben.»

Ein gewisses Risiko für ein ähnliches Vorgehen könnte Frankreich darstellen, räumte er ein. «Wir sagen französischen Kunden seit Jahren, sie sollten ihre Vermögen offenlegen und regularisieren.» Frankreich biete diese Möglichkeit und die meisten Kunden hätten diese auch genutzt. «Ich würde daher nicht verstehen, wenn Frankreich den Konflikt eskalieren liesse.»

(sda/me)