Es zieht, brennt, schmerzt: Bei Spritzen denken die meisten Patienten an Schmerzen, ob bei der Grippeimpfung, beim Zahnarzt oder der Botoxbehandlung in der Schönheitsklinik. Doch Schmerzen müssen nicht sein. Das Schweizer Start-up Primequal hat eine Spritze entwickelt, die keine Schmerzen mehr verursachen soll. Die Erfindung hat sich im Dentalbereich bei Kindern bereits bewährt. Nun will die Firma auch das Schönheitsgeschäft schmerzfrei und sicherer machen. Die Nachfrage unter den Botoxspezialisten ist gross – die finanziellen Mittel für die notwendige Produktion jedoch knapp.

Auch interessant
 
 
 
 
 
 

Dabei war die Primequal-Spritze erst gar nicht für die Schönheitsindustrie vorgesehen. Vor sieben Jahren hatte David Weill, Mikrotechnologe und Firmengründer, die Idee, die Zahnarztbesuche für Kinder angenehmer zu machen. Er entwickelte dazu eine Einwegspritze, die flüssige Substanzen langsam und gleichmässig injiziert, damit kein Überdruck und somit im Gewebe kein Schmerz entsteht. Das hat in einem Test mit 300 jungen Zahnarztpatienten bestens funktioniert. Die junge Firma gewann 2011 sogar eine Auszeichnung für diese Erfindung.

Dosierung per Klick

Das Geschäft geriet jedoch kurze Zeit später ins Stottern. In den Krisenjahren wurden beim Start-up aus Genf zusehends die Mittel knapp, denn die geringe Volumenkapazität und niedrigen Margen des Dentalgeschäfts sorgten für wenig Einnahmen. «Deshalb mussten wir unsere Technologie auf ein Geschäft mit höheren Margen ausrichten», sagt der 40-Jährige. Der Schönheitsmarkt bot sich dazu an: Dieser Bereich zeige sich krisenresistent und gerade bei Botox seien Sicherheit und Schmerzfreiheit gefragt. Viele Ärzte stehen von morgens bis abends in der Praxis und spritzen das Nervengift. «Mit unserer Spritze muss der Arzt nicht mehr auf die Dosierung achten, diese fliesst auf Knopfdruck in einheitlicher Menge automatisch.» Damit kann sich dieser auf die Beschaffenheit der Injektionsstellen und die Nadeltiefe konzentrieren.

Eine Erfindung, die jedoch nicht ganz ohne Tücken ist. «Der Klick-Mechanismus für die Dosierung war das Schwierigste an der Spritze», sagt Weill. Bis es richtig funktionierte, haben sein Team und er fünf Jahre entwickelt. Gleichzeitig stellte auch das Design einige Aufgaben: Eine solche Spritze müsse in jeder Hand gut liegen, intuitiv bedienbar und hochwertig sein. Man muss dem Kunden schliesslich einen klaren Mehrwert bieten – wieso sollte dieser sonst von einer herkömmlichen 10-Rappen-Spritze auf das teure Einwegmodell für gut 30 Franken wechseln? «Wer einmal mit unserer Spritze hantiert, weiss sofort, ob es ihm etwas bringt», sagt Weill. Das sei ein grosser Vorteil.

Finanzieller Engpass stoppt Produktion

Einige Botox-Anbieter scheint die Primequal-Spritze bereits überzeugt zu haben. Binnen eines Jahres seien Bestellungen in der Höhe von über 1 Million Franken aus 85 Ländern eingegangen, sagt Weill. Auf seinem Bürotisch stapeln sich die Bestellungen – denn einmal mehr fehlt dem Jungunternehmer das notwendige Geld, um die Aufträge abwickeln zu können. Weill lässt seine Einwegspritze aus Plastik komplett in der Schweiz fertigen. Damit macht er sich bei den Banken und gewissen Investoren unbeliebt. «Viele finden unseren Ansatz lächerlich, weil wir in Niedrigpreisländern viel günstiger produzieren könnten», sagt Weill. Aber der Genfer hält an seinem Geschäftsmodell fest. Doch weil die hiesigen Banken nicht mitspielen, will er es nun im Ausland versuchen.

Weill hofft besonders auf chinesische Investoren. «In China gibt es eine immer grösser werdende Mittel- bis Oberschicht, die sich für medizinische Behandlungen ausschliesslich mit nichtchinesischen Produkten und oft nur im Ausland behandeln lassen», weiss er. Den eigenen Herstellern trauten sie nicht. Weill arbeitet zurzeit vor Ort daran, Investoren und Vertriebspartner für seine Idee zu gewinnen. Auf finanzielle Mittel sind er und sein vierköpfiges Team dringend angewiesen. Bis anhin hat die Entwicklung der Primequal-Spritze 20 Millionen Franken verschlungen – wobei momentan weder produziert noch geliefert werden kann. Einnahmen generiert die Firma zurzeit lediglich dank Projekten mit Medizinal- und Pharmafirmen für deren präklinischen Studien. Dort dürfte die Durststrecke bald beendet sein. Nächstes Jahr werde ein internationaler Player die Primequal-Spritze mit eigenem Logo in über 200 Filialen auf den Markt bringen, sagt Weill.