Actavis hat Insidern zufolge mit der kalifornischen Allergan, die an der Börse rund 55 Milliarden Dollar wert ist, in den vergangenen Monaten bereits unverbindlich über eine Kombination gesprochen. Nun wolle der in Dublin ansässige Konzern eine Übernahme ernsthaft prüfen, sagte einer der Insider am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters. Schon in dieser Woche könnte Actavis beim Management von Allergan anklopfen und sein Interesse bekräftigen.

Allergan würde ein Angebot von mehr als 200 Dollar je Allergan-Anteilsschein in Erwägung ziehen, sagten mehrere mit den Vorgängen vertraute Personen. Das wäre ein Übernahmepreis von rund 60 Milliarden Dollar. Bislang gab es zwischen den beiden Pharmakonzernen den Insidern zufolge noch keine formellen Kontakte.

Auch andere sind an Allergan interessiert

Sowohl Allergan als auch Actavis lehnten eine Stellungnahme zu den Reuters-Informationen ab. Im Zuge der Nachrichten gewann die Allergan-Aktie an der US-Börse bis Handelsschluss 1,7 Prozent auf 186,20 Dollar. Die Actavis-Papiere büssten hingegen leicht um 0,22 Prozent auf 243,39 Dollar ein.

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Der Vorstoß von Actavis fällt mitten in eine Zeit, in der das Allergan-Management damit beschäftigt ist, einen unerwünschten Übernahmevorstoss des kanadischen Pharmakonzerns Valeant abzuwehren. Valeant und sein Partner, der Investor William Ackman, wollen laut einer mit den Plänen vertrauten Person ihre bisherige Offerte um 15 Dollar auf 191 Dollar je Aktie aufstocken.

Bausch & Lomb erworben

Der Konzern aus Quebec hatte sich mit dem Allergan-Grossaktionär zusammengetan und war erstmals im April mit seinen Übernahmeplänen vorgeprescht. Mit Valeant und Allergan würden sich zwei mittelgrosse Unternehmen zusammenschliessen, die beide in der Haut- und Augenmedizin tätig sind. Erst 2013 hatten die Kanadier den Kontaktlinsen-Hersteller Bausch & Lomb erworben.

Die Allergan-Führung habe bei ihrem Bestreben, Valeant auf Abstand zu halten, bislang noch keine Fühler zu anderen Kaufinteressenten ausgestreckt. Ihr sei aber bewusst, dass es Interesse von anderen Konzernen insbesondere von Actavis gebe, sagte einer der Insider. Branchenvertretern zufolge würde Actavis von der Unternehmenskultur her besser zu Allergan passen als der kanadische Arzneimittelhersteller Valeant.

Geschäfte übers Generikageschäft hinaus verbreitern

Ihre Argumentation: Die Konzernchefs von Actavis und Allergan, Brent Saunders und David Pyott, legten grosses Gewicht auf Forschung und Entwicklung. Valeant-Chef Mike Pearson sei hingegen vor allem für seine Einsparprogramme bekannt. Dazu kommt, dass Augenheilkunde ein wichtiges Geschäftsfeld von Allergan ist und gerade auf diesem Gebiet ist Actavis-Chef Saunders als ehemaliger Konzernchef von Bausch & Lomb ein ausgewiesener Experte.

Den Insidern zufolge hoffe Actavis, dass es mit der Actavis-Führung zu einvernehmlichen Gesprächen über einen Zusammenschluss kommt. Actavis sondiere regelmässig den Markt nach geeigneten Übernahmezielen. Allergan werde dabei aktuell als das passendste Unternehmen bewertet. Actavis ist momentan dabei, seine Geschäfte über das angestammte Generikageschäft hinaus zu verbreitern. Das schliesst auch Übernahmen ein.

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Actavis hatte Sitz einmal in Zug

Erst am Montag hatte Actavis angekündigt, für 675 Millionen Dollar die in Chicago ansässige Pharmafirma Durata Therapeutics zu schlucken. Actavis will damit vor allem das Geschäft mit Medikamenten gegen Infektionskrankheiten stärken. Wichtigste Arznei von Durata ist das Mittel Dalvance gegen Hautinfektionen, das sich in Europa im Zulassungsverfahren befindet.

Actavis hatte zwischenzeitlich ihren internationalen Sitz im Kanton Zug. Von Island her kommend liess er sich in Steinhausen nieder. Doch 2012 verlegte er diesen bereits wieder - nach Irland.

(reuters/se)