Der Manager-Exodus geht weiter: Der 57-jährige Amerikaner Robert «Rob» Shafir kehrt der Credit Suisse den Rücken. Er verlasse die Bank Ende Juni, bestätigt ein Sprecher des Geldhauses einen Bericht des «Wall Street Journal».

Shafir sass bis Oktober 2015 in der Geschäftsleitung. Mit einem Gehalt von 7,9 Millionen Franken war er im vergangenen Jahr der höchstbezahlte Manager im Gremium. Zusammen mit Hans-Ulrich Meister verantwortete er jahrelang die Vermögensverwaltungssparte.

Mit Thiam kamen neue Leute

Dann kam Tidjane Thiam. Der neue Chef mistete radikal aus: Shafir, Meister und zwei weitere Manager mussten ihren Platz an der Konzernspitze räumen, sechs Personen rückten nach. Hans-Ulrich Meister ist mittlerweile beim Baukonzern Implenia gelandet. Er amtet als Präsident des Verwaltungsrats.

Noch im Geschäftsbericht zum Jahr 2015 würdigte die Credit Suisse die Arbeit von Robert Shafir. Die Höhe der Vergütung sei seiner Arbeit als Co-Chef der Vermögensverwaltungssparte und CEO der Region Americas geschuldet. Sein Gehalt spiegele die «Unterstützung bei der Einführung der neuen Strategie und bei der Umsetzung der Vereinbarung zur Übertragung des inländischen Private-Banking-Geschäfts in den USA an Wells Fargo».

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Ehemaliger Lehman-Banker

Shafir stiess 2007 zur Grossbank. Davor stand er 17 Jahre lang im Sold von Lehman Brothers. Unmittelbar nach Shafirs Amtsantritt bei der Credit Suisse intensivierte die Bank den Verkauf von Lehman-Finanzprodukten. Anfänglich spülte das viel Geld in die Kassen. Als das US-Institut 2008 kollabierte, verloren zahlreiche CS-Kunden eine Menge ihres Ersparten. Es folgte eine Welle von Klagen. Die Credit Suisse verneinte stets einen Zusammenhang zwischen Shafir und dem Verkauf von Lehman-Papieren.

Der scheidende Top-Manager galt als Zögling von Brady Dougan. Er soll mit dem ehemaligen Bankenchef auch über eine gemeinsame Zukunft verhandeln, wie das «Wall Street Journal» schreibt. Vor einigen Tagen war bekannt geworden, dass Dougan eigenständig Beratungsdienste anbieten und über die neue Firma auch direkte Investments vornehmen will.

Exodus bei der Credit Suisse

Shafir ist nicht der erste Top-Manager, der das CS-Boot verlässt. In den letzten Wochen und Monaten haben sich einige aus der Teppichetage verabschiedet. Dazu zählen Gaël de Bossard, Co-Chef der Investmentbank und bis Oktober 2015 noch Mitglied der Geschäftsleitung, Robert «Bob» Jain, Chef des Asset Management, Philip Vasan, Chef des US-Private-Banking, Matthew Courey, Leiter im Handel mit Hochzinsanleihen, und Antonio Viana-Baptista, Chef des Spanien-Geschäfts.

Tidjane Thiam hat der Credit Suisse im Oktober 2015 eine neue Strategie gegeben. Seither haben die Aktien der Bank massiv an Wert verloren, der Markt scheint dem Institut das Vertrauen entzogen zu haben. Thiam hat deshalb angekündigt, den Sparkurs zu verschärfen. Rückendeckung erhielt er dafür von CS-Grossaktionär Harris Associates. Auch der Präsident des Verwaltungsrats stellt sich hinter den Ivorer. In der aktuellen Ausgabe der «Bilanz» sagt Urs Rohner, Thiam sei «genau der richtige Mann». Am 29. April findet die CS-Generalversammlung statt.