Die Anhöhe über Vevey war kurz nach dem Zweiten Weltkrieg der Treffpunkt für eine illustre Gesellschaft: An den steilen Hängen des Mont Pèlerin versammelten sich 1947 die renommierten Ökonomen August von Hayek und Milton Friedman mit 36 Gesinnungsgenossen aus Wissenschaft und Publizistik, um dem liberalen Gedankengut nach den kriegerischen Ereignissen zum Durchbruch zu verhelfen.

Verjüngungskur für 50 Millionen

Das historische Meeting gab der Bewegung den Namen. Die Mont Pèlerin Society, bis heute auf 600 Mitglieder aus der ganzen Welt angewachsen, wurde zum Markenzeichen für den Wettbewerb und die persönliche Freiheit gegenüber dem Staat. Mit Meetings auf gehobenem Niveau will sich mehr als ein Jahrhundert später auch das «Le Mirador Kempinski» auf dem berühmten Berg profilieren. Das Luxushaus aus der Belle Epoque hat vor einem Jahr nach einer 50 Mio Fr. teuren Verjüngungskur die Pforten wieder geöffnet. In den alten Hotelkomplex wurden 45 neue Junior-Suiten integriert, eine Wellness-Anlage errichtet und das bereits vorhandene medizinische Zentrum auf Vordermann gebracht. Dazu kamen Appartements, die vom Hotelservice profitieren.

Nur etwas ist für Hotelier Paolo Sanavia geblieben: «Die atemberaubende Aussicht über den Genfersee.» Ob nun im Boardroom bei einer Sitzung oder in der Lounge auf der grosszügigen Terrasse, überall geht der Blick bis hinein in die Walliser Bergwelt und die schneebedeckten Gebirgszüge hoch über Evian, am französischen Ufer. Gastgeber Sanavia ist weit in der Welt herumgekommen, und trotzdem schwärmt er von diesem einmaligen Panorama in den Westschweizer Alpen. Eigentlich war die Neupositionierung des Fünfsternehotels unter dem Management der Kempinski-Kette auf den Individualgast ausgerichtet. Doch geprägt von dieser Vergangenheit am Mont Pèlerin durfte das MICE-Geschäft nicht aussen vor bleiben.

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«Wir visieren im Meeting-Bereich das oberste Segment an», umschreibt Paolo Sanavia die Vermarktungsstrategie. Grossunternehmen wie der in Sichtweite gelegene Nestlé-Konzern oder die rund um den Genfersee angesiedelten Europazentralen von Multis sind die ersten Adressaten. Entsprechend international ist die Kundschaft: Nur die Hälfte der Gäste stammt aus der Schweiz, vorwiegend der Romandie, während sich der Rest auf Frankreich, Deutschland, Russland, die USA, Skandinavien, Lateinamerika und den Mittleren Osten verteilt.

Das Netzwerk der Gruppe wird über neue eigene Hotels und Kooperationen ständig erweitert. Vor zehn Jahren zählte Kempinski noch keine 25 Businesshotels; mit einem Schwergewicht in Deutschland. Mittlerweile sind es über 60 Häuser in Europa, dem Mittleren Osten sowie China. Reto Wittwer, der dynamische CEO aus der Schweiz, hegt weiterhin ambitiöse Expansionspläne: Bis in vier Jahren sollen 45 Hotels dazukommen. In Nordamerika, wo die Gruppe nicht vertreten ist, vermarktet sich Kempinski ebenso wie im Mittleren Osten über Zusammenarbeitsverträge mit gewichtigen Hotelketten. Damit schafft sich der Brand zusätzliche Stützpunkte für die Global Sales Offices. Die Cross Promotion und das Cross Selling sollen Kempinski zusätzliche Kundensegmente erschliessen.

Konkurrenzlos in der Umgebung

Das «Le Mirador Kempinski» verfügt über elf Konferenz- und Banketträume, die sich für Anlässe mit bis zu 150 Personen nutzen lassen. Möglich sind auch Produktpräsentationen. Zum Vorführen von exklusiven Neuwagen wurde eine spezielle Zufahrt ins Hotelinnere geschaffen. Fünf Restaurants und Bars sorgen für das leibliche Wohl der Gäste. Im «Le Trianon», ausgestattet mit einem Michelin-Stern, wird die klassische französische Küche zelebriert. Das «Le Patio» offeriert saisonale mediterrane Kost, während im «Au Chalet» regionale Schweizer Spezialitäten auf der Karte stehen. Dazu kommt ein Frühstückslokal mit Terrasse, das sich von Tagungsveranstaltern auch exklusiv für die eigenen Verpflegungswünsche buchen lässt. Das Rahmenprogramm kann sich entweder im hoteleigenen Wellness-Zentrum abwickeln oder es findet in einem benachbarten Rebberg oder auf einem Genfersee-Schiff statt. Das eigene Medical Center kann auch für Check-ups bei Managern dienen, die sich für eine Tagung hier befinden.

Schon bald schliesst sich der symbolische Kreis zur Mont Pèlerin Society. Das ehemalige Grand Hotel Du Parc, frühere Tagungsstätte und direkt neben dem «Le Mirador» gelegen, wird zum luxuriösen Appartementhaus umgebaut. Meetings finden dort keine mehr statt. Diese Rolle fällt jetzt dem modernen Resort der Kempinski-Kette zu. Das «Le Mirador» wird den Bewohnern im «Du Parc» künftig einen hochwertigen Service bieten.