E-HEALTH. Das Projekt E-Health kommt voran: Ab Januar 2008 soll das gemeinsame Koordinationsorgan von Bund und Kantonen seine operative Tätigkeit aufnehmen und die elektronische Vernetzung im Schweizer Gesundheitswesen vorwärts treiben. Parallel dazu werden die Standards der geplanten nationalen Versicherungskarte erarbeitet. Die Karte soll 2009 eingeführt werden: Die Industrie sieht ihre Stunde kommen.

Der Aargauer Kartenhersteller Trüb hofft auf ein Produktionspotenzial von 7 Mio Karten. Das Unternehmen hat bereits vor drei Jahren bei der Einführung der EU-kompatiblen Krankenversicherungskarte einen Grossteil der Produkte personalisiert. Ausserdem hat Trüb für den Tessiner E-Health-Pilotversuch «rete sanitaria» die Testkarten hergestellt. Auch die Intercard will von der Erfahrung profitieren. Intercard produziert Versichertenkarten im Auftrag des VeKa-Center, dem rund 70 Krankenversicherer angehören.

Die Post will auch mitmischen

Neu steht die Post in den Startlöchern. Sie ist bereits mit Dienstleistungen im Gesundheitsmarkt tätig. «Für uns ist die Versicherungskarte als Teil einer möglichen Gesamtlösung eine Herausforderung», sagt Mediensprecher Oliver Flüeler. Das Unternehmen verhandelt derzeit für regionale Pilotprojekte. Auch Swisscom will mitmischen, und zwar bei Fragen wie Patientendossier, E-Rezept, Vernetzung entlang der Behandlungskette, Sicherheit und Access durch Karten und Gesundheitsportale. Wie die Post beteiligt sich Swisscom am Genfer Pilotprojekt é-toile. Der Dienstleister Telekurs setzt auf die Abwicklung von Zahlungsprozessen sowie auf Identifizierungs- und Autorisierungsmechanismen. Das Unternehmen möchte allenfalls Chipkarten und zugehörige Kartenzahlungsprozesse anbieten. IBM Schweiz glaubt wie Sun Micro Systems an ein Marktpotenzial bei der Gesundheitskarte, obwohl laut Markus Nufer, Manager of Governmental Programs, noch keine genauen Zahlen abgeschätzt werden können. Das Computerunternehmen ist in verschiedenen Ländern bei Gesundheitskarten tätig. In der Schweiz will IBM Standardangebote für E-Health verkaufen. Ausserdem sieht man Chancen für Gesundheitsdossiers oder Gesundheitsportale, die mobile Erfassung von Gesundheitsdaten oder medizinische Archive.

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Deutsche Konzerne interessiert

Auch die Nachbarn nördlich des Rheins schielen begierig auf die Schweiz; etwa Giesecke & Devrient, der führende deutsche Kartenhersteller. Fabiola Bellersheim, Segment Advisor E-Health, sagt: «Wir sind an einem Markteintritt in die Schweiz interessiert und beobachten die Situation.» Das Unternehmen verhandelt nach eigenen Angaben bereits in der Schweiz. Man wolle einen nennenswerten Marktanteil erreichen, so Bellersheim.Vom Marktpotenzial in der Schweiz will auch T-Systems Schweiz zehren, ein Ableger der Deutschen Telekom. In Deutschland baut T-Systems derzeit das Netz für die elektronische Gesundheitskarte auf. In der Schweiz sollen Produkte im Bereich Datenaustausch angeboten werden. Im Kanton St. Gallen ist das Unternehmen im Pilotprojekt Medi-Swiss engagiert. Siemens schliesslich sammelt ebenfalls Erfahrungen mit der Einführung der deutschen Gesundheitskarte und strebt nun in der Schweiz den Verkauf von E-Health-Gesamtlösungen an.Noch ist die Karte aber nicht da. Denn der Widerstand gegenüber dem Chip, auf dem Patientendaten gespeichert werden sollen, ist gross. Neben Datenschutz- auch aus Kostengründen: Der Bund schätzt, dass allein die Einführung der Karte die Versicherer 25 bis 30 Mio Fr. kostet, die Krankenkasse CSS rechnet mit 50 Mio Fr. Abgesehen davon zeichnet sich ab, dass die vom Bund für die neue Karte geforderte Sozialversicherungsnummer nicht zeitgerecht eingeführt werden kann. Santésuisse- Direktor Fritz Britt fordert deshalb für 2009 eine Einführung einer einfachen Karte ohne Datenchip und Sozialversicherungsnummer.Skeptisch zeigt sich Marzio Della Santa, Co-Leiter des im Tessin durchgeführten E-Health-Pilotprojektes: «E-Health droht in der Schweiz zu einem punktuellen Phänomen zu werden», befürchtet er. «Denn der Finanzierungsmechanismus lässt zu viele Eigeninteressen zu.» Er glaubt, es könn- te mehrere Jahrzehnte dauern, bis E-Health flächendeckend in Schwung kommt.