Obwohl in der Vergangenheit als Verkaufsform wiederholt totgesagt, erlebten Warenhäuser in den letzten Jahren ein eigentliches Revival. Dank der Hochkonjunktur sass das Geld bei den Konsumenten locker, die Umsätze stimmten, die meisten Warenhäuser expandierten stark.

Mit der Wirtschaftskrise folgt nun vielerorts der Katzenjammer. Die Warenhausbranche verzeichnet leicht rückläufige Einnahmen. Das zeigen Umsatzzahlen der ersten vier Monate, in welche die «Handelszeitung» Einblick hatte.

Die grosse Ausnahme ist Marktleaderin Manor. Die Kette verzeichnet ein Umsatzplus von fast 5%. Und das, nachdem Manor bereits 2008 um 3,2% gewachsen ist und insgesamt 2,986 Mrd Fr. umgesetzt hat. Der Marktanteil, der Ende 2008 bei geschätzten 58% lag, dürfte mit dem jüngsten Wachstumsschub der 60%-Grenze noch näher gekommen sein.

Manor-Sprecherin Elle Steinbrecher bestätigt ein Umsatzplus: «Mit der bisherigen Entwicklung sind wir sehr zufrieden. Unsere Zahlen liegen über Vorjahr und auch über unserem Budget.» Wie viel das Wachstum beträgt, gibt Manor indes nicht bekannt.

Steinbrecher führt das Umsatzplus darauf zurück, dass es gelungen sei, «das Preis-Leistungs-Verhältnis zu optimieren», und dass der neue Auftritt unter dem Slogan «donnons du style à la vie» ganz offensichtlich die gewünschte Wirkung erziele. Manor gibt sich denn auch fürs Gesamtjahr zuversichtlich und rechnet mit einem Umsatzwachstum «von etwa 1%».

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Das Wachstum bei Manor ist mit Sicherheit - aber nicht nur - auf die Standortexpansion zurückzuführen. Die Kette umfasst heute 72 Geschäfte, ein Haus mehr als im Vorjahr. Zwar wurden drei neue Standorte eröffnet - in S. Antonino TI, Vésenaz GE und Biel. Gleichzeitig aber schloss Manor zwei Häuser in Mendrisio und Burgdorf.

Coop City: «Talsohle erreicht»

Bei Coop City ist der Umsatz der Warenhäuser nach den ersten vier Monaten 2009 leicht rückläufig. Trotzdem gibt man sich zuversichtlich. «Der Umsatz bewegt sich auf Vorjahresniveau», sagt Coop-Sprecherin Susanne Erdös. Man habe zudem weder im letzten Jahr neue Standorte eröffnet, noch sei für 2009 eine Expansion geplant. Bei Coop geht man davon aus, «dass sich die Konsumentenstimmung wieder aufhellt und dass die Konjunktur die Talsohle erreicht hat». Was bei Coop City den Umsatz auch in schlechten Zeiten zuverlässig stützt: Rund 15% des Nonfood-Umsatzes wird mit Superpunkten erzielt. Im vergangenen Jahr erzielten die 33 Coop-City-Warenhäuser einen Umsatz von 1,1 Mrd Fr. Das Wachstum 2008 lag bei 4,1%.

Globus stärkt Einstiegssegment ...

Am deutlichsten spürt Migros-Tochter Globus die Flaute. Im ersten Tertial gingen die Globus-Umsätze nach Recherchen der «Handelszeitung» um 3% zurück - und das, obwohl Globus im letzten Jahr im Berner Einkaufszentrum Westside einen neuen Standort eröffnet hat. Doch Globus profitierte in den letzten Jahren auch stark vom Aufschwung: 2008 verzeichneten die Warenhäuser einen Umsatz von 828,7 Mio Fr., 2,4% mehr als im Vorjahr. Bereits 2007 hatte die Warenhauskette ein sattes Wachstum von 6% hingelegt.

Globus-Sprecher Jürg Welti erklärt, man kommentiere die Umsätze einzelner Monate nicht. Doch er bestätigt: «Wir spüren, dass die Konsumenten vorsichtiger geworden sind. So zeigt sich der Abverkauf von teurem Wein schwieriger als in der Vergangenheit. Oder der Absatz von Champagner verlagert sich eher hin zum etwas günstigeren Prosecco.» Auch bei Herrenanzügen sei diese Verschiebung hin zu günstigeren Linien zu beobachten. Diesem «erhöhtem Preisbewusstsein» trage Globus in der Sortimentierung durch «eine stärkere Gewichtung der Mittel- und Einstiegspreislagen» Rechnung.

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... und will Kunden überraschen

Gemäss Detailhandelsexperten ist jedoch genau für Globus die- ser Schritt nicht einfach. «Globus steht wie das Zürcher Warenhaus Jelmoli für ein Angebot im oberen Preissegment», erklärt ein Warenhausmanager. «Wenn die Kunden vermehrt auf den Preis achten, kaufen sie bei Anbietern ein, die ein günstigeres Preisimage haben.» Und das sei eben Manor oder teilweise auch Coop City.

Bei Globus ist man dennoch zuversichtlich, ohne fürs Gesamtjahr eine Prognose abzugeben. Welti: «Wir sind gut vorbereitet. Die klare Profilierung der Marke Globus bildet eine gute Basis für erfolgreiches Handeln auch im Jahr 2009.»

Man wolle sich durch «persönlichen Service, überraschende Warenpakete wie die aktuell laufende Promotion ‹Südafrika› und einladend gestaltete Geschäfte» von der Konkurrenz abheben. In schwierigeren Zeiten, so Welti, gelte besonders: «Begeisterung, Qualität, Innovationen und ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis öffnen das Portemonnaie.»

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