«Wie konnte das passieren?», fragt Sunrise-Chef Christoph Brand. Und das schon seit Monaten. Ursache seines Unbehagens sind die steigenden Marktanteile von Swisscom. Der Nummer eins im Schweizer Telekom-Markt gehören in fast allen Segmenten zwei Drittel und mehr des Marktkuchens. Jetzt fordert Brand die «Korrektur der Fehler», die ein «falsches System» verursacht habe.

Gemeint sind die im internationalen Vergleich späte Teilprivatisierung der Swisscom und die späte und bruchstückhafte Liberalisierung des Telecom-Marktes. «Die Inkubationszeit ist vorüber, die ersten Symptome einer ernst zu nehmenden Krankheit sind da.» Wenn der Staat als Mehrheitseigner der Swisscom und gleichzeitiger Marktregulator nicht seine Verantwortung wahrnehme und den dringend benötigten Spielraum für alle Herausforderer schaffe, drohe «das Ende eines funktionierenden Marktes». Brand fordert unter anderem:

Komplette Offenlegung der Selbstkosten, die sich Swisscom für die Nutzung der «Letzten Meile» im Festnetz verrechnet.

Dem staatlichen Regulator und der Wettbewerbskommission die nötigen Instrumente und Ressourcen in die Hände zu geben.

Die echte Umsetzung des Gesetzes, sprich einen diskriminierungsfreien, transparenten und kostenorientierten Zugriff auf die Swisscom-Infrastruktur der letzten Meile und des sich abzeichnenden Glasfasernetzes

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«Verkauf ist kein Thema»

Den letzten Punkt, den Vorschlag einer «Kabel und Schacht AG», versucht Sunrise seit Monaten Politikern schmackhaft zu machen. «Teilweise mit Erfolg», sagt Brand, ohne konkret zu werden. «Wir sind zuversichtlich, dass wir für dieses Anliegen eine politische Mehrheit erreichen.» Ein erster Schritt sei ein Hearing der Fernmeldekommission des Ständerates am 20. Juni zur Umsetzung des Fernmeldegesetzes.

Kein Thema sei «ein offensiver Verkauf von Sunrise». Grundsätzlich könne aber «natürlich jedes private Unternehmen gekauft und verkauft werden». Sunrise habe von seinen Besitzern auch keine Deadline erhalten, sich für einen Verkauf «hübsch zu machen». «Wir haben einzig den Auftrag, unsere Marktposition auszubauen und unseren Gewinn langfristig zu steigern.» Brand hält zudem fest, dass es ihn nicht erstaunen würde, käme die Swisscom nach einer vollständigen Privatisierung ebenfalls in den Besitz von Private-Equity-Unternehmen.