Lassen Sie sich nicht täuschen! Was wie ein perfekt restaurierter Oldtimer aussieht, ist heute oft ein brandneues Motorrad. Sogenannte Retro Bikes erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Hinter den auf alt getrimmten Aufmachungen und Motorgehäusen steckt durchwegs aktuelle Technik. Motorräder dieser Gattung funktionieren dadurch gleichermassen zuverlässig und sicher wie jeder andere Töff. Das emotionale Fahrerlebnis ist dabei mindestens ebenso gross wie auf einem echten Oldtimer. Dazu kommt, dass solche Replikas wesentlich sicherer zu fahren sind.

Die perfekte Reinkarnation

Die neue W800 ist keine moderne Interpretation, es ist die perfekte Reinkarnation des Urmodells von Kawasaki, der legendären W1. Vom klassischen Rundscheinwerfer über die stilechten Speichenräder bis hin zum schlichten Heck mit Stahlschutzblech sind alle Komponenten bis ins kleinste Detail liebevoll gestaltet. Fast ausnahmslos alle Teile sind aus Metall gefertigt; genau das verhilft der W800 zu einer unvergleichlich hochwertigen Ausstrahlung. Wie ein Monument steht der luftgekühlte Parallel-Twin-Motor mit 773 Kubikzentimeter Hubraum und bescheidenen 48 PS Spitzenleistung im Mittelpunkt. Ein ganz besonderes Augenmerk gilt dabei dem Nockenwellenantrieb mittels Königswelle auf der rechten Motorseite. Selbst die hintere Trommelbremse passt ausgezeichnet zum klassischen Styling.

Zusammen mit der schlichten Schwinge, den offenen Federbeinen sowie den stilechten Auspuffrohren trägt sie perfekt zur harmonischen Heckgestaltung bei. Diverse Details, wie der Hauptbremszylinder und die Schaltergehäuse aus schwarz eloxiertem Aluminium sowie der verchromte Gaszug, unterstreichen den hochwertigen Gesamteindruck der W800 und die sorgfältige Verarbeitung mit viel Liebe zum Detail. Der dumpfe Klang des Twins und das von den grossen Rädern geprägte Handling erinnern an das Fahrgefühl von Motorrädern aus einer Zeit, an die sich manche mit Wehmut zurückerinnern.

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Ebenfalls Nostalgie pur offeriert die derzeit wahrscheinlich am aufwendigsten auf Retro getrimmte Harley-Davidson - die Softail Deluxe. Von den breiten, auf verchromte Drahtspeichenräder aufgezogenen Weisswandreifen über die Zusatzscheinwerfer im Fifties-Style bis hin zum riesigen Tachometer auf dem weit ausladenden Tank passt einfach alles absolut perfekt. Toll gemacht sind auch die zweiteilige Sitzbank mit geprägten seitlichen Einsätzen, die Chromreling und - nicht zu vergessen - der stilvoll integrierte Gepäckträger sowie das klassische Tombstone-Rücklicht am Heck. Die breite Telegabel und die wuchtigen Schutzbleche unterstreichen den klassischen Look, der damals wie heute die Langstreckenbikes von Harley-Davidson kennzeichnet. Befeuert wird die Deluxe vom bewährten Twin-Cam-96B-Motor mit 1584 Kubikzentimetern Hubraum und Cruise-Drive-Sechsganggetriebe.

Äusserlich ebenfalls auf Old-Style getrimmt, verfügt der luftgekühlte V2 über ein durchaus modernes, zeitgemässes «Innenleben». Unter Berücksichtigung der heute geltenden restriktiven Lärmvorschriften überrascht die Softail Deluxe mit einem herzhaft kernigen Sound.

Deutlich weniger kernig ist der Sound der neuen Triumph Speedmaster. Störend ist insbesondere das permanente turbinenartige Säuseln des Primärantriebs, das einfach nicht zum ansonsten äusserst stimmigen Gesamtkonzept passt. Ganz im Gegensatz zu den diversen Modifikationen, die einen noch puristischeren Auftritt und ein noch intensiveres Fahrerlebnis bewirken. Besonders auffallend ist diesbezüglich das neue vordere 19-Zoll-Gussrad mit Einzelscheibe und schmalem Vorderreifen, ganz im Stil eines klassischen Hotrod-Bikes. Zur Komplettierung des «Back to basics»-Looks kommt die Speedmaster 2011 mit schwarzen Gehäusedeckeln, einem Tropfentank, minimalistischen Radabdeckungen, einem 15-Zoll-Gussrad hinten sowie einem neuen Frontscheinwerfer. Herzstück ist der bewährte Triumph Parallel-Twin mit 865 Kubikzentimetern Hubraum, der auch bei diversen Bonneville-Modellen zum Einsatz kommt. Das mit einem Hubzapfenversatz von 270 Grad drehende Aggregat drückt 61 PS und 72 Newtonmeter Drehmoment auf die Kurbelwelle - ausreichend Leistung, um das Versprechen der klassischen Sportoptik einzulösen. Die tiefere Sitzkuhle und der breitere Lenker verändern die Position des Piloten, was ein noch intensiveres Fahrgefühl bewirkt.

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Spagat zwischen Moderne und Tradition

Für Freunde klassischer Motorräder ist die neue Norton Commando derzeit wohl eines der begehrenswertesten Modelle auf dem Markt. Keine andere Maschine meis-tert den Spagat zwischen Tradition und Moderne gleichermassen gut, wie das Bike der wiederauferstandenen britischen Traditionsmarke. Das spartanische Konzept von einst greift heute noch. Und dazu gehören ein charakterstarker Motor, ein stabiler Rahmen, leichte Speichenräder, ein schmaler Tropfentank sowie eine gut positionierte Sitzbank. Die Federelemente liefert der renommierte Hersteller Öhlins, die üppig dimensionierten Bremsen die nicht minder bekannte italienische Marke Brembo. Wie die übrigen Komponenten kommt auch der neu entwickelte Parallel-Twin-Motor im traditionellen Look. Das luftgekühlte Aggregat leistet 80 PS und drückt 90 Newtonmeter Drehmoment auf die Strasse. Momentan ist die neue Norton Commando in drei Ausführungen erhältlich, wobei der Schweizer Importeur auf Kundenwunsch jedes Modell mit Sorgfalt und Liebe zum Detail individuell ausstattet und anpasst.

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Zugegeben, es ist vielleicht nicht ganz korrekt, die neue Horex VR6 dem Segment der Retro Bikes zuzuordnen, denn mit Ausnahme des Namens ist am ersten Modell der eben wiederauferstandenen deutschen Marke wirklich alles rundum neu. Einzig das Design orientiert sich in den Grundzügen an klassischen Stil-Ikonen der Motorradwelt. Die Besonderheit des kraftvollen Roadsters ist jedoch der Sechszylinder-Motor mit Kompressoraufladung - ein Antriebsaggregat, das es für Motorräder bislang nicht gab. Das einzigartige Konstruktionsprinzip, bei dem zwei Dreizylinderreihen im engen 15-Grad-Winkel zueinander stehen, ermöglicht die sehr kompakte Bauweise. Dazu kommt, dass im Gegensatz zum konventionellen V-Motor lediglich ein Zylinderkopf und drei Nockenwellen nötig sind, was den technischen Aufwand, die beweglichen Teile sowie das Gewicht reduziert. Eine weitere Novität ist die Kombination des Motors mit einem direkt angelenkten Radialkompressor. Nebst geschmeidiger Kraftentfaltung versprechen die Ingenieure von dieser Powerspritze satte Leistung von ungefähr 200 PS sowie messerscharfes Handling und damit eine neue Dimension von Fahrspass auf zwei Rädern. Ende Jahr soll die Produktion in einer kleinen Manufaktur in Augsburg anlaufen. Mit einer Markteinführung ist somit zum Jahreswechsel 2011/12 zu rechnen.

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