Der US-Saatgut- und Genpflanzen-Hersteller Monsanto muss sich bei der angestrebten Übernahme des Schweizer Rivalen Syngenta auf grossen Widerstand im Schlüsselmarkt Brasilien einstellen. Die brasilianische Kartellbehörde Cade werde von dem fusionierten Unternehmen sicherlich die Trennung von Geschäftsteilen oder andere Zugeständnisse fordern, sagte der auf Wettbewerbsrecht spezialisierte Antonio Garbelini Junior von der Anwaltskanzlei Siqueira Castro in Sao Paulo. Auch von den Kunden droht Widerstand. Brasiliens Landwirte haben sich bereits gegen den Zusammenschluss ausgesprochen.

Monsanto will Syngenta für 45 Milliarden Dollar übernehmen. Die Schweizer wehren sich nach Kräften gegen einen Verkauf und haben das Angebot der Amerikaner als völlig unzureichend zurückgewiesen. Experten schliessen nicht aus, dass um Syngenta ein Bieterkampf entbrennen könnte. Insidern zufolge bereitet der deutsche Chemiekonzern BASF ein mögliches Gegengebot für Syngenta vor.

Brasilien als zweitgrösster Markt für Monsanto und Syngenta

Brasilien ist der zweitgrösste Markt für Monsanto und Syngenta. Das Land dürfte in den nächsten Jahren die USA als grösster Soja-Produzent ablösen. Wegen des tropischen Klimas ist Brasilien zudem einer der grössten Abnehmer von Insektenvernichtungsmitteln. Syngenta ist der weltgrösste Hersteller von klassischen Pestiziden gegen Insektenbefall, Unkräuter und Pilze. Monsanto ist führend bei Saatgut und vor allem für seine gentechnisch veränderten Maissorten bekannt.

Anzeige

Doch die Beziehungen zwischen Monsanto und den brasilianischen Bauern sind angespannt. Im Streit um Lizenzgebühren kam es zu gerichtlichen Auseinandersetzungen mit dem US-Konzern. Eine Fusion von Monsanto und Syngenta «würde den Markt verzerren und der Branche rundherum schaden. Wir sind wirklich beunruhigt», erklärte Ricardo Tomczyk vom Soja-Bauernverband Aprosoja.

Teilweise harte Auflagen bei Fusionen

Die brasilianische Kartellbehörde Cade hat in den vergangenen Jahren allerdings einige grosse Deals genehmigt, dabei aber Auflagen gemacht. So erlaubte die Behörde den Kauf der grössten Eisenbahngesellschaft America Latina Logistica durch den Logistikkonzern Cosan Logistica, verfügte wegen Bedenken von Zucker- und Getreide-Produzenten aber, dass Dritten Zugang zu Cosans Schüttgut-Terminals im Hafen von Santos erhalten müssen. Die Firmen Perdigao und Sadia mussten einen grossen Teile ihrer Produktionskapazitäten veräussern, bevor Cade ihrer Fusion zum Nahrungsmittelriesen BRF zustimmte.

Syngentas Management warnte wiederholt, dass Monsanto die Hürden für eine Zustimmung der Kartellbehörden unterschätze. Monsanto will Syngentas Saatgut-Geschäft verkaufen, um die Transaktion zu ermöglichen. Eine Monsanto-Sprecherin erklärte, der Konzern sei weiterhin zuversichtlich, im Falle einer Fusion allen nötigen Genehmigungen der Wettbewerbsbehörden zu erhalten. Cade-Präsident Vinicius de Carvalho lehnte eine Stellungnahme zu einem möglichen Monsanto-Syngenta-Deal ab.

(reuters/gku/mbü)