Die wirtschaftliche Entwicklung der BRIC-Staaten ist in aller Munde. Dabei werden jedoch oft nur Indien und China hervorgehoben. Während die Entwicklung in Russland tatsächlich einer Berg-und-Tal-Fahrt gleichkommt, weist Brasilien eine eindrückliche Entwicklung auf: Stabile Rahmenbedingungen, eine bedachte Wirtschafts- und Geldpolitik sowie grosse Konsumfreude auf dem wachsenden Binnenmarkt sorgten dafür, dass die Wirtschaftskrise Brasilien letztlich nur streifte. Die Beschäftigung nimmt zu, und der Kreditzugang hat sich normalisiert. Die starke Landeswährung beschleunigt die Importe. Bei ausländischen Unternehmen rückt Brasilien dadurch stärker ins Zentrum der Aufmerksamkeit, nicht zuletzt wegen seines Reichtums an Ressourcen, seiner Stabilität und seines grossen Inlandmarkts. Schon jetzt ist der Bestand an ausländischen Direktinvestitionen im Verhältnis zum Bruttoinlandprodukt der höchste aller BRIC-Staaten.

Für 2011 wird dem grössten Land Südamerikas ein Wirtschaftswachstum von 4 bis 4,5 Prozent prognostiziert. Von 2010 bis 2014 wird in Brasilien mit PAC II ein Wirtschaftsbeschleunigungs- und Optimierungsprojekt initiiert, das durch eine Grossinvestition von umgerechnet 700 Milliarden Franken strukturelle Engpässe beseitigen soll. Vor allem Energie, Verkehr (Flughäfen), Häfen, soziale und städtische Infrastruktur sowie Telekommunikation stehen dabei im Mittelpunkt. Mit dem Programm «Minha Casa, Minha Vida» wird ausserdem der Bau von 2 Millionen Eigentumswohnungen für die ärmeren Bevölkerungsschichten finanziert.

Die Konjunkturaussichten sehen insgesamt sehr gut aus. Doch als Damoklesschwert über dieser Entwicklung hängt die Inflation, die auf 5,9 Prozent gestiegen ist und damit weit über dem Zielwert von 4,5 Prozent liegt, der von der Zentralbank festgelegt wurde. Hervorgerufen wurde die hohe Inflation durch den Anstieg der Nahrungsmittelpreise, den Zufluss von spekulativen Anla-gegeldern (Hot Money) und wachsende Einkommen. Die Regierung hat mit Hilfe von Kapitalverkehrskontrollen - namentlich einer Steuer von 6 Prozent auf Devisenkäufen - Gegensteuer gegeben. Die Zentralbank hat zudem zur Inflationsbekämpfung den Leitzins von 10,75 auf 12,5 Prozent erhöht. Dadurch dürfte sich anderseits die Anziehungskraft der lokalen Währung erhöhen: Der Realzins von 6 Prozent ist bereits heute einer der höchsten der Welt.

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Gute Korrelationseigenschaften

Noch ein anderer Aspekt spricht für brasilianische Aktien: Gemessen am MSCI Brazil eignen sie sich hervorragend zur Risikodiversifikation von Anlagen in Aktien westlicher Industrieländer. Die Korrelation hat sich zwar in der Vergangenheit erhöht - die Kursentwicklung von brasilianischen und westlichen Aktien verläuft also etwas paralleler. Trotzdem sind die Korrelationskennziffern immer noch so tief, dass sich gute Diversifikationseffekte ergeben.

So lässt sich Brasilien spielen

In Anbetracht des rasanten Anstiegs der brasilianischen Währung werden lokale mittelständische Firmen immer attraktiver, besonders im Konsumbereich oder im Infrastruktursektor, der besonders durch die Austragung der beiden Megaevents Fussball-WM 2014 und Olympische Spiele in den Anlegerfokus rückt. Durch Investitionen in lokale Firmen lässt sich der Diversifikationseffekt optimal umsetzen und damit dem prozyklischen Aspekt internationaler Firmen entgegenwirken.

Besonders interessant sind hier die folgenden brasilianischen Industriesektoren dank einer immer noch angemessenen Bewertung: Energie (mit Aktientiteln wie Telebras und Tractebel), Telekommunikation (zum Beispiel Tele Norte Participações und Nextel) sowie Konsumgüter (Lojas Renner, Hypermarcas, Pão de Açucar). Das Thema brasilianische Infrastruktur lässt sich beispielsweise mit einem ETF des Anbieters EGS abdecken (ISIN: US2684618299, Kürzel BRXX). Für den Agrarsektor empfiehlt sich andererseits das Indexprodukt ETFS Agriculture (GB00B15KYH63, AIGA).