Bravofly Rumbo wagt sich in Zürich aufs Börsenparkett. Für seinen Gang an die Schweizer Börse SIX sieht das Online-Reisebüro möglichst bald nach Ende März als idealen Termin. Der Unternehmenswert dürfte danach etwa das Zwanzigfache des Betriebsgewinns (Ebitda) betragen, nach aktuellem Stand also etwa 450 Millionen Euro.

Mit diesem Wert rechnete Konzernchef Francesco Signoretti an einer Telefonkonferenz zum Börsengang am Mittwochmorgen. Das in Chiasso ansässige Unternehmen will von den Anlegern mit neuen Aktien rund 80 bis 110 Millionen Euro einsammeln. Die Unternehmensgründer, weitere Investoren und das Management verkaufen ebenfalls Anteile, trennen sich aber nicht vollständig von ihren Beteiligungen und behalten die Kontrolle.

Gründer bleiben die grössten Anteilshalter

Wie Signoretti erklärte, bleiben die Gründer die grössten Aktionäre. 70 Prozent der Anteile hielten derzeit die Gründer und das Management. Hinzu kämen rund 50 private Investoren, unter ihnen die Familie Agnelli und Tito Tettamanti. Grösste Einzelaktionäre in diesem Kreis sind eine Anlagegesellschaft und eine italienische Familienholding mit je 8 Prozent.

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Den Zeitpunkt für den Börsengang hält Signoretti für ideal. Die Marktbedingungen seien ansprechend. Risiken stellten externe Schocks dar. Vom Börsengang eines Konkurrenten in Madrid – Odigeo hat vor rund zwei Wochen den Börsengang angekündigt - erhofft sich Signoretti eine Inspiration für den Börsenstart des eigenen Unternehmens.

Wachsender Online-Markt mit vielen Anbietern

Überhaupt zeigte sich der Unternehmenschef zuversichtlich für den Online-Reisemarkt. Während der Gesamtreisemarkt in Europa 4 Prozent wachsen dürfte, sollten die Online-Reisen um 11 Prozent zulegen. Der Anteil von online verkauften Reisen habe 2013 bei einem europäischen Gesamtmarkt von rund 270 Milliarden Euro 42 Milliarden Euro betragen. Und der Online-Markt wachse weiter, da nun auch südeuropäische Länder immer besser vernetzt seien.

Mit den Einnahmen aus dem Börsengang will Bravofly Rumbo Zukäufe tätigen. Der mit Tausenden von Anbietern stark fragmentierte Online-Reisemarkt dürfte sich konsolidieren, zeigte sich das Unternehmen überzeugt.

Es will indessen nicht nur bei der direkten Konkurrenz nach Übernahmekandidaten Ausschau halten. Auch vertikale Akquisitionen entlang der gesamten Wertschöpfungskette werden angepeilt. So kann sich Signoretti etwa den Zukauf eines Autovermieters oder eines Ferienwohnungsunternehmens vorstellen. Ein Expertenteam sei derzeit an der Arbeit, geeignete Übernahmeobjekte zu finden. Fündig geworden seien sie allerdings noch nicht. Derzeit beschäftigt das Online-Reisebüro rund 500 Personen, mehr als 200 von ihnen am Hauptsitz in Chiasso. Weiterer wichtiger Standort ist Madrid.

(sda/me/sim)