Sollte es bis Ende Jahr keine grossen Überraschungen mehr geben, wird 2010 trotz Griechenland und Irland als erfolgreiches Anleihenjahr in die Annalen eingehen. Zu den Performance-Spitzenreitern gehörten risikoreiche Anleihenklassen wie Schwellenländer-Obligationen, Wandelanleihen und hochverzinsliche Bonds, die allesamt zweistellige Wertzuwächse verbuchen konnten. Übertrumpft wurden die Ergebnisse nur von globalen Obligationenfonds in Euro, die aufgrund der Aufwertung von Dollar und anderen Währungen gegenüber dem Euro bis zu 20 Prozent Performance erzielten.

Günstige inflationsgeschützte Anleihen

Obwohl weit und breit keinerlei Inflationsanstieg erkennbar war, konnten 2010 auch inflationsgeschützte Anleihen sehenswerte Ergebnisse erzielen. Das führt gleich zum Ausblick auf 2011: Im Zug der bisher unvorstellbaren Summen, die zur Rettung von Banken, Versicherungen und Staaten von Zentralbanken und Regierungen aufgewendet worden sind, suchen immer mehr Investoren Inflationsschutz. Dazu empfehlen sich inflationsgeschützte Anleihen. Wenn man die aktuell vom Markt eingepreiste Inflation auf die nächsten fünf Jahre von 1 Prozent in Euro und 1,3 Prozent in Dollar sieht, sind inflationsgeschützte Staatsanleihen gegenüber ihren «normalen» Pendants günstig bewertet und zweifellos zu bevorzugen.

Es gibt mittlerweile Fonds und ETF, die diese Anlageklasse sehr effizient abdecken. Sie investieren ausschliesslich in inflationsgeschützte Anleihen von Staaten mit der Maximalbonität AAA, sichern die Währungen vollständig ab und reduzieren das Zinsrisiko durch die Konzentration auf Restlaufzeiten von ein bis zehn Jahren. Dadurch wird zusätzliche Diversifikation erzielt, ohne erhöhtes Kredit-, Währungs- oder Zinsrisiko einzugehen.

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Das Wachstum in den Industrieländern dürfte auch 2011 eher verhalten bleiben, und die Inflationsraten werden höchstwahrscheinlich noch moderat ansteigen. Unter diesen Voraussetzungen ist davon auszugehen, dass die Notenbanken ihre Niedrigzinspolitik weiterführen beziehungsweise im Fall der Europäischen Zentralbank eventuell gar verstärken werden. Aus Mangel an neuen Ideen dürften die Notenbanken den eingeschlagenen Weg weiterfolgen - das heisst, mit neu gedruckten Dollar-, Pfund- und Euro-Geldscheinen Anleihen kaufen, in der Hoffnung, die Wirtschaft zu unterstützen und «Deflation zu verhindern» (das klingt besser als «Inflation zu produzieren»).

In einem solchen Umfeld ist die Gefahr von graduellen Zinsanstiegen eher als gering einzustufen. Volatilität wird es zweifellos geben, aber mit der Nullzinspolitik am Geldmarkt finden sich bei Renditenanstiegen von 0,5 bis 0,75 Prozent genügend Interessenten, die Liquidität ertragbringend anlegen möchten.

Aufgrund der Struktur der Zinskurve sollten Privatanleger vor allem Anleihen mit Restlaufzeiten von bis zu fünf Jahren ins Auge fassen. Aus Risiko-Ertrags-Überlegungen sehr attraktiv erscheinen vierjährige Laufzeiten in Euro und Dollar.

Für die erweiterten Anleihen-Anlageklassen wie etwa Emerging Markets wird es wohl schwierig werden, an die Erfolge der letzten beiden Jahre anzuknüpfen. Aufgrund der dynamischeren wirtschaftlichen Entwicklung sowie der besseren Rahmendaten (geringeres Defizit, weniger Schulden) gegenüber Industriestaaten macht eine Beimischung auf jeden Fall Sinn. Um das Potenzial von hochverzinslichen Obligationen oder Wandelanleihen beurteilen zu können, ist insbesondere der Ausblick auf die weltweiten Aktienmärkte relevant. Beide Anlageklassen konnten in den letzten beiden Jahren phänomenale Performances verbuchen und weisen heute ein historisch eher unterdurchschnittliches Risikopolster in Form des Renditespreads auf.

PIIGS-Anleihen nur für Hartgesottene

Zurückhaltend zu beurteilen sind Anleihen der PIIGS-Staaten Portugal, Irland, Italien, Griechenland und Spanien. Ausfallversicherungen für diese Schuldner erreichen fast täglich neue Höchststände, und es ist dementsprechend verlockend, in Anleihen von (heute noch) halbwegs guten Schuldnern wie Portugal, Spanien oder Italien zu investieren. Dies könnte zwar 2011 noch gut gehen, da der europäische Rettungsschirm gross genug ist, um Staaten kurzfristig liquide zu halten. Genauso gut könnte sich aber im nächsten Jahr auch die Meinung in der Politik durchsetzen, dass Anleihenbesitzer bei Umschuldungen zur Kasse gebeten werden. Daher sollten nur hartgesottene Investoren diese Anleihen in Betracht ziehen.

Der einzige «Free Lunch» im Investmentbereich ist Diversifikation. Das heisst, das Vermögen auf mehrere Anlagen und sogar Anlageklassen aufzuteilen. Davon sollten Anleiheninvestoren auch 2011 grosszügig Gebrauch machen.