Die Post verweist in der Öffentlichkeit oft auf das sinkende Briefvolumen - vor allem, wenn es darum geht, Abbaupläne zu begründen oder die Marktöffnung zu bremsen. Doch bei genauem Hinsehen wird klar: Die Sendungsmengen in der Schweiz sind in den letzten zehn Jahren sogar leicht gestiegen, wie Zahlen der Post belegen (siehe Tabelle). Allerdings fand eine Verlagerung von den adressierten Briefen hin zu nicht adressierten Sendungen statt. Bei diesen dürften die Margen zwar tiefer liegen. Doch die unadressierten Sendungen sind auch ein Massengeschäft, das mit deutlich weniger Aufwand verbunden ist als die Zustellung adressierter Briefe.

Die Post antwortet auf die Frage, warum sie stets die Entwicklung bei den adressierten Sendungen herausstreicht, Folgendes: «Umsatzmässig sind die adressierten Sendungen wichtiger als die unadressierten.» Das stimmt, doch gewinnbringend sind beide Bereiche.

Druck auf Poststellen steigt

Die Zahlen zeigen jedoch klar: Szenarien, wie sie der mittlerweile abgesetzte Post-Präsident Claude Béglé verbreitet hatte - nämlich, dass der Briefmarkt bis im Jahre 2015 um 30% schrumpfen werde - sind reine Panikmache. Die neue Post-Führung hat sich von solchen Schreckensszenarien denn auch distanziert. Doch im Hinblick auf die drohende Poststellen-Initiative der Gewerkschaften spricht auch sie stets von sinkenden Volumina. Die Initiative will das flächendeckende Filialnetz beibehalten und einer weiteren Liberalisierung Einhalt gebieten.

Rückgang ist auch hausgemacht

Die Post argumentiert, die Auslastung in ihren Poststellen nehme ab, weshalb neue Modelle zu prüfen seien. Doch dass die Auslastung zurückgeht, ist teilweise hausgemacht: Keine Post der Welt ist so innovativ im Schaffen von elektronischen Lösungen wie die Schweizerische Post. Als eine der ersten führte PostFinance E-Finance ein, die Möglichkeit elektronischer Zahlungen. Bereits seit 2000 sind die E-Finance-Zahlungen höher als die Zahlungen am Schalter. Auch das E-Trading verzeichnet zweistellige Wachstumsraten. Die Post sieht diesen neuen Bereich nicht als Kannibalisierung ihres Geschäfts, sondern als zusätzliche Einnahmen, die sie sich nicht entgehen lassen will. Sprecherin Nathalie Salamin bestätigt: «Angebote im elektronischen Bereich sind für die Post bereits jetzt sehr profitabel.»

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