Die britische Grossbank HSBC, deren Schweizer Tochter Beihilfe zur Steuerhinterziehung vorgeworfen wird, entschuldigt sich für die einstigen Geschäftspraktiken ihres Ablegers in Genf. Dafür hat sie in britischen Sonntagszeitungen ganzseitige Inserate geschaltet.

HSBC gibt bezüglich ihres Schweizer Geschäfts Mängel bei der Einhaltung von Vorschriften und in der Kontrolle zu. Aufgrund von durch ein Journalistennetzwerk ausgewerteten Bankdaten aus den Jahren 2006 und 2007 wird HSBC Schweiz vorgeworfen, vermögenden Kunden beim Verstecken von Vermögenswerten vor dem Fiskus geholfen zu haben.

HSBC hat sich von vielen Kunden getrennt

Der in zahlreichen britischen Zeitungen als Inserat publizierte Brief ist von HSBC-Konzernchef Stuart Gulliver unterzeichnet worden. Im Brief ist von «schmerzhaften Erfahrungen» für Kunden, Angestellte und Aktionäre die Rede. «Wir müssen dafür Verständnis zeigen, dass die Gesellschaft, der wir dienen, mehr von uns erwartet», schreibt Gulliver im Brief. «Wir entschuldigen uns daher aufrichtig.»

HSBC hält weiter fest, dass die Mehrheit der 140 in den Medienberichten genannten Personen mittlerweile nicht mehr Kunden der Bank seien und dass man inzwischen viel genauer kontrolliere, wer als Kunde akzeptiert werde. «Wir haben überhaupt keine Lust, Geschäfte mit Kunden zu machen, die Steuern hinterziehen oder die Richtlinien der Bank bezüglich Finanzkriminalität nicht erfüllen», heisst es im Brief weiter.

Ehemaliger Bankchef tritt von Ehrenamt zurück

Derweil ist der einstige HSBC-Konzernchef Stephen Green als Präsident des Beirats des britischen Banken-Lobbyverbandes TheCityUK's zurückgetreten. Der Rücktritt erfolgt rund eine Woche, nachdem die Kundenlisten der Bank publik gemacht wurde. Green war von 2006 bis 2010 Präsident von HSBC und davor dessen Konzernchef. 2011 wurde er vom britischen Premierminister David Cameron zum Handelsminister ernannt, was er bis 2013 blieb. Nach der Veröffentlichung der HSBC-Bankdaten ziehen britische Parlamentarier in Erwägung, Green zu den Vorwürfen gegen HSBC zu befragen.

Gegenüber den Nachrichtenagentur AP und Reuters kommentierte Green seinen Rücktritt aus dem Beratungsgremium von TheCityUK's am Samstag nicht. TheCityUK's liess verlauten, dass Green die Handlungsfähigkeit des Verbandes bei der Förderung von Good Goverance nicht beeinträchtigen wolle und deshalb von seinem Amt zurücktrete.

(awp/reuters/sda/dbe)

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