Der Mischkonzern Bucher Industries hat sich im ersten Halbjahr auch ohne Grossaufträge besser geschlagen als erwartet. Umsatz und Gewinn legten leicht zu, der Auftragseingang gar deutlich. Das freute die Investoren.

Die Aktie gehörte zu den grössten Gewinnern an der Schweizer Börse. Bis gegen Mittag kletterte der Kurs um über 3 Prozent, während der Gesamtmarkt SMI stagnierte.

Bucher Industries hat mit seinen Semesterzahlen beinahe durchwegs auch die höchsten Erwartungen der Analysten übertroffen. Den Umsatz konnte die Industriegruppe um 2,1 Prozent auf 1,4 Milliarden Franken steigern, wie sie in einem Communiqué bekannt gab.

Der Betriebsgewinn (Ebit) wuchs um 4,9 Prozent auf 140,9 Millionen Franken. Unter dem Strich verdiente das Unternehmen 95,1 Millionen Franken. Das sind 4,4 Prozent mehr als im Vorjahr.

Analysten hatten gemäss der Finanznachrichtenagentur AWP im Durchschnitt lediglich mit einem Umsatz von 1,39 Milliarden Franken und einem Reingewinn von 89,5 Millionen Franken gerechnet.

Steigerung trotz hoher Messlatte

Die Verbesserung sei gelungen, obwohl das erste Halbjahr 2012 eines der besten in der Geschichte des Bucher-Konzerns gewesen sei, sagte Firmenchef Philip Mosimann in einer Telefonkonferenz: «Alle Geschäftsbereiche konnten den Auftragseingang steigern.» Zu dieser erfreulichen Entwicklung hätten insbesondere Landmaschinen, Gemeindefahrzeuge und hydraulische Komponenten beigetragen.

«Von der seit Jahren energisch ausgebauten Präsenz in Nord- und Südamerika konnten wir nun profitieren, weil sich in dieser Region die Nachfrage deutlich von der Europas abhob. Andererseits waren wir vom Rückgang in China betroffen», sagte Mosimann.

Landmaschinen gefragt

Landtechnik habe sich erneut als Wachstumsmotor erwiesen. Die Bauern hätten dank den ansprechenden Preisen, die sie für ihre Produkten erzielen könnten, Geld in der Tasche und seien bereit, Landmaschinen zu kaufen. In Nordamerika habe die Nachfrage nach Bodenbearbeitungsmaschinen geboomt, sagte Mosimann. Und in Brasilien seien Sämaschinen rege gefragt gewesen.

Bei den Gemeindefahrzeugen sei der Auftragseingang über den Erwartungen erfreulich gewesen, insbesondere im Hauptmarkt Europa. «Nach langer Zeit kam es in Südeuropa wieder zu ersten grösseren Ausschreibungen», hiess es weiter. Ausserdem profitierte das Geschäft mit Schneepflügen und Salzstreufahrzeugen vom langen und kalten Winter.

Umsatz und Betriebsgewinn der Sparte tauchten allerdings erheblich. Dies ist jedoch auf den Wegfall des Grossauftrags aus Moskau zurückzuführen, der im Vorjahr 50 Millionen Franken Umsatz gebracht hatte. Mit einer Steigerung des Auftragseingangs um 12 Prozent habe die Sparte allerdings für eine echte Überraschung gesorgt, sagte Mosimann.

Ernüchterung in China

Die Glasmaschinensparte konnte ihren operativen Gewinn wieder verbessern. Die Restrukturierungen würden greifen, sagte Mosimann. Man bekomme aber zu spüren, dass die neue chinesische Regierung ihren Kadern und Regierungsstellen Beschränkungen bei Unterhaltungsanlässen verordnet habe. Dadurch wurde weniger Bier und Schnaps getrunken, was die Nachfrage nach Flaschen einbrechen liess. In der Folge litt das Geschäft mit Glasmaschinen.

Für das Gesamtjahr zeigte sich die Bucher-Spitze optimistisch. die Landmaschinen dürften sich weiterhin als Wachstums- und Ertragsstütze erweisen, sagte Mosimann: Insgesamt erwartet der Konzern für das gesamte Geschäftsjahr eine leichte Umsatzzunahme sowie eine weitere Verbesserung des Betriebs- und Konzernergebnisses.

(vst/aho/sda)

Anzeige