Der Industriekonzern Bucher Industries will die deutsche Jetter AG praktisch vollständig übernehmen, das heisst bis auf den Anteil des Firmengründers von knapp 10 Prozent. Bucher hält seit 2005 eine Beteiligung an Jetter, die zuletzt bei knapp 30 Prozent lag.

Für die Übernahme der ausstehenden Aktien bietet Bucher über ein freiwilliges, öffentliches Übernahmeangebot 7 Euro je Aktie, was das Unternehmen insgesamt mit rund 23 Millionen Euro bewertet, wie aus der Mitteilung hervorgeht. Ohne Berücksichtigung des Aktienanteils des Gründers Martin Jetter sowie des bestehenden Aktienpakets von Bucher liegt der Kaufpreis für die ausstehenden Inhaberaktien der Jetter AG bei insgesamt rund 14 Millionen Euro.

Aufsichtsrat und Vorstand von Jetter unterstützen das Übernahmeangebot. Dieses sei im besten Interesse der Firma Jetter sowie der Aktionäre, Mitarbeitenden und Kunden, so die einhellige Meinung der Jetter-Spitze.

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Jetter generierte in den vergangenen zwei Jahren rund 50 Prozent des Umsatzes mit Unternehmen von Bucher Industries. Es sei geplant, die Kompetenz von Jetter auf dem Gebiet der Automatisierungslösungen zu stärken. Jetter wird dem Bereich Bucher Specials zugeordnet, soll aber selbständig sowie unabhängig von den Divisionen weitergeführt werden.

Der Angebotspreis von 7 Euro je Inhaberaktie liege um 70 Prozent über dem letzten Preis der an der Frankfurter Wertpapierbörse gehandelten Titel und 68 Prozent über dem volumengewichteten Durchschnittskurs der letzten drei Monate. Das Angebot enthält keine Mindestannahmequote und steht unter dem Vorbehalt der kartellrechtlichen Freigabe.

Firmengründer behält Anteil von 9,6 Prozent

Mehrere institutionelle Aktionäre, die zusammen ein Aktienpaket von 12,8 Prozent an Jetter halten, haben sich gemäss der Mitteilung dazu verpflichtet, ihre Aktien Bucher anzudienen. So würde der Anteil von Bucher an Jetter auf 42,8 Prozent steigen. Martin Jetter, der Gründer des Unternehmens, habe sich «auf ausdrücklichen Wunsch von Bucher» bereit erklärt, sein Aktienpaket im Umfang von 9,6 Prozent nicht zu verkaufen. Diese Bereitschaft sei Ausdruck für die hohe Wertschätzung und das grosse Vertrauen zwischen dem Gründer von Jetter und Bucher. Überdies unterstreiche dies den Willen zur weiteren partnerschaftlichen Zusammenarbeit und sorge für Stabilität für die Kunden und Mitarbeiter.

Jetter sei seit 2002 ein wichtiger Partner von Bucher, welcher nicht nur für die Anlagen zur Formung und Inspektion von Glasbehältern von Emhart Glass elektronische Steuerungen entwickle und herstelle, sondern auch die Elektronik für Kommunalfahrzeuge von Bucher Municipal liefere.

Wie bisher soll die Führungs- und Ergebnisverantwortung beim Vorstand und Aufsichtsrat der Jetter AG liegen. Als langfristig orientierter Partner beabsichtigt Bucher, die Firma Jetter mit Knowhow und finanziellen Mitteln bei der «notwendigen Steigerung der operativen Effizienz und Profitabilität», dem Ausbau der technologischen Kompetenz sowie der Stärkung der Marktposition bei Drittkunden zu unterstützen. Jetter würde bei Investitionen von der soliden finanziellen Lage von Bucher profitieren.

In der Führung kommt es zu folgenden Änderungen: Martin Jetter, welcher seit 2006 auch die Division Emhart Glass von Bucher Industries leitet, will als Vorstandsvorsitzender der Jetter AG per Ende 2013 abtreten. Seine Nachfolge soll Christian Benz übernehmen. Güner Eckert bleibt Finanzvorstand und Michael Oltmanns Vorsitzender des Aufsichtsrats. Martin Jetter und ein Vertreter von Bucher sollen neu im Aufsichtsrat Einsitz nehmen. Kurt Hauser und Theo Frank haben sich laut Mitteilung bereit erklärt, auf ihre Mandate im Aufsichtsrat im Interesse der Jetter AG zu verzichten.

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(awp/chb/jev)