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Buchhändler buch.ch tappt in die Porno-Falle

Heikle Werbung: Durch einen Fehler gelang sie auf diverse seriöse Seiten. (Bild: HZ)

Ahnungslosen Internetnutzern wurde auf seriösen Nachrichtenseiten nicht jugendfreie Werbung des Schweizer Online-Buchhändlers angezeigt. Zur Panne kam es wegen eines technischen Problems.

Von Stefan Eiselin
am 24.09.2013

Thomas Irniger* war perplex. Als er sich durch eine seriöse Schweizer Nachrichtenwebseite las, blickten ihn plötzlich splitternackte Frauen an. «Im Garten der Lust» stand über einem Angebot für eine DVD zum Preis von 8.40 Franken. Es war nicht der einzige Film, der da offensiv angepriesen wurde. Gleich drei XXX-Streifen wurden mit nicht jugendfreien Bildern präsentiert. Absender der pornografischen Werbung war nicht irgendein Schmuddelverlag, sondern der seriöse Online-Buchhändler buch.ch.

Dem Tochterunternehmen des fusionierten Schweizer Buchhandelsriesen Orell Füssli Thalia ist das Ganze etwas peinlich. «Verschiedene Kunden haben uns auf diese Banner aufmerksam gemacht», sagt Sprecher Alfredo Schilirò. Für die laufende Online-Werbung sei die neue Werbeform des Retargeting gewählt worden. «Dem Nutzer sollen auch auf anderen Webseiten, die er besucht, Anzeigen mit Produkten angezeigt werden, die er schon über unsere Online-Shops betrachtet hat», erklärt Schilirò weiter. Im Fall von Irniger und anderen Nutzern war das aber nicht der Fall. Das System werde über eine Produkteliste gespeist, so der Sprecher. «Eine Möglichkeit ist, dass diese Produktliste fehlerhaft ist.»

Die Technik erkennt die Frauen nicht

Dies bestätigt das Werbevermittlungsunternehmen Criteo, welches die Anzeigen technisch umsetzte und auslieferte. «So etwas haben wir noch nie gesehen. Hier kam es zu einer Verkettung unglücklicher Umstände», erklärt ein Sprecher. Der Kunde baue in seine Produkteliste üblicherweise einen sogenannten Adult-Filter ein. Er soll verhindern, dass nicht-jugendfreie Werbung ausgeliefert wird. Bei buch.ch sei dieser aber versehentlich ausgeschaltet gewesen.

Das ist nicht der einzige Schutzmechanismus. Criteo filtert heikle Inhalte über gewisse auffällige Wörter heraus. Doch diese Vorsichtsmassnahme versagte bei buch.ch, da die Werbung keinen Text enthielt, sondern nur Bilder. Und die Technik kann nicht erkennen, ob da die Illustration zum preisgekrönten Bestseller «Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert» zu sehen ist oder die sich lasziv räkelnde Frau, die für einen Porno-Film wirbt.

Eine absolute Nulltoleranz

Criteo hält fest, dass man «absolut keine pornographische Werbung» vermittle. Hier gelte eine Nulltoleranz-Politik. Bei buch.ch sei ganz einfach ein peinliches technisches Missgeschick passiert. «Die Kampagne wurde umgehend gestoppt» so der Sprecher. Man arbeite an der Behebung der Probleme. Auch Orell Füssli Thalia bestätigt den Stopp der Kampagne. «Im Moment läuft die Prüfung, was effektiv dazu geführt hat, dass Banner eingespielt wurden. Die Werbeform wurde bis auf weiteres gestoppt und wird erst dann reaktiviert, wenn klar ist, was genau passiert ist», sagt Sprecher Schilirò. Den «Garten der Lust» und andere Streifen mit Schutzalter 18 gibt es bei buch.ch freilich weiterhin zu kaufen. Gut versteckt unter der Untersektion Erotik im Filmressort. 

* Name geändert

 

 

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