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Bündner Bergbahnen rüsten mit Millionen auf

Die Skigebiete von Arosa und Lenzerheide werden ab kommendem Winter verknüpft. (Bild: Keystone)

Die Bergbahnen in Graubünden haben in den vergangenen drei Jahren einen Umsatzrückgang von 16 Prozent verkraften müssen - so viel wie kein anderer Alpenkanton. Trotzdem werden nun mehrere Grossprojekt

Veröffentlicht am 05.01.2013

Bündner Bergbahnen lassen sich von der Tourismuskrise nicht aus dem Takt bringen: Trotz massiven Einbrüchen bei den Gästezahlen und beim Umsatz werden in Graubünden mehrere Grossprojekte realisiert - darunter zwei Skigebietsverbindungen.

Die Zahlen sind dramatisch. In den letzten drei Wintern haben die Bergbahnen einen Rückgang der verkauften Lifttickets von rund 16 Prozent verkraften müssen - so viel wie in keinem anderen Alpenkanton.

Dennoch investiert die Branche in Graubünden wie schon lange nicht mehr. Eine vergleichbar hohe Dynamik habe es letztmals Ende der 80er-, Anfangs der 90er-Jahre gegeben, schätzt Roland Zegg, Inhaber des auf Tourismus und Bergbahnen spezialisierten Churer Beratungsunternehmens Grischconsulta.

Arosa und Lenzerheide steigen in die Topliga auf

Erst kürzlich gaben die Bergbahnen von Arosa und Lenzerheide bekannt, ihre Wintersportgebiete auf den nächsten Winter hin zu verbinden. Für 35 Millionen Franken werden zwei Sesselbahnen und eine Luftseilbahn erstellt. Entstehen wird mit 225 Kilometern Piste das zweitgrösste zusammenhängende Skigebiet Graubündens. Nur Laax wird noch grösser sein.

Dort ist man ebenfalls alles andere als untätig. Die Laaxer Weisse Arena Gruppe baut nicht weniger als sieben neue Bahnen - drei sind bereits in Betrieb, vier weitere sollen bis 2016 folgen. «Revolution am Berg» nennt sich das 54 Millionen Franken schwere Erneuerungsprojekt.

Ein weiterer Zusammenschluss steht kantonsübergreifend am Oberalppass an: Die Wintersportgebiete von Sedrun GR und Andermatt UR sollen ab 2013 erweitert und zur Gotthard-Oberalp-Skiarena verbunden werden. Kostenpunkt: 130 Millionen Franken.

Ins Sommergeschäft investieren will man im Prättigauer Familienskigebiet Grüsch-Danusa. Für rund 25 Millionen Franken ist ein Heidi-Themenpark geplant.

Zu den «grossen Kisten» gesellt sich eine Reihe mittlerer Vorhaben mit einem Investitionsvolumen von 10 bis 20 Millionen Franken. In mehreren Gebieten ist eine neue Bahn kürzlich gebaut worden oder wird in nächster Zukunft gebaut - etwa in Davos, Scuol oder Savognin.

Vor der Krise geplant

Wie bei den Bergbahnen und ihren Branchenverbänden zu erfahren ist, wurden die meisten Vorhaben geplant, bevor die Finanzkrise die globale Wirtschaft erschütterte und der Euro gegenüber dem Franken zum freien Fall ansetzte. Trotz der Krise werden die Projekte jetzt umgesetzt.

Wenn nach jahrelanger Vorarbeit endlich alle Bewilligungen vorliegen und die Finanzierung stehe, schiebe kaum ein Unternehmen Investitionen hinaus, nur weil die Zeichen auf Sturm stünden.

Manche Bergbahnen haben auch gar keine andere Wahl: Weil die Konzessionen für alte Anlagen ablaufen, müssen diese umgehend ersetzt werden. Andere Unternehmen wiederum investieren in der schwierigen Phase um so entschlossener. "Die krisenartige Situation löst bei gesunden Bahnen Investitionen eher aus, als sie zu blockieren", meint Bergbahn-Experte Zegg.

Position auf dem Markt stärken

«Wir wollen unser Produkt verbessern, um auf dem schwierigen Markt unsere Position zu stärken», erklärt Katja Kamps, Kommunikationschefin der Weisse Arena Gruppe.

Die neuen Bahnen sollen nicht nur mehr Komfort bringen, sondern den Skiort attraktiv für Schneesport-Anfänger und wenig geübte Fahrer machen. Bei diesen Zielgruppen sieht man in Laax am meisten Wachstumspotential.

Ähnlich tönt es von der Lenzerheide. «Wer in schwierigen Zeiten investiert, ist vorbereitet, wenn es wieder gut läuft», sagt Verwaltungsratspräsident der Bergbahnen, Christoph Suenderhauf.

Sowohl auf der Lenzerheide wie in Arosa hofft man, mit der Gebietsverbindung den anhaltenden Gästerückgang umzukehren. «Grosse Gebiete legen bei den Frequenzen zu Lasten der mittleren zu», sagt Suenderhauf. Auf diesen Zug wollen Arosa und Lenzerheide aufspringen.

«Die Branche kämpft, ist aber keinesfalls paralysiert», kommentiert Zegg die verschiedenen Vorhaben. Als verzweifelte Flucht nach vorn will er die Grossprojekte keinesfalls interpretieren. Die getätigten Investitionen basieren seiner Meinung nach auf dem starken Glauben, dass Berge auch in Zukunft eine grosse Anziehungskraft ausüben werden.

(vst/awp)

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