Generationen von Schülern sassen hierzulande bereits auf den Holzstühlen von Embru. Die Firma wurde 1904 als Eisen- und Metallbettenfabrik Rüti ZH gegründet. Der Marktanteil für Schulmöbel beträgt gut 30%. Ebenfalls sehr stark ist man in den Bereichen Büro- und Pflegemöbel.

Die ersten höhenverstellbaren Schultische entstanden in den 30-er Jahren. Eine Idee, die dem Ergonomiebewusstsein der heutigen Zeit Rechnung trägt. «In manchen Schulen ist es den Schülern heute erlaubt, während des Unterrichts zu stehen», erklärt Geschäftsleitungsmitglied Peter Lepel. Auch Multimedia- und Wandtafelprogramme, die von der Primarschule bis zur Universität einsetzbar sind, gehören heute zum Sortiment.

Im kleinen Museum des KMU sind die ersten hölzernen Schulbänke und Pflegebetten mit Stahlfederbespannung ausgestellt. Hier wird auch mit Sorgfalt eine Sammlung wertvoller Klassiker aufbewahrt. Sie machen dem Besucher bewusst, dass Embru im Laufe des 20. Jahrhunderts mit einigen namhaften Designern zusammengearbeitet hat, etwa Alvar Aalto, Marcel Breuer oder Werner Max Moser.

Anzeige

Grosse Liegen, kleiner Umsatz

Selbst für Berühmtheiten wie Thonet und Le Corbusier pflegte Embru in Lizenz zu produzieren; beispielsweise die bekannte Le-Corbusier-Liege. Umsatz machte Embru damit aber nicht. In den 30-er Jahren hatten die Leute in der Schweiz dafür zu wenig Interesse oder konnten sich solche Stücke schlicht nicht leisten. Die Geschäfte gingen eher schlecht. Ein Grossauftrag für die Armee, die Produktion von Rettungsschlitten, wendete das Blatt wieder.

Bis heute von Embru herge-stellt wird der Altdorfer-Liegestuhl mit den dehnbaren Gummibändern, im Volksmund «Spaghetti-Liege» genannt. 1948 wurde sie von der Metallmöbelfirma Altdorfer entwickelt. 1971 wurde sie von Embru übernommen. Rund 500 «Spaghetti-Liegen» setzt man jährlich ab. «Damit erwirtschaften wir auch heute noch keinen grossen Umsatz, aber die Liege bereitet uns Freude. Es ist ein Phänomen, dass sie noch immer verkauft wird», meint Peter Lepel. Die charakteristischen Kunststoffschnüre (130 m pro Liege) werden von Hand auf das Gestell gewickelt. Embru arbeitet dafür mit einer Behindertenwerkstätte zusammen.

Die Produktion in der Schweiz war ein Grundsatzentscheid, an dem nicht gerüttelt wird. «Wir stehen zum Standort Rüti und fühlen uns den vielen langjährigen Mitarbeitern verpflichtet», betont Peter Lepel. Und sein Geschäftsleitungspartner Pascal Huber ergänzt: «Wir haben stark in den Maschinenpark investiert.» Vor zwei Jahren etwa in eine computergesteuerte Lasermaschine, die Metallrohre präzise und effizient schneidet - in einem Bruchteil der Zeit der früheren Anlage. Jährlich werden in den Produktionshallen 350 km Stahlrohr und 1000 t Blech verarbeitet.

Härter geworden ist der Preiskampf. Embru spürt die ausländischen Mitbewerber, die sich bei grossen, öffentlich ausgeschriebenen Aufträgen ebenfalls bewerben. Umgekehrt trägt der Exportanteil bei Embru knapp 5% zum Gesamtumsatz bei. Heute setzt sich dieser je zu einem Drittel aus den Geschäftsbereichen Schul-, Büro- und Pflegemöbel zusammen. Das grösste Potenzial liege momentan im Bürobereich.

Hier hat das KMU aus dem Zürcher Oberland in jüngster Zeit am stärksten zugelegt. Schon in den 70er Jahren produzierte Embru ein erfolgreiches Büroprogramm, das auch im Ausland grossen Anklang fand. Die jüngste Serie von Embru heisst «eQ». Die schlichten zeitlosen Stahlmöbel aus einzelnen Modulen, die ganz einfach ohne Werkzeug und Schrauben zusammengesteckt werden können, passen ebenfalls in eine zeitgemässe Wohnungseinrichtung.

Trotz Krise «verhalten positiv»

Mit Blick auf die drohende Rezession sind Peter Lepel und Pascal Huber mit der Auslastung zufrieden. «Kurzarbeit ist für uns zurzeit zum Glück kein Thema», sagen sie. Im Bereich Büromöbel konnten sie kürzlich zwei Grossaufträge akquirieren. Zudem reagieren die Behörden, die für die Beschaffung von Schulmöbel zuständig sind, aufgrund der Steuereinnahmen antizyklisch auf Krisen.

Schwierigkeiten bereiteten jedoch die Rohstoffpreise, etwa für Blech, die in den vergangenen Monaten massiven Schwankungen ausgesetzt waren. Das hindert die Chefs von Embru aber nicht da-ran, «verhalten positiv» in die Zukunft zu blicken und auf die bewährte Qualität zu setzen.