FRAUENANTEIL. In Führungsetagen von Schweizer Firmen mangelt es an Frauen. Deshalb sollen die Betriebe mit Bundesbeteiligung eine Vorreiterrolle übernehmen und eine Frauenquote von mindestens 30% ausweisen. Dies verlangt eine parlamentarische Initiative, die Barbara Haering (SP/ZH) Anfang 2005 eingereicht hat. Die betroffenen Unternehmen liessen dannzumal verlauten, eine Quotenvorgabe von 30% sei kein Problem.

Wenige Monate bevor die Gesetzesvorlage im Parlament zur Abstimmung kommt, zeigt sich, dass die Bundesbetriebe punkto Frauenanteil im Verwaltungsrat (VR) keinen Schritt weiter sind. Im Gegenteil. Weil Post-Verwaltungsrätin Lucrezia Meier-Schatz ihr Post-Mandat wegen der neuen Unvereinbarkeitsklausel für Parlamentarier per Anfang Dezember abgibt, ist zu befürchten, dass der Anteil sogar sinkt.

Post hat nichts zu sagen

Die Post hat derzeit einen Anteil von lediglich 22,2%. Ob neben Verwaltungsrätin Nicola Thibaudeau eine neue Frau anstelle von Meier-Schatz Einsitz nimmt und ob man sich um eine Frau bemühe, darüber konnte Post-Sprecher Richard Pfister keine Auskunft geben. «Die Post ernennt ihre Verwaltungsräte nicht selbst, Wahlbehörde für den Verwaltungsrat der Post ist vielmehr der Bundesrat auf Vorschlag des Uvek», sagt Pfister.Doch beim Eidg. Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek) heisst es, es gäbe noch keine Quotenregelung für Bundesbetriebe. Bei der Suche nach Post-Verwaltungsräten gilt laut Uvek-Sprecher Daniel Bach der Grundsatz: «Für die Wahl eines Verwaltungsrates oder einer Verwaltungsrätin besteht ein klares Anforderungsprofil. Das Uvek bemüht sich im Rahmen die-ser Vorgabe, den Frauenanteil wenn immer möglich zu erhöhen.»Die Swisscom hat aus ihrer Sicht die Quotenvorgabe bereits erfüllt, auch wenn die Verwaltungsrätinnen Catherine Mühlemann und Fides Baldesberger nur zu einem Frauenanteil von 22,2% führen. Doch von neun Swisscom-VR-Mitgliedern werden drei Mitglieder entweder durch den Bund oder Personalvertreter gestellt. Swisscom-Sprecher Josef Frey: «Swisscom hat selber von sechs weiteren Mitgliedern zwei mit Frauen besetzt. Das sind 33%.»Nächsten Sommer steht im Verwaltungsrat die Wiederwahl von Anton Scherrer, Hugo Gerber und Catherine Mühlemann an. Mit einer Erhöhung der Frauenquote ist nicht zu rechnen. Grundsätzlich setze Swisscom als Unternehmen nicht auf Frauenquoten, so Frey weiter. Vielmehr seien die Rahmenbedingungen zu verbessern, um mehr Kandidatinnen zur Auswahl zu haben.Ein Blick auf das Volkswirtschaftsdepartement (EVD) unter Doris Leuthard zeigt, dass das keine Zauberei ist. Dank flexiblen Arbeitsmodellen hat sich im EVD heuer die Zahl der Bewerbungen von Frauen fürs Topkader um einen Drittel erhöht.

Anzeige

SBB machen «unten» vorwärts

Bei den SBB stellen die Gewerkschaften mit Christiane Brunner die einzige Frau im VR. Der Frauenanteil im SBB-VR von 11,1% ist nahe an jenem des Gesamtkonzerns von 12,68% (2006). Das ist der höchste Wert, seit es die SBB gibt. «Das ist uns aber nach wie vor zu wenig. Deshalb bemühen wir uns auch in Zukunft, den Frauenanteil weiter zu steigern – namentlich auch in den Führungspositionen», sagt SBB-Sprecher Roland Binz. Zur Frage des geringen Frauenanteils im VR verweist auch er auf den Bundesrat. «Gemäss SBB-Gesetz ist der Bundesrat für die Wahl des SBB-VR zuständig.» Die beiden Bundesbetriebe Ruag und Skyguide haben nach wie vor keine Frauen im Verwaltungsrat. Sie betonen, dass sie keine geschlechterspezifische Regelung für den Verwaltungsrat hätten.