Nur einen Katzensprung von Basel entfernt liegt das badische Grenzstädtchen Weil am Rhein, das gerne von Schweizer Einkaufstouristen frequentiert wird. Kulturinteressierte ziehts dagegen ins hier domizilierte Vitra Design Museum.

Und die Weinfreunde? Die pilgern noch immer mehrheitlich ins nahegelegene Elsass. Obwohl es längst kein Geheimnis mehr ist, dass auch im Markgräflerland hervorragende Weine erzeugt werden, ist das südbadische Weinbaugebiet für viele Weinliebhaber nach wie vor Terra incognita.

Elsass kann nicht Vorbild sein

Zu Unrecht! Gewiss, da und dort feilen die aufstrebenden Selbstkelterer noch an ihrem Stil, setzen, um sich von den süffigen, aber oft belanglosen Weinen der Vergangenheit abzusetzen, nicht selten auf Fülle und Konzentration und experimentieren im Keller mit unterschiedlichen Kelterungs- und Ausbaumethoden, sodass sich das Weinsortiment mithin als kunterbunter Stilmix präsentiert. Doch scheinen sich die Spitzenwinzer seit etlichen Jahren darüber einig zu sein, dass weder Kalifornien noch Italien, aber auch nicht das Elsass mit seinen oftmals fetten und häufig mit Restsüsse aufgemotzten Weinen als Vorbild dienen soll, sondern die terroirgeprägten, langlebigen Gewächse des Burgunds.

Das Beste aus den Steillagen

Zur Burgundfraktion unter den Markgräfler Winzern gehört auch Claus Schneider, der vor nunmehr 20 Jahren mit seiner Frau Susanne das elterliche Gut in Weil am Rhein übernommen und aus ihm einen der führenden Weinbaubetriebe der Region gemacht hat. Beide, aus alteingesessenen Winzerfamilien stammend und schon von Kindsbeinen an mit dem Weinbau vertraut, entschieden sich damals nicht zuletzt deshalb für den Winzerberuf, weil sie überzeugt waren, dass sich auch im Markgräflerland hervorragende Weine keltern liessen. «Es hat weder Sinn noch macht es Spass, in guten Steillagen, die in mühevoller Handarbeit bewirtschaftet werden müssen, Weine von bloss durchschnittlicher Qualität zu erzeugen», sagt Susanne Schneider.

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Heute kultivieren die Schneiders rund 10 ha Rebland, 6 ha in der nach Süd-Südwest ausgerichteten Einzellage «Weiler Schlipf» und 2 ha in der «Stiege» in der Nachbargemeinde Haltingen. Dazu gekommen ist kürzlich eine weitere Hektare in Ötlingen, die neu mit verschiedenen Gutedel- und Weissburgunderklonen bestockt wurde. «Auf den tiefgründigen, kalkhaltigen Lehmböden gedeihen, neben dem hier seit Ende des 18. Jahrhunderts angebauten Gutedel - dem Chasselas -, die Burgundersorten besonders gut», erklärt Claus Schneider.

Klone aus dem Burgund

Eine Sonderstellung hat dabei der Spätburgunder, der in der Region seit über 100 Jahren heimisch ist und dem die Schneiders einen Rebflächenanteil von 40% zugestehen. Auf den restlichen Parzellen gedeihen die weissen Sorten Gutedel, Weissburgunder, Grauburgunder und Chardonnay sowie als interessante Kuriosität die wenig krankheitsanfällige Neuzüchtung Johanniter.

Bei den meisten Sorten setzt Claus Schneider auf verschiedene Klone, beim Spätburgunder insbesondere auf solche aus dem Burgund. Auch wenn die Exposition der über 50 Einzelparzellen am Südhang des Tüllinger Bergs, das Kalksteinterroir und das milde Mikroklima geradezu ideale Voraussetzungen für den Qualitätsweinbau bieten, braucht es gleichwohl einen Winzer von Format, der es versteht, die Reben mit Geduld und Respekt zu kultivieren und die gelesenen Trauben im Keller in erstklassige Weine zu verwandeln.

Nach einer rigorosen Traubenselektion werden die Einzellagen separat vinifiziert und ausgebaut. «Wir lassen die Weissweine auf der Feinhefe in grossen Fässern oder Barriques reifen, und auch die vier Spätburgunderversionen lagern, bevor sie ungefiltert in Flaschen abgefüllt werden, mindestens zwölf Monate in grossen oder kleinen Holzfässern», kommentiert Claus Schneider.

Ohne kitschige Restsüsse

Die Wein gewordenen Resultate dieser Bemühungen vermögen auf Anhieb zu beeindrucken. Vom süffig-filigranen Gutedel über die feinfruchtigen Kabinettgewächse und die gehaltvoll-facettenreichen CS-Kreszenzen (CS steht für terroirbetonte Selektionsweine) der weissen Burgundersorten bis hin zu den eleganten und ausdrucksstarken Spätburgundern: Allen Weinen ist eine herrliche Frische, eine terroirgeprägte Mineralität, ein ebenso solides wie elegantes Rückgrat, eine verführerische, aber niemals aufdringliche Frucht und eine harmonisch integrierte Säure eigen. Und alle Weine sind vollständig durchgegoren und ohne kitschige Restsüsse ausgebaut.

«Unser Ziel ist es, eigenständige und langlebige Weine zu keltern», fasst Claus Schneider sein Credo zusammen. Das gelingt dem sympathischen, bescheidenen Winzer auf bewundernswert stilsichere Weise. Drei hochkarätige Eisweine, vier flaschenvergorene Schaumweine und diverse Edelbrände runden das überzeugende Sortiment ab.