Strom ist nicht sexy. Sagt Tarzisius Caviezel. Der CEO der Burkhalter-Gruppe spielt mit dieser Aussage darauf an, dass die Branche der Elektroinstallateure kaum einmal Erwähnung findet in den Spalten der Wirtschafts- und Tageszeitungen. Wohl zu simpel ist der Umgang mit Strom für die Menschheit geworden jedenfalls diejenige der Ersten und der Zweiten Welt , als dass Hinz und Kunz sich noch gross den Kopf über das Wie und Warum zerbrechen würden. «Funktioniert alles einwandfrei, verschwendet kaum jemand einen Gedanken daran, wie viel Arbeit und Technik hinter einer Elektroinstallation stecken», betont Caviezel. Tritt das Gegenteil ein, ist guter Rat meist teuer. Und so muss Nullkommaplötzlich der Elektriker ran. Dessen Berufsbild hat sich denn im Verlaufe der letzten Jahre auch stark verändert: Weg vom Stromer, hin zum Allrounder.

Breite Angebotspalette

Die Spanne der Aufgaben und Probleme, mit denen sich die Branche von Berufes wegen zu beschäftigen hat, ist am Beispiel der Burkhalter-Gruppe gut einsehbar. Das 1959 von Ernst Burkhalter gegründete Unternehmen hat sich im Laufe der Zeit vom bescheidenen Elektroinstallations-Betrieb mit vier Angestellten zum vernetzt funktionierenden Generalunternehmen im Niederspannungsbereich mit knapp 2800 Mitarbeitern entwickelt; nebst dem Feld der klassischen Installationen und Schaltanlagen steckt die Gruppe mit ihren Angeboten und Dienstleistungen heute zusätzlich noch die Bereiche Services, Telematic, Security und Automation ab.

Eine moderne Materie, die zum einen im Wachstum begriffen ist, zum anderen und eben gerade aufgrund ihres Entwicklungstempos aber auch stets neue Herausforderungen an die Fachleute stellt. «Wer sich da nicht ständig weiterbildet, ist bald weg vom Fenster», bemerkt Tarzisius Caviezel. Aufgrund der Veränderungen am Markt geht der Burkhalter-Chef davon aus, dass etliche der heute landesweit 3500 Elektroinstallations-Firmen den Anschluss an die Entwicklung verpassen könnten. «Wir reden hier von Quantensprüngen», sagt Caviezel. Diese zu bewältigen setze ein Know-how voraus, das bei kleineren Betrieben gar nicht vorhanden sein könne, weil die entsprechende Schulung viel Zeit und Geld erfordere «und daran mangelt es aus nachvollziehbaren Gründen vielfach». Was für diese übrigbleibe, sei dann die weit weniger rentable Nische der Alltagsarbeiten.

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Mitarbeiter halten Aktien

Der Schweizer Elektroinstallations-Markt wirft an Umsatz jährlich rund 2,7 Mrd Fr. ab. Rund 15% davon (über 380 Mio Fr.) erwirtschaftet die Burkhalter-Gruppe, der um die 40 Gruppengesellschaften angehören. Sie alle funktionieren in der Regel autonom und unter eigenem Namen was gerade in ländlichen Gegenden von Vorteil ist können aber auf die Leistung der Dachorganisation zurückgreifen, sowohl was das Wissen und die Ausbildung anbelangt, als auch die Dienste in Bereichen, welche die eigene Firma nicht anzubieten im Stande ist.

Es ist ein auf Flächendeckung ausgerichtetes System, welches der Idee des 1987 gestorbenen Firmengründers entspringt und das die zentrale Abwicklung von Preisbelangen mit einschliesst. So hat sich das Konglomerat Burkhalter, an dessen Aktienkapital die Belegschaft zu 40% beteiligt ist, durch Neugründungen und Akquisitionen nach und nach zum «Stromer der Nation» gemausert. Symbolisiert wird die Gruppenzugehörigkeit der einzelnen Betriebe mit einer gelben Pfeilspitze, die den Namen abführt.

Rund ein Fünftel des Mitarbeiterstabes von Burkhalter sind Lehrlinge. Darauf ist man am Sitz der Holding an der Zürcher Hohlstrasse besonders stolz. «Würden alle grösseren Unternehmen in selbem Masse wie wir junge Berufsleute ausbilden, hätten wir hier zu Lande keine Lehrstellenmisere», bemerkt Tarzisius Caviezel, der als Leiter einer Task Force und designierter Verwaltungsrats-Präsident so ganz nebenbei dem finanziell angeschlagenen Hockey-Club Davos wirtschaftlich wieder auf die Kufen helfen will. Lehrlinge mitunter auch billige Arbeitskräfte? Der CEO, von seiner Grundausbildung her selber Elektriker («und ein stolzer dazu»), schüttelt den Kopf: «Die ersten drei Jahre investieren wir nur in einen Auszubildenden, im vierten Jahr zahlt sichs dann langsam aus.»

Nebst fachlicher Kompetenz fordert Caviezel von seinen Mitarbeitern Motivation, Herzblut und einen freundlichen Umgang mit der Kundschaft. Dass einer mit schmutzigen Schuhen in die gute Stube stampfe, das gehe einfach nicht an. Schliesslich sei der Mann vor Ort das Aushängeschild des Unternehmens. Und als solches wolle man in den nächsten Jahren weiter vorwärts kommen; ob mit weiteren Akquisitionen oder Neugründungen, das lässt Caviezel offen. «Wir geben Gas», gibt sich der Chef-Elektriker der Nation werbewirksam. Wobei, wörtlich genommen, sein spontaner Slogan eher für einen anderen Branchenzweig steht.

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Firmen-Profil:

Name: Burkhalter Group, Hohlstrasse 475, Postfach, 8048 Zürich. 01 432 47 77

Gründung: 1959 durch Ernst Burkhalter

Geschäftsleitung: Tarzisius Caviezel, CEO

Beschäftigte: 2800

Umsatz 2003: Rund 385 Mio Fr.

Tätigkeit: Elektroinstallationen, Services, Telematic, Schaltanlagen, Security, Automation

Internet: www.burkhalter.ch