Irgendwie hat es die Unternehmensberatergilde in Deutschland viel besser als in der Schweiz. Zwar landen auch dort Beratungsfirmen immer wieder mal kapitale Flops – so wirkte beispielsweise Roland Berger beim neuen Preissystem der Deutschen Bahn AG mit. Aber in puncto Auftragseingang muss sich die Branche in Deutschland zumindest keine Sorgen machen. Bei der Kundenakquisition kann man sich nämlich zuvorderst auf die rot-grüne Bundesregierung und den Deutschen Bundestag verlassen.

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Schröder und seine einfallsreiche Mannschaft sorgen nämlich zunächst ganz generell dafür, dass ohne externe Hilfe kaum mehr ein Unternehmer durchblickt, was er kann, soll oder darf. Und so manches, was in der Hauptstadt Berlin beschlossen wird, wirkt bei den Beratern landauf, landab sogar als Konjunkturprogramm: beispielsweise das so genannte Steuersenkungsgesetz aus dem Jahre 2000.

Dieses ermächtigt die Finanzbeamten nämlich, bei Betriebsprüfungen direkt auf die IT-Systeme der Unternehmen zuzugreifen. Dies führt für die (Leid-)Geprüften wiederum zur Verpflichtung, sämtliche Daten während der in der Regel zehnjährigen Aufbewahrungspflicht auf eigene Kosten jederzeit elektronisch zugriffs- und zudem auswertungsbereit zu halten.

Insbesondere für IT-Consultants ist dieser Gesetzesbefehl ein echter Segen. Denn ohne ihre Hilfe wird kaum ein Unternehmen – schon gar kein kleiner Handwerker, Einzelhändler, Architekt oder Arzt – in der Lage sein, die ziemlich happigen technischen Vorgaben der Finanzverwaltung hinsichtlich zulässiger Dateiformate, Datenträger oder Dateistrukturierungen und die vorgeschriebenen Dokumentationspflichten auch nur annähernd zu erfüllen.

Profitieren werden davon natürlich auch die Kollegen, die mit Steuer-, Prozess- und Strategieberatung ihre Brötchen verdienen. Sie sind aufgerufen, dem Unternehmen aus der Klemme zu helfen: Zwar darf der Betriebsprüfer nur Einsicht in «steuerrelevante» Daten fordern. Doch diese sind dank den auf Durchgängigkeit ausgelegten Warenwirtschafts-, Controlling-, SCM-(CIM-) oder Customer-Relationship-Management-(CRM-)Systemen bisher kaum irgendwo säuberlich von Kunden-, Zulieferer-, Forschungs- oder gar geschäftsstrategischen Daten getrennt.

Wer verhindern will, dass die Steuerbeamten zu Gesicht bekommen, was sie nun wirklich nichts angeht, muss die Daten separieren. Interessieren könnte es die Finanzbeamten nämlich schon, welcher Kunde was wann gekauft hat. Und wenn sie diese Information beiläufig bekommen, weil das zu prüfende Unternehmen Einblick gewährt, dann dürfen die Betriebsprüfer diese Erkenntnisse auch verwerten: beispielsweise für entsprechende Kontrollmitteilungen.

Gefragt sein werden künftig vor allem Unternehmensberater mit viel Kompetenz in steuerlichen Fragen. Sodann sind auch die Organisations- und Strategieberater gefordert. Sie müssen zunächst herausfinden, wo überall in den diversen Datensystemen eines Unternehmens einschlägige Informationen abgelegt sind. Und dann muss alles reorganisiert werden, was zur Folge haben könnte, dass zugleich komplette Betriebsabläufe oder Planungsinstrumente völlig neu strukturiert werden müssen.

Herbert Metze, Steuerchef bei Siemens, hat das indes alles schon hinter sich. Einen mehrstelligen Millionenbetrag musste Siemens dafür ausgeben. Dauer des Projekts: gut zwei Jahre. Schönheitsfehler: Ohne externe Berater ist freilich auch der Siemens-Konzern nicht ausgekommen.