Mit einem Betriebsgewinn von 262 Mio Fr. hat Swiss soeben das zweitbeste Halbjahresergebnis ihrer Geschichte geliefert. Sorgenfrei ist die Lufthansa-Tochter trotzdem nicht. «Am Horizont baut sich eine weitere Sturmfront auf», kommentierte CEO Christoph Franz die Zahlen und deutete damit auf weiter steigende Ölpreise, welche die gesamte Airline-Branche vor weitere Belastungsproben stellen.

Bei Swiss liegen die Treibstoffkosten 2008 rund 300 Mio Fr. über dem Vorjahr. Für 2009 ist eine weitere markante Steigerung zu erwarten. Die durch den Treibstoff bedingten Reinverluste werden in der gesamten Branche allein für dieses Jahr auf gegen 2,5 Mrd Fr. geschätzt.

Fluggeschwindigkeit sinkt

Mit ständig neuen Kerosinzuschlägen wird ein Teil der Last auf die fliegende Kundschaft überwälzt. Aus Wettbewerbsgründen halten sich hierbei dennoch die meisten Airlines zurück und tüfteln stattdessen an internen Betriebsoptimierungs- und Sparmöglichkeiten, auch die Swiss.

Ab Frühling 2009 wird deshalb die Airbus-A330-Flotte von Swiss modernisiert, was den Treibstoffverbrauch um 13% senken soll. Dank dem generellen Einsatz grösserer Flugzeuge und einer reduzierten Fluggeschwindigkeit auf Europaflügen hat Swiss den durchschnittlichen Treibstoffverbrauch pro 100 Passagierkilometer in den letzten zwei Jahren bereits um 7% gesenkt. Ferner hat Swiss eine Stelle geschaffen, die sich ausschliesslich mit den Möglichkeiten von Gewichtsreduktionen in der Luft beschäftigt. In den neuen A330 und A340 werden neue Business-Class-Sitze eingebaut, die dank Luftkissen 4 kg leichter sind als herkömmliche Modelle. Resultat: 650 t Kerosineinsparung pro Jahr.

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Beim Thema Gewichtsreduzierung entwickeln andere Airlines zuweilen viel Fantasie. So wird bei vielen Gesellschaften nur noch eine minimale Wassermenge geladen. US-Airlines denken darüber nach, übergewichtige Passagiere mit einer Extragebühr zur Kasse zu bitten. Weitere Gesellschaften schrauben alle Aschenbecher aus den Fliegern oder ersetzen Flughandbücher durch elektronische Anleitungen.

Einige Airlines tun sich auch mit der innovativen Erschliessung neuer Einnahmequellen hervor. So haben die US-Airlines Delta, Northwest, US Airways, United und Continental den Boarding-Pass der Passagiere als Werbefläche entdeckt.

Wichtige Allianzen

In der Not rückt man auch näher zusammen. Um Kosten zu senken und den Kunden bessere Flugpläne zu bieten, haben etwa British Airways, American Airlines und Iberia eine neue Kooperation bei der Abwicklung von Flügen zwischen Nordamerika und Europa vereinbart.

Auch Swiss profitiert von einer Flugplankoordination mit der Muttergesellschaft Lufthansa und weiteren Vorteilen, welche die Integration bei den Deutschen gebracht hat. Speziell in der aktuellen Situation ist die Beteiligung am Lufthansa-Treibstoff-Absicherungsprogramm zu nennen. Weitere Synergien bringen gemeinsame Terminals und Check-in-Zonen, der gemeinsame Vertrieb in Auslandsmärkten oder der Anschluss ans grösste Vielfliegerprogramm «Miles & More».

 

 


Hello möchte den Ausbau in der Schweiz vorantreiben

Bewegung bei der Bedarfsfliegerei: Spezialistin Hello, von VR-Präsident und Crossair-Gründer Moritz Suter geführt, verbleibt neben Martin Ebners Helvetic Airways bald als letzte unabhängige Anbieterin in der Schweiz.

Denn die ehemaligen Fluggesellschaften von Kuoni (Edelweiss Air) und Hotelplan (Belair) werden nicht mehr von diesen Reiseunternehmen betrieben, sondern fliegen je länger, je mehr unter den Dächern von Swiss (Edelweiss Air) und Air Berlin (Belair).

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Auch bei Hello stehen Herausforderungen an: Seit über zwei Jahren sind bis zu drei der sechs Hello-MD-90 für Iceland Express im Einsatz. Dieser Vertrag wird per Mitte September aus Kostengründen aufgelöst. Das sei für Hello «zwar eine Herausforderung, aber keine Krise», erklärt Hugo Wermelinger, Mitglied der Geschäftsleitung von Hello, gegenüber der «Handelszeitung». «Wir konzentrieren uns nun auf den Ausbau in der Schweiz.» Man arbeite mittlerweile mit allen namhafen Reiseveranstaltern zusammen, so auch Kuoni und Hotelplan.

Parallel prüfe Hello eine Umflottung auf einen anderen Flugzeugtyp, eventuell schon für das nächste Jahr ? denn die MD-90 zählt in Aviatik-Kreisen nicht mehr zum modernsten Gerät. Hello verhandle gegenwärtig über die Leasing-Verträge für all ihre MD-90 (je 167 Sitzplätze). Diejenigen für die drei von Boeing liefen noch ein Jahr, diejenigen für die drei von SAS liefen noch zwei Jahre.

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Bei der Bedarfsfliegerei geht es um die Vermietung von Maschinen samt Besatzungen, Unterhalt und Versicherung, kurz ACMI. Abnehmer sind Fluggesellschaften, Reiseveranstalter oder Kunden, die lediglich einen Einzelauftrag platzieren. Das kommerzielle Risiko trägt jeweils der Auftraggeber. (ncb)