Das laufende Jahr dürfte für die Softwarehersteller gut werden. «Wir erwarten eine weitere Erholung gerade im Firmenkundengeschäft», so die Analysten der Credit Suisse. Die Projektpipeline im Enterprise-Segment ist solide gefüllt, weil viele Firmen ihre 2008/2009 verschobenen Projekte jetzt nachholen (müssen), um nicht allzu stark hinter ihre Wettbewerber zurückzufallen. Dann steigen die IT-Ausgaben insgesamt um 4,3 Prozent, wie eine von der Credit Suisse veranlasste Umfrage unter den IT-Verantwortlichen von Firmen in ganz Europa ergab. Und auch die Mitglieder im Executive-Panel, die sich aus den Top-Managern von 60 Unternehmen zusammensetzt, wiesen auf eine Erhöhung der Firmeninvestitionen in diesem Jahr hin.

«Bei Microsoft Schweiz spüren wir mit einem Umsatz- und Gewinnwachstum weit über dem Marktdurchschnitt die aktuelle Aufbruchstimmung deutlich», sagt Peter Waser, der das Geschäft des US-Softwareriesen in der Schweiz leitet, «das führt auch zu einem deutlichen lokalen Stellenwachstum.» Die stärkste Nachfragesteigerung spürt man momentan in den Bereichen Computer- und Videospiele, Server, Office sowie insbesondere bei den Cloud Services. «Die Software aus der Steckdose steht symbolisch für das Umdenken, das momentan in den Köpfen der Entscheidungsträger stattfindet», sagt Waser weiter, «Flexibilität punkto ICT-Ressourcen sowie beliebige Skalierbarkeit des eigenen Angebots sind die wichtigsten Gründe für diesen Paradigmenwechsel.»

On Demand wird verlangt

Vom Boom bei On-Demand-Lösungen oder Software as a Service (SaaS) profitieren auch Anbieter wie beispielsweise QlikTech, das sich auf SaaS-Business-Intelligence spezialisiert hat. «Die Anfragen für schnelle BI-Lösungen der nächsten Generation sind stark gestiegen», sagt Martin Rast, Director Sales Schweiz bei QlikTech, «es hat sich herumgesprochen, dass dies mit QlikView nur Minuten oder Stunden dauert, eine Implementierung der Lösung nur Tage oder Wochen, und diese Erkenntnis setzt sich im Markt durch, was sich an der im Vergleich zu 2010 deutlich gesteigerten Nachfrage zeigt.»

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«Die Nachfrage von Banken, Versicherungen und Energiekonzerne ist stärker, gefolgt von Handel, Fertigung, Chemie/Pharma, Gesundheitswesen und dem öffentlichen Sektor», sagt Rast weiter. Er erwartet für das laufende Jahr weiteres Wachstum. «Die öffentliche Hand, der Handel, die Konsumgüterindustrie und die Dienstleister sind eher positiv», sagt Stefan Höchbauer, bei SAP-Managing Direktor für die Schweiz, «die Fertigungs- und Prozessindustrie ist aktuell eher zurückhaltend, das liegt möglicherweise an der Exportlastigkeit und am starken Franken.» Gefragt ist bei SAP alles, was rasche Mehrwerte bringt und schnell zum Erfolg führen kann. Nicht gefragt sind langfristige IT-Projekte mit grossen Risiken und Mehrwerten, die in vielen Jahren vielleicht eintreten werden. Mobile Einsatzszenarien ziehen an. Ebenso die Modernisierung der IT-Infrastruktur. «Nach wie vor hoch im Kurs stehen analytische Anwendungen. Die Nachfrage nach Reporting nimmt ab, der Trend geht hin zur proaktiven Simulation und Planung», sagt Höchbauer.
Auch bei SAP sieht man Nachfrage nach On-Demand-Lösungen. «Viele Kunden suchen die Konvergenz von unterschiedlichen Deployment-Formen», sagt Höchbauer, «aber Teile der IT-Landschaft wollen sie selber unter Kontrolle haben. Teile mit hoher Standardisierung oder dort, wo schnellstmöglich eine Lösung her muss, werden auch gehostet.»

Die wichtige technologische Basis der On-Demand-Angebote ist Virtualisierung. «Die Virtualisierung des Rechenzentrums wird auf allen Ebenen und in allen Marktsegmenten kontinuierlich vorangetrieben, insbesondere auch im Bereich der business-kritischen Anwendungen», sagt Othmar Bienz, vom Softwareunternehmen VMware. «Unternehmen setzen vermehrt auf neue Lösungsansätze wie Desktopvirtualisierung. Die Zahl der Projekte bei Organisationen der öffentlichen Verwaltung, Gesundheitswesen und Ausbildung ist signifikant höher als in anderen Marktsegmenten.»
 

Solide Nachfrage nach KMU-Software

«Das KMU-Geschäft läuft in vielen Sektoren erfreulich, das gilt sowohl für SAP Business One als auch SAP All-in-One», heisst es bei SAP. Das spüren auch weitere Anbieter. «KMU in der Schweiz sind in vielen Bereichen dem Globalisierungsdruck noch nicht zu stark ausgesetzt gewesen, das nimmt jetzt zu. Zusätzlich belastet der starke Franken die Exportwirtschaft», sagt Jean-Jacques Suter, CEO von Sage in der Schweiz, «Schweizer KMU müssen wirtschaftlicher werden und ihre Marktbearbeitung professionalisieren.

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Das kommt uns als Anbieter von Business Software entgegen, so haben wir im letzten Jahr 9000 neue Kunden gewonnen.» Diese Kunden erwarten immer mehr Support vom Hersteller und weniger neue Features. «50 Prozent der 100 000 Anrufe, die wir jährlich entgegennehmen, beziehen sich nicht auf die eingesetzte Software, sondern sind Fachfragen zu betriebswirtschaftlichen und rechtlichen Themen», sagt Suter weiter, «aus diesem Grund erweitern wir laufend unser Dienstleistungsangebot, wie etwa mit dem HR Advisory Service, also Auskünften zum Thema Arbeitsrecht.» Auch Suter beobachtet das zunehmende Interesse für Business Intelligence. Wollten Unternehmen in der Vergangenheit «kontrollieren», setzen sie laut Suter zukünftig Business Software zur Unternehmenssteuerung ein – geschäftsrelevante Daten auf Knopfdruck.

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Schweiz optimistischer als Resteuropa

«Bei Unternehmen bis 50 Mitarbeitende verzeichnen wir weiterhin eine starke Nachfrage nach der bewährten KMU-Software Sage 50 mit Finanz- und Lohnbuchhaltung sowie Warenwirtschaft», sagt Suter weiter. «Viele Schweizer KMU sahen in der Vergangenheit noch keine Notwendigkeit, effizientes CRM-Management zu betreiben, sodass nur wenige Unternehmen CRM-Lösungen nachfragten. Konkurrenzdruck, Kundenbindung und schnelle Verfügbarkeit von Kundendaten gewinnen jedoch eine immer grössere Bedeutung – was in einer stärkeren Nachfrage nach CRM-Lösungen resultiert.» Globalisierung, zunehmende Vernetzung und das generelle Bedürfnis, punktuell, zeit- und ortsunabhängig auf Business-Daten zugreifen zu können, verändere laut Suter die Anforderungen an ERP-Lösungen. «Aus diesem Grund baut Sage sein Portfolio in diese Richtung aus.»«In der Schweiz läuft das Geschäft sehr gut, das kompensiert die etwas harzigen Bedingungen in Europa», sagt Patrick Burkhalter, Geschäftsleiter von Ergon, «das Volumen der einzelnen Projekte ist grösser als 2010, eine Tendenz, die wir seit zwei Jahren feststellen.»

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Unternehmen überlegen sich laut Burkhalter wieder mehr, wie sie mit Software ihre Wettbewerbsfähigkeit verbessern können. «Die Anfragen, die wir erhalten, betreffen kaum mehr Kostenverminderung oder Kostenoptimierung, sondern es werden Wege gesucht, mit massgeschneiderter Software Kernprozesse zu optimieren und sich so von der Konkurrenz abzuheben», erklärt Burkhalter weiter, «zurückhaltend ist bei uns immer noch die Finanzbranche. Die Industrie, der Handel und die Telekom-Firmen sind wieder investitionsfreudiger.» Die Auftragslage bis Ende Jahr ist besser als vor zwölf Monaten. «Allerdings sind in den letzten paar Wochen die Anfragen etwas zurückgegangen», schränkt Burkhalter ein, «ob das nur ein kurzzeitiger Effekt ist, wird sich bis im Sommer zeigen. Wir gehen allerdings davon aus, dass sich das wieder normalisiert.» «Insgesamt sind wir mit dem Geschäft sehr zufrieden», sagt Michael Binder, Manager Technology Sales Organisation bei Symantec Schweiz, «die Kunden setzen auf die Lösungen aus den Bereichen Information Protection, Data Loss Prevention und Encryption, mit denen sie ihre sensiblen und wertvollen Daten innerhalb und ausserhalb des Unternehmens bestmöglich schützen.»
 

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Sicherheit darf kosten

«Wir verzeichnen eine ungebrochen hohe Nachfrage nach Managed Services und rechnen 2011 in der Schweiz mit einem Wachstum von etwa 20 bis 25 Prozent», sagt auch Georg Hartmann, Country Manager von Retarus, einem IT-Dienstleister, «grosse sowie mittelständische Unternehmen investieren vermehrt auch in Cloud-Dienstleistungen im Messaging-Umfeld.» Hier rechnet man mit « kontinuierlichem Wachstum», und «es ist geplant, die Belegschaft weiter auszubauen.»
«Das Thema Virtualisierung und Automation etwa ist ein grosses Thema», sagt Manfred Eierle, Chef des US-Softwarehauses CA in der Schweiz, «jeder will seine Effizienz steigern und vorhandene Ressourcen besser ausnutzen. Ausserdem möchten viele Unternehmen agiler und dynamischer auf Spitzenbedürfnisse reagieren.» Die Sicherheit ist ein Thema. «Es ist kein Geheimnis, dass der Mensch die grösste Sicherheitsschwachstelle darstellt», sagt Eierle, «ob versehentlich oder vorsätzlich, ohne entsprechende Sicherheitsmechanismen kann theoretisch jeder Mitarbeiter einer Firma interne Daten mit nach aussen nehmen und weiterleiten. Das ist bei unseren Kunden gefragt.» Hardware-Schlüssel wie zum Beispiel der RSA SecurID-Token sind laut Eierle als Sicherheitsmechanismus mittlerweile veraltet, zu wenig praktikabel und zu aufwendig. «Es sind nur die grossen Banken, die das Management ihrer IT effizienter gestalten wollen oder gar müssen», so Eierle.

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IT-Slang

Outsourcing
Das Auslagern von Dienstleistungen an dafür spezialisierte Unternehmen. Der für das Outsourcing zuständige Dienstleistungserbringer ist der Provider.
Cloud ComputingIT-Dienstleistungen werden über ein Netzwerk ausgelagert. Rechenzentren und Datenspeicher werden so nicht mehr von den Unternehmen selbst betrieben, sondern von spezialisierten Anbietern übernommen.

SAAS
Steht für Software-as-a-Service. Software-Lösungen werden als Service-Dienstleistungen von spezialisierten Unternehmen übernommen. Der Kunde verfügt nur noch über die IT-Infrastruktur.

CRM
Steht für Customer Relationship Management. CRM-Systeme verwalten die Kundenkontakte eines Unternehmens und nutzen sie zur Vertiefung der bestehenden Kundenbeziehungen.

ERP
Bedeutet Enterprise Resource Planning. Mit ERP-Systemen soll es gelingen, die Unternehmensressourcen zu überwachen und möglichst effizient einzusetzen.

Data Loss Prevention
Die Technologie bietet Schutz gegen den unerwünschten Abfluss von Daten, da dadurch dem Unternehmen ein Schaden entstehen könnte.

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