Rechtzeitig zum Start der SAP-Userkonferenz «Sapphire» in Orlando (Florida) kam am Montagmorgen die einflussreiche US-Anlegerzeitschrift Barron’s mit einem Beitrag über das deutsche Softwarehaus heraus. Folgerung des Artikels: Die Konsolidierung im Softwaregeschäft beschleunigt sich eher noch, weil sich das Wachstum verschärft, der Wettbewerbsdruck zunimmt und es eine Konvergenz zwischen Computern, Netzwerktechnologien und Speichersystemen gibt. Deshalb könne SAP nicht ewig unabhängig bleiben und ein Zusammengehen mit IBM oder Microsoft mache mehr Sinn als zuvor. Zumal der Kauf von Sun Microsystems durch Oracle die Richtung weise.

Léo Apotheker, Co-CEO von SAP, sagte an einem kleinen Presseanlass am Montag in New York zwei Dinge dazu: Erstens glaubten die Kunden, dass die Unabhängigkeit von SAP in ihrem eigenen Interesse liegt, weil damit die Applikationen auf allen Betriebssystemen (Windows, Linux, Unix) läuft. Das lässt auch Raum für Wettbwerb, was wiederum zugunsten der Kunden läuft. Und zweitens möchten Firmenkunden nicht unbedingt alles von vertikal integrierten Anbietern kaufen. Der Kauf von Sun durch Oracle sei deshalb für SAP nicht relevant und werde die Softwarelandschaft nicht ändern.

«Out of the Box» – der neue Trend?

Oracle setzt mit dem Sun-Kauf laut Analysten auf den Kundentrend, einfache, robuste und vorkonfigurierte Lösungen zu vernünftigen Wartungskosten anzubieten. Diese hoch vertikalen Lösungen umfassen auf der Softwareseite alles, von der Datenbank bis hin zu vorkonfigurierten Produkten. Und bei der Hardware gehört alles dazu, vom Chip, Speicher bis zu den Schnittstellen.

Das Geschäft im Netzwerkbereich bei Switches und Routern, mit denen Firmen wie Cisco und weitere Anbieter hohe Margen für Hardware-plus-Softwarekombinationen erzielen, ist äusserst lukrativ. Doch  auch im Speicherbereich verdient ein Anbieter für die in Datenspeichernetzen verwendeten Filer viel Geld. Analysten sind sich jedoch nicht sicher, ob das in diesen Nischen funktionierende Modell auch in anderen Bereichen wie bei Server-plus-Datenbanken-plus-Firmenanwendung-Paketen funktioniert. Wenn sich allerdings eine gesunde Nachfrage materialisiert und das Oracle-Sun-Gespann funktioniert, würden Konkurrenten wie IBM oder HP in die Gefahr geraten, zu nicht-strategischen Lieferanten abgestuft zu werden. Und dann wären laut Analysten beide gezwungen, sich bei Applikationen zu verstärken und hier kommt lediglich noch SAP als Ziel in Frage.

Wirklich wahrscheinlich ist ein Kauf von SAP durch IBM wenigstens auf kurze Sicht nicht, meinen die Analysten von Oddo Securites. Dies obwohl SAP und Oracle bei Applikationen und IBM und Sun bei Servern erbitterte Konkurrenten sind, SAP bereits ein langjähriger historischer Partner von IBM ist, beide Firmen eine ähnliche formale und etwas steife Kultur haben (die alten drei SAP-Gründer, die 29% der Aktien halten, stehen an der Schwelle oder knapp über dem Pensionsalter  und auch ein Tandem Microsoft-SAP möglich wäre. Microsoft hat mit 23 Mrd Dollar knapp zwei Drittel der SAP-Marktkapitalisierung an Barmitteln zur Hand. Eine wirklich feindliche Übernahme ist in der Softwarebranche selten und Oracle hatte damit bei PeopleSoft Erfahrungen gesammelt. SAP dürfte sich mindestens ebenso erbittert gegen einen feindlichen Käufer stemmen.

Zeichen der Stabilisierung

SAP-Co-CEO Apotheker sagte in New York weiter, dass es Anzeichen für eine Stabilisierung der wirtschaftlichen Situation gibt und Hoffnungsschimmer für eine Erholung in der zweiten Jahreshälftet. Mit einer beschleunigten Erholung rechnet er für 2010. Diese Aussagen waren indes mehr auf eine makroökonomische Top-down-Analyse gemünzt und sind kein Update zur Aussage vom 29. April, wonach es im Geschäft an Visibilität fehlt. Und auch der Restrukturierungsplan – SAP baut in diesem Jahr 3000 Stellen ab – soll wie geplant weitergehen.

Bestätigt wurden diese Aussagen vom SAP-Finanzchef Werner Brandt, der sich an der Sapphire im kleinen Rahmen mit einigen Finanzanalysten zum Abendessen traf. Er sagte, dass SAP weitere Kosten einsparen könne, ohne weitere Stellen abbauen zu müssen. Vor allem bei den Forschungs- und Entwicklungsausgaben, die von Drittfirmen absorbiert werden, sei der Spielraum sehr gross. Daraus schlossen die Analysten der Deutschen Bank, dass SAP ein gutes Mittel hat, die Margenziele zu erreichen. Analysten erwarten, dass das Zielband zwischen 26,5 und 28,5% erreicht und möglicherweise – exklusiv Einmalfaktoren wie die Restrukturierungsausgaben – übertroffen werden wird.

Neue Quoten

Eine weitere Umstellung erfolgte bei der Verkaufsorganisation. Die quotentragenden Verkäufer bekamen neue Ziele. Dabei werden hohe Volumen genauso belohnt wie der Mehrverkauf von Wartung und Services. Damit soll sich der Schwund bei den Lizenzeinnahmen (im 1., hinsichtlich des Volumens kleinen Quartals sanken diese um 34%) in der 2. Jahreshälfte abschwächen. Für SAP ist das 4. Quartal das mit Abstand wichtigste und hier soll im Vergleich mit 2008 ein Plus erzielt werden.

Möglicherweise helfen dabei Verkäufe von Business-Intelligence-Produkten. Diese laufen laut den Analysten der Credit Suisse, besser als die ERP-Verkäufe. Die Analysten haben sich bei den in Orlando versammelten Kunden umgehört, sie gehen davon aus, dass die Ausgaben für Firmenanwendungen weiterhin schwach bleiben werden. Kunden schaffen sich derzeit kaum Software mit langen Amortisationszeiträumen an. Das führt zu kleineren Abschlüssen und zu längeren Verkaufszyklen. Der EPR-Markt ist zwar reif, aber es gibt laut einigen Systemintegratoren, welche die Suiten von SAP installieren, Anzeichen, dass jetzt der Boden gefunden worden ist und sich die Auftragspipeline langsam wieder füllt.

Noch keine grosse Unterstützung ist dabei laut den Analysten der Bank of Amercia/Merrill Lynch das neue, für das mittlere Marktsegment gedachte Produkt «Business-by-Design» nach den bisher gemachten Fehlern und den dafür erhaltenen Vorschusslorbeeren. Inzwischen seien aber auch hier Fortschritte bei Design, Funktionalität und der Technologie gemacht worden und mit ersten Erfolgen am Markt könne in den kommenden Monaten gerechnet werden.