Nach Inkrafttreten des revidierten Gesetzes gilt das BVG-Obligatorium bereits ab einem Lohn von 18 990 Fr. gegenüber einem früheren Satz von 25 320 Fr. Somit werden künftig viele Teilzeit-Angestellte neu versichert sein. Dabei bleibt der obere Grenzbetrag von 75 960 Fr. Gleichzeitig wird der Koordinationsabzug zur Bestimmung des versicherten (koordinierten) Lohnes von 25320 auf 22155 Fr. herabgesetzt. Der koordinierte Lohn liegt in der Bandbreite zwischen unverändert 3 165 und 53805 (bisher 50640) Fr. Der höhere versicherte Lohn und die damit verbundenen höheren Altersgutschriften dienen zur Abfederung des reduzierten Umwandlungssatzes, der ohne begleitende Massnahmen zu noch tieferen Renten führen würde.

Gleichzeitig werden die Altersgutschriften für Männer und Frauen vereinheitlicht und betragen künftig 7% für die Altersgruppe 25 bis 34, 10% für das Segment 35 bis 44, 15% für Personen zwischen 45 und 54 und 18% für 55- bis 65-Jährige. Der Umwandlungssatz zur Berechnung des Alters wird innerhalb von zehn Jahren von 7,2 auf 6,8% reduziert. Die Rentenleistungen sind künftig geschlechtsneutral definiert und mit der AHV/IV koordiniert. Das bedeutet die Erhöhung des Rentenalters für Frauen im Jahr 2005 auf 64 Jahre, die Einführung einer Witwerrente und bei der IV-Rente neu Viertels- und Dreiviertelsrente neben der bisherigen halben und vollen Rente. Leistungen an Konkubinatspartner sind neu vereinfacht möglich, sofern dies im Vorsorgereglement vorgesehen ist und die Lebensgemeinschaft mindestens fünf Jahre gedauert hat. Ferner können die Versicherten neu ein Viertel ihrer Altersleistung in Kapitalform statt als Rente beziehen.

Steuerliche Aspekte (ab 1.1.2006)

Der maximal versicherbare Lohn darf das AHV-beitragspflichtige Einkommen nicht übersteigen. Diese auf den ersten Blick selbstverständliche Regelung birgt in der Praxis Probleme für Selbstständigerwerbende, etwa bei Negativergebnissen, und Versicherte mit wesentlichen variablen Lohnbestandteilen. Hier wird künftig ein Entgegenkommen der Steuerbehörde notwendig sein, um den wünschbaren Risikoschutz nicht zu verhindern. Die absolute Höchstgrenze wird mit dem Zehnfachen des oberen BVG-Grenzbetrages (aktuell 10 x 75960 Fr. = 759600 Fr.) definiert. Weiter gehende Beträge sind steuerlich innerhalb der beruflichen Vorsorge nicht anerkannt. Selbstständigerwerbende haben neu die Möglichkeit, sich ausschliesslich im überobligatorischen Bereich zu versichern. Dies eröffnet eine Optimierung der persönlichen Vorsorgeplanung.

Anzeige

Freiwillige Einkäufe in die Pensionskasse sind innerhalb des oben definierten Maximallohnes möglich. Wurden Einkäufe getätigt, so dürfen die darauf resultierenden Leistungen innerhalb der nächsten drei Jahre nicht in Kapitalform (Kapitalbezug bei Pensionierung, Vorbezug für Wohneigentum) zurückgezogen werden. Wurden Vorbezüge zur Wohneigentums-förderung getätigt, so sind freiwillige Einkäufe erst zulässig, wenn die Vorbezüge zurückbezahlt sind.
Transparenzbestimmungen

Nicht zuletzt im Zuge der polemischen Diskussionen zum Thema «Rentenklau» wurden Bestimmungen erlassen zur besseren Information der Versicherten und zur transparenteren Darstellung der Jahresrechnungen der Sammelstiftungen und der klassischen Vorsorgeeinrichtungen. Mit dem Hauptziel, die tatsächliche finanzielle Lage der Vorsorgeeinrichtung ersichtlich zu machen, hat der Bundesrat die Fachempfehlung zur Rechnungslegung Swiss GAAP FER 26 («Rechnungslegung von Personalvorsorgeeinrichtungen») für alle Vorsorgeeinrichtungen verbindlich erklärt. Das Wichtigste zu FER 26 ist in der nebenstehenden Tabelle zusammengefasst.

Der Aufwand zur Erfüllung der Transparenzbestimmungen ist nicht zu unterschätzen. Um am 1. Januar 2005 buchhalterisch gut gerüstet zu sein, sollte man mit den Umstellungsarbeiten spätestens im Frühherbst 2004 begonnen haben.

Die Frage nach der Sicherheit hat sich manche versicherte Person gestellt, als sich in den letzten Jahren Schlagzeilen wie «Börsencrash» oder «Unterdeckung bei Pensionskasse» häuften. Solche Negativmeldungen sollen aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die berufliche Vorsorge als relativ sicheres System bezeichnet werden darf. Dafür sorgen präventive Massnahmen wie

Anzeige

- relativ detaillierte Vorschriften zur Führung der Pensionskasse;

- die in den letzten Jahren zunehmend restriktiveren Anlagevorschriften;

- Kontrollpyramide mit internen Kontrollen, Kontrollstelle, PK-Experte und Aufsichtsbehörde.

Wird eine Vorsorgeeinrichtung trotz allem zahlungsunfähig und eine Sanierung ist nicht mehr möglich, etwa infolge Konkurses des Arbeitgebers, stellt der Sicherheitsfonds die Altersguthaben und Renten bis zu einem versicherten Lohn von aktuell 113 940 Fr. (= 1,5 x oberer BVG-Grenzbetrag) sicher. Selbst die durch den Sicherheitsfonds nicht gedeckten überobligatorischen Leistungen sind noch nicht definitiv verloren. Denn sie sind im Konkurs der Vorsorgeeinrichtung im Gegensatz zu den obligatorischen Leistungen (3. Klasse) erstklassprivilegiert und gelangen somit in der Regel ebenfalls zur Auszahlung.

Trotz relativ grosser Sicherheit der Vorsorgegelder tut der Stiftungsrat dennoch gut daran, die ihm anvertrauten Gelder sorgfältig anzulegen. Denn im Schadenfall prüft der Sicherheitsfonds die Verantwortlichkeiten und zieht fehlbare Führungsorgane zur finanziellen Rechenschaft.

Heinz Vogel, dipl. Wirtschaftsprüfer, Präsident Vorsorge, BDO Visura, Solothurn.


Swiss GAAP FER
Rechnungslegung von Pensionskassen: Merkmale

- gültig ab Jahresrechnung 2005

- für alle Vorsorgeeinrichtungen (VE) zwingend anwendbar (öffentlich-rechtliche VE, patronale Stiftungen usw.)

- Darstellung der tatsächlichen finanziellen Lage, d.h. Bewertung zu aktuellen Werten ohne Einbau von Glättungseffekten bisher gültiges Nominalwertprinzip bei Obligationen entfällt

- Vorjahreszahlen 2004 umgliedern, jedoch nicht neu bewerten

Anzeige

- Wertschwankungsreserven sind erlaubt; Zielgrösse ist vom Stiftungsrat zu definieren, bisher angewandte Pauschalmethoden sind zulässig, wenn sie auf finanzökonomischen Überlegungen basieren

- Ausweis von freien Mitteln erst möglich, wenn Zielgrösse der Wertschwankungsreserve gebildet; umgekehrt ist Unterdeckung erst auszuweisen, wenn die Wertschwankungsreserve vollständig aufgelöst ist

- Gliederung der Jahresrechnung nach verbindlichen Hauptpositionen und Unterpositionen

- Darstellung der Betriebsrechnung in Staffelform mit Ausweis folgender Ergebnisse:
­ - Nettoergebnis aus dem Versicherungsteil
­ - Nettoergebnis aus Vermögensanlage
­ - Ertrags-/Aufwandüberschuss vor Bildung/Auflösung Wertschwankungsreserve
­ - Ertragsüberschuss/Aufwandüberschuss

- Detaillierterer Anhang mit Vorjahreszahlen

- Bei Unterdeckung jährlich vollständiges versicherungstechnisches (Grob-)Gutachten notwendig


Mögliche Auswirkungen/Handlungsbedarf für Ihre Vorsorgeeinrichtung

- Überprüfung Bewertungsgrundsätze im Allgemeinen

- Entwicklung praktikables Bewertungskonzept (ertragswertorientiert) für Immobilien

- Bestimmung der notwendigen Wertschwankungsreserve (Zielgrösse) basierend auf finanzökonomischen Überlegungen

- Überprüfung Kontenplan (Gliederung, Kontenbezeichnungen)

- Umgliederung Vorjahreszahlen

- Überprüfung Gliederung und Inhalt Anhang