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BZ Holding: Angriff auf Martin Ebner

Die Gläubigerbanken haben Aktienpakete im Wert ihrer Ausstände erhalten. Durch die sinkenden Kurse sind die Schulden jetzt aber nicht mehr gedeckt. Experten vermuten dahinter ein System.

Von Jürg Wirth und Charlotte Jacquemart
am 26.11.2002

Wir sehen keinen Grund dafür, jeden Tag eine Bilanz bekanntzugeben.» Kurt Schiltknecht, Sprecher der BZ Gruppe, kann die Frage nach Aktiven und Passiven nicht mehr hören. Weil die Holding nicht börsenkotiert ist, ist sie dazu nicht verpflichtet.
Dafür schiessen die Spekulationen um den Gesundheitszustand der Gruppe ins Kraut. Die vom «Wall Street Journal» geschätzten Ausstände von 6 Mrd Fr. stellt Schiltknecht kategorisch in Abrede. «Total falsch ist diese Zahl.» Gemäss Schätzungen der «HandelsZeitung» beträgt der Wert der Beteiligungen nicht 4 Mrd Fr. wie vom «Wall Street Journal» geschrieben, sondern 4,5 bis 5,3 Mrd Fr. Jetzt noch. Denn dieser Wert kann ohne weiteres stärker sinken. Zum einen, weil dieser Betrag auf einem Aktienanteil der BZ Gruppe an der CS von 4,9% beruht. Bei dieser Position ist lediglich bekannt, dass sie unter 5% liegt. 4,9% ergäben noch Mittel von knapp 1,3 Mrd Fr.
*ABB, CS und Baloise sinken*
Zum anderen, weil einige der Titel aus dem Beteiligungsportefeuille eingebrochen sind und ein Ende nicht in Sicht ist. Aus Bankenkreisen ist zu hören, dass die CS ihr tiefstes Kursniveau erst im Spätherbst erreicht haben wird. Bereits jetzt ist der Titel der Grossbank innerhalb eines Jahres von etwas über 70 Fr. auf 20 Fr. gesunken.
Gleiches gilt für die Papiere des Industriekonzerns ABB. Von 20 auf 3 Fr. fiel der Titel innerhalb eines Jahres. Die BZ Holding hält 9,7% beim schweizerisch-schwedischen Unternehmen. Eben hat sich ABB zwar im Asbeststreit aussergerichtlich einigen können, ob dies aber genügt, um den Aktienkurs zu steigern, bleibt abzuwarten. Zu gross sind die Unsicherheiten in diesem Titel.
Selbst der Wert einer Aktie der an sich gesunden Versicherung Bâloise hat sich innerhalb eines Jahres von 150 auf 50 Fr. verändert. Daraus resultiert ein Anlagevermögen Ebners in diesem Titel von 300 Mio Fr. Auch dieses war schon höher. Wie die «HandelsZeitung» weiss, ist Ebner bei rund 140 Fr. eingestiegen.
Es erstaunt deshalb nicht, dass ein Vermögensverwalter in den sinkenden Kursen der grossen Beteiligungen Ebners durchaus System sieht. Er glaubt, dass Ebners Holding so «zur Schnecke gemacht werden soll». Konkret geht es darum, die Holding in eine mögliche Liquidation zu führen.
Dazu müsste Artikel 725 aus dem Obligationenrecht (OR) erfüllt sein. Dieser besagt, dass die Revisionsstelle eine Zwischenbilanz überprüfen muss, falls begründete Besorgnis einer Überschuldung besteht. Ergibt sich daraus, dass die Forderungen der Gesellschaftsgläubiger weder zu Fortführungs- noch zu Veräusserungswerten gedeckt sind, hat der Verwaltungsrat den Richter zu benachrichtigen.
Ebner ist überschuldet, wenn die Werte seiner Beteiligungen die Ausstände der Gläubiger nicht mehr decken. Denn diese haben als Sicherheit ein Wertpapierpaket in der Höhe der Ausstände erhalten. Dabei steht fest, dass die Ausstände auf Grund der sinkenden Kurse inzwischen höher sind als der Wert des Aktienpaketes.
Über die Zusammensetzung des Paketes herrscht an und für sich Stillschweigen. Zumindest bei der Landesbank Baden Württemberg (LBBW) dürfte ein grosser Anteil von ABB- und CS-Aktien liegen. Hat sie doch in einem Statement festgehalten, dass derzeit weder ABB- noch CS-Aktien verkauft würden. Solche Verkäufe seien auch bisher nicht erfolgt, heisst es weiter, und die LBBW habe auch keinen Druck auf Martin Ebner ausgeübt, Verkäufe vorzunehmen. Die BZ Gruppe verkauft in Abstimmung mit dem internationalen Bankenkonsortium nicht in der Baisse.
Ob unter Druck oder freiwillig, jedenfalls will sich Ebner «in den nächsten Wochen» von seinem Lonza-Paket trennen. 19,8% mit einem Wert von rund 780 Mio Fr. hält der Financier. Zum allfälligen Käufer machte Schiltknecht keine Angaben.
*Verbindung zu Blocher bei Lonza möglich*
Eine Verbindung zum Engagement von Ems-Chef Christoph Blocher wäre aber durchaus möglich. Dieser hat eine Put-Option mit einer Laufdauer bis Dezember 2003 auf 4,4 Mio Lonza-Aktien verkauft. Steigt der Kurs, erhielte die Gegenpartie, die unter Umständen Ebner sein könnte, die Differenz zwischen Kaufpreis und Auslösungspreis. Sinkt der Kurs aber, so ist Blocher verpflichtet, die Aktie zu übernehmen. Und erst dann sind sie physisch in seinem Besitz. Gemäss Joos Zulauf, dem Finanzexperten der Ems, sind diese Papiere Teil des Ziels, den Aktienanteil auf maximal 33% an Lonza zu erhöhen.
ABB- und CS-Aktien sollen in der Baisse nicht verkauft werden, und auch die Bâloise abzusetzen lohnt sich gegenwärtig nicht. Bleiben also noch die Papiere der Rieter. Finanzchef Hans Rudolf Widmer weiss nicht genau, welchen Anteil Ebner hält. Er schätzt ihn auf einen Wert zwischen 20 und 30%. Und tatsächlich macht man sich in Winterthur Gedanken, was mit diesem Paket passieren könnte. Deshalb sucht das Unternehmen aktiv nach einer Lösung, zu der auch ein teilweiser Rückkauf gehören könnte.

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