C&A macht ernst: Die Modekette eröffnete im deutschen Augsburg die erste Filiale ihrer neuen Billigkette Avanti. Bis zum Jahresende sollen zehn weitere Häuser mit der Erkennungsfarbe Quietschorange folgen, alle in besten Innenstadt-lagen. «Zum ersten Mal bringen wir den Discount und die Highstreet zusammen. So etwas gab es in Deutschland bisher nicht», verkündete Andreas Seitz, Marketing-chef von C&A Europe. Branchenkenner halten das Konzept für erfolgversprechend.

«Konzept ist multiplizierbar»

In einem nächsten Schritt dürfte Avanti auch in der Schweiz Fuss fassen (siehe auch «Handelszeitung» Nr. 50 vom 12. Dezember 2007). «Das Konzept für preiswerte Mode ist europaweit multiplizierbar und kann damit auch in der Schweiz eingesetzt werden», bestätigte der deutsche C&A-Sprecher Thorsten Rolfes bereits im vergangenen Dezember gegenüber der «Handelszeitung». Ob 2008 einer der bis zu 2000 m2 grossen Avanti-Ableger hierzulande an den Start geht, sei noch offen. «Aber nichts ist ausgeschlossen», so Rolfes.Hiesige Wettbewerber müssen sich jedenfalls warm anziehen. Bei den Preisen liegt Avanti laut C&A-Marketingstratege Andreas Seitz «unterhalb von C&A, aber oberhalb der Discounter». Damit meinte der Marketingmann wohl Billigketten wie Kik und Takko – diese haben ebenfalls Expansionspläne in die Schweiz angekündigt. Die Discounter wachsen seit Jahren rasant, während die Branche vor sich hindümpelt. Allein Kik eröffnet fast an jedem Werktag eine Filiale, obwohl es schon mehr als 2000 gibt.Von diesem Kuchen will jetzt auch die C&A-Gruppe ein Stück abhaben, trotz der Kannibalisierungs-Gefahr. Die 2,8 Mrd Euro, die die Hauptmarke C&A zuletzt in Deutschland umsetzte, sind nicht genug. «Das Marktsegment von Avanti in Deutschland dürfte 5 bis 6 Mrd Euro gross sein», meint Seitz. Um auch nur 1 Mrd Euro davon zu ergattern, muss die Kette angesichts der Spott-Preise allerdings Unmengen von Textilien verkaufen. Träger-Shirts für junge Frauen kosten 2 Euro, die T-Shirts beginnen bei 2.50 Euro. Oberhemden sind für 6 Euro zu haben, fünf Paar Socken für 4, stonewashed Jeans für 9 und Damen-Jacken für 19 Euro. «Wir arbeiten mit eigenen Designern», sagt Avanti-Chef Hans-Peter Stadler. Dabei kommen dann Kinder-T-Shirts für 4 Euro mit Aufdrucken wie «Papa wollte Jungs, doch jetzt hat er uns» für Mädchen und «Ladykiller» oder «Someday I‘ll be your Boss» für die Jungs heraus.Anders als Kik oder Takko, die meist vor den Toren der Stadt oder in billigen Lagen mit Billigst-Textilien handeln, will Avanti in die Fussgängerzonen oder Einkaufszentren der Städte mit mehr als 200000 Einwohnern. In den Häusern mit Verkaufsflächen zwischen 1500 und 3000 m2 soll es keine Ramsch-Anmutung geben. Hauptzielgruppe sind junge, modebewusste Mädchen, es gibt aber auch Herren- und Kinderkleidung. Die Läden bieten weniger Artikel als C&A, dafür gibt es die vorhandenen Hemden, Tops oder Hosen aber in grösserer Variation von Farben und Grössen. Neun- bis zehnmal im Jahr wechselt die Kollektion. Beratung gibt es praktisch nicht, «unsere Kunden brauchen das nicht», glaubt Stadler.In «drei bis fünf Jahren» will er die Gewinnzone erreichen. Das wäre ohne die Einbindung in die C&A-Organisation niemals möglich. Die Kette kauft eigenständig über C&A ein und dürfte damit die wohl günstigsten Konditionen auf dem Markt ergattern. Avanti braucht zudem keine eigene Logistik, keine IT, kein Personalwesen, keine Buchhaltung – alles kommt kostengünstig von der Muttergesellschaft.Seitz versicherte zudem, dass das neue Unternehmen mit einer Gewinnmarge «deutlich unterhalb des Branchenschnitts» kalkuliert. Der dürfte bei 2 bis 3% liegen. Ein Branchen-Insider will das allerdings nicht recht glauben: «Das mag vielleicht für die Startphase gelten. Auf Dauer wird sich C&A nicht mit weniger als 6% zufrieden geben.» Den Grossteil der Kleidung bezieht Avanti aus China, Indien, Osteuropa und der Türkei. Ein unabhängiges Institut kontrolliert laut Angaben von Avanti die Produktionsbedingungen.