Cablecom und die Swisscom: Das bedeutet im Schweizer Telekommarkt Infrastruktur-Wettbewerb im Festnetz. Wann immer in der Politik eine stärkere Regulierung der Swisscom zum Thema wird, stimmen die Akteure das Loblied auf die Konkurrenz zwischen Kabelnetzen und den Swisscom-Telefonleitungen an. Nur dank diesem Wettbewerb, so die Argumentation, habe die Schweiz heute eine der höchsten Dichten von Breitband-Internetanschlüssen und sei im Glasfaserausbau führend.

Nun beschreitet die Cablecom diesbezüglich neue Wege. Seit Monaten feilscht sie mit Orange, Sunrise und der Swisscom um einen Vertrag, der ihr den virtuellen Zugang auf eines der drei nationalen Mobilfunknetze gewährt. MVNO nennt sich das im Fachjargon. Die Cablecom will nicht einfach wie bisher ein Wiederverkäufer in diesem Bereich sein, sondern das Produkt auf die eigenen Bedürfnisse anpassen können - aber ohne dafür eine eigene Mobilfunkinfrastruktur aufzubauen. Cablecom-Chef Eric Tveter, nun ein Jahr im Amt, erklärt im Gespräch mit der «Handelszeitung»: «Seit dem Entscheid der Wettbewerbskommission zur Fusion zwischen Orange und Sunrise hat sich unsere Ausgangslage weiter verbessert. Aber noch haben wir kein zufriedenstellendes Angebot bekommen.» Man sei aber nicht in Eile, so Tveter. «Wir wollen ein Mobilfunkangebot lancieren, das mehr ist als nur günstig.»

Gute Ausgangslage

Nicht nur Orange hat ein vitales Interesse daran, sich mit der Cablecom zu einigen - denn eine solche Einigung würde die Wettbewerbsshüter besänftigen und einen zweiten Anlauf zur Fusion mit Sunrise erleichtern. Auch die Swisscom ist nach wie vor sehr an einer Partnerschaft mit Cablecom interessiert. Und sie könnte der Cablecom dereinst auch bei den Glasfasern ein Wiederverkaufsangebot unterbreiten. Zwar ist die Cablecom mit ihrer Infrastruktur für die nächsten Jahre gut aufgestellt: Ihr Kabelnetz, das heute zu 95% aus Glasfasern besteht, ermöglicht mit 100 Mbit/s derzeit eine bis zu fünf Mal höhere Bandbreite als das Netz von Swisscom. Und bereits werden Bandbreiten bis zu 400 Mbit/s getestet. Doch am teuersten sind die letzten 5% des Netzes. Je nach Entwicklung wird zudem in einigen Jahren das Netz der Cablecom an seine Grenzen stossen und einen weiteren Ausbau notwendig machen. Tveter: «Obwohl wir heute überzeugt sind, dass wir unser Netz bei einer entsprechenden Marktentwicklung selber kostengünstiger weiter ausbauen können, will ich eine Zusammenarbeit mit Swisscom bei den Glasfasern in einigen Jahren nicht ausschliessen.»

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Klage bei der Weko

Ein Satz wie dieser wäre Tveters Vorgänger Rudolf Fischer kaum über die Lippen gekommen. Und die Aussage erstaunt auch bei Tveter, klagt doch der Verband Swiss Cable, dessen wichtigstes Mitglied die Cablecom ist, bei der Wettbewerbskommission (Weko) derzeit gegen die Swisscom. Es geht um die Finanzierung des Glasfaseraufbaus. Die Kabelnetzbetreiber befürchten, die Elektrizitätswerke würden den Aufbau der Swisscom-Infrastruktur über Gebühr mitfinanzieren. Tveters Taktik scheint klar: So lange Cablecom ihre Infrastruktur selbst ausbauen kann, macht sie Swisscom das Leben so schwer wie möglich. Langfristig, das weiss Tveter, muss auch im Festnetz ein potenter Partner her.