Der Streit um die Live-Übertragung von Sportanlässen geht in eine neue Runde. UPC Cablecom und Finecom verlangten laut Teleclub überhöhte Preise für die Einspeisung des Teleclub-Angebots in ihre Netze. Cablecom weist die Vorwürfe zurück.

Die beiden Unternehmen missbrauchten ihre dominierende Marktstellung, um von Teleclub «unangemessene und diskriminierende Konditionen zu erzwingen», teilte der Pay-TV-Anbieter mit. Dadurch werde Teleclub im Wettbewerb behindert.

Die beiden Kabelnetzbetreiber verlangten nicht nur überhöhte Preise, heisst es in der Mitteilung weiter. Sie verhinderten auch, dass das Teleclub-Angebot in HD-Qualität ausgestrahlt werden könne. So werde Teleclub nur eine sehr beschränkte Übertragungskapazität eingeräumt.

Verhandlungen in den vergangenen Monaten mit verschiedenen Kabelnetzbetreibern hätten zu keinem Ergebnis geführt, heisst es weiter. Teleclub sehe sich daher gezwungen, Anzeige bei der Weko über die missbräuchlichen Verhaltensweisen einzureichen.

Cablecom bezeichnet Vorwürfe als falsch

Bei Cabelecom hat man die Vorwürfe «mit Verwunderung» zur Kenntnis genommen, wie es in einer Mitteilung heisst. Die Vorwürfe seien falsch.

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Swisscom/Teleclub verweigert laut Cablecom bis heute jegliches Gespräch zur Verbreitung eines gleichwertigen Senderangebots im Bereich Livesport. Der Versuch eines Ablenkungsmanövers von der laufenden Weko-Untersuchung liege nahe, heisst es weiter.

Seit Sommer 2012 finden zwischen Cablecom und Teleclub Verhandlungen über die HD-Aufschaltung des heutigen, reduzierten Teleclub-Angebots statt. Mitten in diesem Prozess behaupte nun Teleclub, dass Cablecom für die Verbreitung des Programmangebotes «unangemessene und diskriminierende» Konditionen erzwingen wolle.

Dies sei falsch, denn die bisherigen Verhandlungen konzentrierten sich auf technische Fragen. Kommerzielle Bedingungen seien noch nicht zur Sprache gekommen.

Auch zur Kapazitätsnutzung des Netzes von Cablecom durch Swisscom/Teleclub hätten beide Parteien vereinbart, dies im Rahmen der HD-Verhandlungen zu regeln. Cablecom habe hierzu bereits mehrmals Bereitschaft signalisiert.

Starke Stellung von Swisscom

Hintergrund der Anzeige ist ein Streit zwischen den Kabel-TV-Anbietern und der Swisscom über die Live-Übertragungsrechte von Sportanlässen. Swisscom hat in jüngster Zeit ihre Stellung in der Sportdirektübertragung massiv ausgebaut und inzwischen eine Monopolstellung erreicht. An der Kino- und Pay-TV-Gruppe Cinetrade, zu der auch Teleclub gehört, hält die Swisscom seit diesem Mai 75 Prozent.

Im April beantragten die Kabelnetzbetreiber bei der Weko den sofortigen Zugang zu Live-Sportübertragungen. Sie forderten den umgehenden Zugang zu Inhalten wie in den Kanälen «Teleclub Sport 4-29» und «Teleclub Live Sport».

Die Weko verzichtete jedoch auf vorsorgliche Massnahmen. Noch hängig ist derzeit die Untersuchung, ob die Swisscom und die Cinetrade mit ihrer Tochter Teleclub bei der Übertragung von Live-Sport-Anlässen ihre Marktstellung ausnutzt.

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Investitionen verhindert

Nach Ansicht von Teleclub haben die Kabelnetzbetreiber die Übertragung von Sportanlässen während Jahren vernachlässigt. Diese hätten sich gescheut, die mit der Lancierung eines umfassenden Sportangebotes einhergehenden wirtschaftlichen Risiken und Investitionen auf sich zu nehmen.

Trotzdem hätten die Kabelnetzbetreiber mittels einer Klage bei der Weko versucht, das Sportangebot für sich zu beanspruchen. Dies nachdem Swisscom und Cinetrade diese Investitionen alleine getätigt hätten.

Nach Ansicht von Cablecom hingegen, werden Kabelnetzbetreiber daran gehindert, in den Schweizer Sport zu investieren. Seitdem die Schweizer Fussball- und Eishockeyligen die aktuellen Übertragungsrechte an Swisscom/Teleclub vergeben hätten, bemühten sich die Kabelnetzbetreiber ihren Kunden via Sublizenz ebenfalls Zugang zu allen Livespielen zu verschaffen.

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Swisscom/Teleclub habe diesbezügliche Gespräche bisher kategorisch abgelehnt und verzichte damit auf mögliche Mehreinnahmen, heisst es im Schreiben von Cablecom weiter.

(sda/tke/jev)