W ährend die Euro 08 sich dem Höhepunkt nähert, laufen bei den heimischen Fussballklubs die Vorbereitungen für die neue Saison bereits auf Hochtouren. Im Euro-Gastgeberland Schweiz startet die nationale Meisterschaft schon am 16. Juli mit dem Spiel zwischen den Grasshoppers und Bellinzona, also gut drei Wochen nach dem Euro-Finalspiel in Wien.

«Ein Hype wie die Europameisterschaft, welche die breiten Massen anspricht, kann einen positiven Einfluss auf den Schweizer Fussball haben», ist der Präsident des FC Zürich, Ancillo Canepa, überzeugt (siehe «Nachgefragt»). Er hofft, insbesondere nachdem die Euro 08 die Besucher bisher zu begeistern wusste, in der kommenden Saison auf weiter steigende Zuschauerzahlen. Dies, nachdem die Vereine der Axpo Super League, der obersten Schweizer Fussballliga, vergangenes Jahr mit 1,96 Mio Besuchern ein Plus von über 217000 vermelden konnte. «Die Liga hat bereits einen vorgezogenen Euro-08-Effekt gespürt», sagt Roger Müller, Kommunikationsverantwortlicher der Swiss Football League (SFL). Zu denken sei dabei an den Neubau der Stadien, der durch die Euro beschleunigt wurde und in den vergangenen Jahren dank eines erhöhten Komforts die Attraktivität der Liga erhöht habe.«Der unmittelbare Effekt der Euro 08 auf den Schweizer Fussball ist dagegen schwer abzuschätzen», erklärt Müller. Ähnlich sieht dies Eugen Desiderato, Mediensprecher der Zürcher Grasshoppers. Auch er erwartet von der fussballfreundlichen Grundstimmung im Lande positive Auswirkungen für die Klubs. «Zum heutigen Zeitpunkt ist eine Einschätzung allerdings noch verfrüht», so Desiderato. Zumindest auf den Verkauf der Saisonkarten ist der Effekt bisher ausgeblieben, liegt dieser doch im Rahmen des Vorjahres.

Nationale Sponsoren gefordert

Mehr als nur Euphorie bei den Zuschauern wünscht sich FCZ-Chef Canepa. «Zahlreiche Grossfirmen und auch das Fernsehen nutzen die Euro als Plattform, um sich zu profilieren und zu positionieren», erklärt der Präsident des Klubs. Leider seien dieselben Unternehmen aber nicht bereit, sich im hiesigen Fussballgeschäft zu engagieren, obwohl die nationalen Klubs für die Ausbildung der Spieler und damit indirekt auch für den Erfolg einer Euro mitverantwortlich seien. «Unsere Grossunternehmen, die sich nun an der Euro positionieren, sollten vermehrt auch im nationalen Fussballgeschäft aktiv sein», fordert Canepa. Bei der Grossbank UBS, die zu den Hauptsponsoren des Fussballevents gehört, stösst er jedoch nicht auf offene Ohren. «Wir würden zwar ein Angebot prüfen, gehen heute aber von einem einmaligen Sponsoring im Bereich Fussball in dieser Dimension aus», sagt UBS-Sprecher Dominique Gerster. Grund dafür sei die Sponsoring-Strategie, die sich in der Schweiz auf Anlässe mit grosser Ausstrahlung, wie das Leichtathletik-Meeting in Zürich, konzentriere.

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Nicht mehr Fernsehgelder

Fraglich ist auch, ob sich die Situation der Vereine bezüglich Fernsehgelder durch die Euro verbessern wird, die im Vergleich zum Ausland eher dürftig ausfällt. «Eine Anpassung der bestehenden Verträge ist nicht zu erwarten», so Müller, denn es handle sich bei der Euro und der Schweizer Meisterschaft um zwei sehr unterschiedlich vermarktbare Produkte. Wenn durch die Euro das Fussballinteresse aber nachhaltig gesteigert werde, dann dürfte die hiesige Liga aber längerfristig profitieren.

 

 

NACHGEFRAGT
«Fussball-Sponsoring ist kein Mäzenentum»

Ancillo Canepa ist Präsident des FC Zürich und ehemaliger Chef Wirtschaftsprüfung von Ernst & Young Schweiz.

Wie profitiert der Schweizer Fussball von der Euro 08?

Ancillo Canepa: Ein solcher Hype, der die breiten Massen anspricht, dürfte einen positiven Einfluss auf die Zuschauerzahlen haben. Das hoffe ich zumindest.

Werden nun auch mehr Sponsorengelder fliessen?

Canepa: Leider sind nicht alle grossen Firmen, die vom Euro-Hype profitieren, bereit, sich im hiesigen Geschäft zu engagieren. Dies ärgert mich ein wenig, denn es sind die nationalen Klubs, welche die Spieler, die später im Ausland und in der Nati spielen und am Ende für die Euphorie verantwortlich sind, während Jahren ausbilden. Unsere Grossfirmen sollten vermehrt auch im nationalen Fussball aktiv sein.Wo sehen Sie noch Potenzial im Schweizer Fussball?Canepa: Das Produkt Fussball ist in der Schweiz immer noch unterbewertet. Als Plattform für die Vermarktung bietet es ein beträchtliches Potenzial. Wenn wir Sponsoren angehen, dann suchen wir kein Mäzenentum, sondern Geschäftspartner. Als Beispiel: Die Bekanntheit von «Tui» konnte massiv erhöht werden, nicht zuletzt dank dem FCZ.

Sie streben mit dem FCZ eine ausgeglichene Rechnung an.

Canepa: Ich erwarte, dass wir diese Saison eine schwarze Null schreiben. Unser strukturelles Defizit von 30% konnten wir dank Uefa-Cup und Transfererlösen ausgleichen.

Wie wichtig sind dabei die Fernseheinnahmen?

Canepa: Als Meister erhielten wir letzte Saison gerade mal 1,3 Mio Fr, was nur 8% unseres Budgets entspricht. Im Ausland fliessen die Fernsehgelder in einer anderen Grössenordnung. Dort sind es bis zu 40%, womit das strukturelle Defizit gedeckt wäre. Das Problem ist das Monopol des Schweizer Fernsehens, während im Ausland eine Konkurrenz mit den Privaten herrscht.