Gelingen solle Cralos Slims Coup mit Hilfe eines ausgeklügelten mehrstufigen Plans, berichtete die Wochenzeitung «News». Zunächst wolle der mexikanische Milliardär, der über seinen Konzern America Movil bereits 26,8 Prozent an der Telekom hält, diesen Anteil mit dem der österreichischen Staatsholding ÖIAG bündeln. Diese hält 28,4 Prozent der Telekom- Anteile - zusammen kämen sie also auf gut 55 Prozent der Aktien. Damit würde nach österreichischem Recht ein Übernahmeangebot an die übrigen Aktionäre fällig. Die restlichen 45 Prozent sind in Streubesitz.

Doch damit hat America Movil dem Blatt zufolge noch nicht genug. Auch das Kräfteverhältnis innerhalb der geplanten Allianz mit der ÖIAG könnte sich ändern: America Movil sei bereit, im Zuge einer Kapitalerhöhung 750 Millionen Euro in die Telekom zu pumpen, berichtete die Zeitung. Zwar werde auch die ÖIAG bei einer Kapitalerhöhung mitziehen, sagte ÖIAG-Chef Rudolf Kemler dem Blatt. Ziel des staatlichen Kernaktionärs sei es jedoch lediglich, die Sperrminorität zu erhalten.

2012 bei der niederländischen KPN eingestiegen

Die Mexikaner könnten sich so mehr Einfluss auf die Telekom sichern: «Sollte die Rolle des größten Aktionärs auf America Movil übergehen, so hätte dies naturgemäss auch Auswirkungen auf die Frage der Führungsrolle», sagte Kemler dem Blatt. Für das Übernahmeangebot und die Kapitalerhöhung wolle America Movil bis zu zwei Milliarden Euro in die Hand nehmen, berichtete «News». Damit würde der Konzern seine Einkaufstour in Europa fortsetzen und die Abhängigkeit vom mexikanischen Heimatmarkt weiter reduzieren. 2012 war die Firma bei der niederländischen KPN eingestiegen. Eine Mehrheitsübernahme scheiterte jedoch an dem Widerstand der Niederländer.

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Finanz- und Branchenkreise erwarten bereits seit Monaten, dass America Movil die Mehrheit an der Telekom Austria übernimmt. «Das könnte in zwei Wochen oder in sechs Monaten sein», hatte ein Insider zu Jahresbeginn gesagt. Noch ist es aber nicht so weit. Ein ÖIAG-Sprecher sagte, die Staatsholding stelle zwar strategische Überlegungen an. Es gebe jedoch noch keine konkreten Verhandlungen. Ziel der ÖIAG sei es, die Konzernzentrale der Telekom sowie Forschung und Entwicklung und die Börsennotiz in Österreich zu halten und den Ausbau der Telekom-Infrastruktur voranzutreiben.

America Movil will Mehrheit im Aufsichtsrat

Hier kommt America Movil den Wünschen der Österreicher dem Zeitungsbericht zufolge entgegen: Im Rahmen des geplanten Syndikatsvertrags garantierten die Mexikaner dafür, die Konzernzentrale der Telekom und die Entwicklungsabteilung in der Alpenrepublik zu erhalten und nicht an der Notiz an der Wiener Börse zu rütteln. Im Gegenzug wolle America Movil die Mehrheit der Kapitalvertreter im Aufsichtsrat beanspruchen. Gelten solle der Vertrag zunächst für zehn Jahre - könne aber für fünf weitere Jahre verlängert werden, berichtete «News».

Offen ist auch, wann es zu einer Kapitalerhöhung bei der Telekom kommt. Das Geldpolster der Telekom ist zuletzt deutlich geschrumpft, nachdem die Firma im vergangenen Jahr mehr als eine Milliarde Euro in neue Mobilfunkfrequenzen investiert hatte.

Politischer Widerstand in der Schweiz

2004 war auch die Swisscom an der Telekom Austria interessiert. Der damalige Konzernchef Jens Alder wollte 42,2 Prozent der österreichischen Gesellschaft kaufen. Doch es gelang ihm nicht. «Ich verliere nicht gern. Da arbeitest du zwei Jahre und dann kommt nichts dabei raus. Ich bin enttäuscht», sagte er nach dem Scheitern der Verhandlungen. Vor allem politischer Widerstand in der Schweiz führte dazu.

(reuters/se)