Das Tief der Finanzkrise scheint erst einmal überwunden zu sein. Der Schweizer Mergers&Acquisitions-Markt (M&A) kommt wieder in Bewegung. Unternehmen haben starke Bilanzen und wieder genügend Geld, um in Akquisitionen zu investieren, so Experten. «M&A- Volumina korrelieren stark mit dem Verlauf der Aktienmärkte und diese erholen sich allmählich», sagt Marco Illy, Head Investment Banking Switzerland der Credit Suisse. «Daraus lässt sich schliessen, dass die M&A-Transaktionsvolumina ansteigen werden.» Auch bei der UBS zeigt man sich für 2011 optimistisch. «Während der Krise hat man sehr stark darauf geachtet, Kosten herauszunehmen und Cashflows einzubehalten. Da haben sich Unternehmen nicht getraut, grössere Investitionen zu tätigen», sagt Stefan Meyer, Leiter Schweizer Aktienresearch, UBS Wealth Management Research. Die Reaktion auf die Krisenzeit hat unter anderem dazu geführt, dass Unternehmen Cash akkumuliert haben. Diese Bilanzstärke - zurzeit fast auf Rekordniveau - favorisiert den Anstieg der M&A-Aktivitäten.

Zahlen der Credit Suisse weisen darauf hin, dass das Volumen der Schweizer M&A-Transaktionen 2011 bis 70 Milliarden Dollar ansteigen könnte. Dies würde eine Steigerung von 63 Prozent bedeuten, verglichen mit Volumenprognosen für 2010. Marco Illy sieht drei Sektoren, die besonders viel M&A-Aktivitäten aufweisen werden. «Die Financial Institutions, Metal und Mining, Konsum sowie der Gesundheitsbereich werden die M&A-Landschaft 2011 prägen», sagt er. Der Kosten- und Konsolidierungsdruck sowie neue Kapitalanforderungen und weitere regulatorische Auflagen werden dazu führen, dass Lebensversicherer, die die kritische Grösse nicht vorweisen, und Privatbanken ihre strategische Positionierung neu überdenken müssen, sagt Illy. Im Gesundheitsbereich würden die Patente ablaufen. «Die sich daraus ergebende Verlangsamung des Wachstums muss durch Akquisitionen kompensiert werden», fügt er hinzu.

Auch geografisch kann man Trends erkennen. Oliver Schärli, Leiter M&A der Zürcher Kantonalbank, erwartet, dass es vermehrt zu Transaktionen in asiatischen Märkten kommen wird, vor allem wegen der raschen Entwicklung dieser Region. «Standen früher vermehrt Zulieferer und Produktionsstandorte im Zentrum, so stellen wir heute eine Zunahme an Interesse an asiatischen Vertriebspartnern fest», sagt er.

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Generell seien Unternehmen mit grossen Cash-Beständen am aktivsten auf der Suche im M&A-Bereich, so Stefan Meyer. «Das sind in der Schweiz quasi die grossen Namen wie ABB, Nestlé, Sulzer, SGS. Bei diesen Konzernen weiss man, dass sie viel Cash haben und auf der Suche sind.» Er sieht zudem eher einen Trend der M&A-Aktivitäten von der Schweiz aus Richtung Ausland als anders herum.

Die jetzige Währungssituation spielt da vermutlich auch eine Rolle. «Der starke Schweizer Franken führt dazu, dass Schweizer Unternehmen als teuer eingestuft werden, und das schreckt schon ein wenig davon ab, in der Schweiz stark aktiv zu werden», sagt dazu Stefan Meyer. Umgekehrt sei es ein Vorteil für Schweizer Firmen, die im Ausland interessante Akquisitionen vornehmen können.

Allerdings ist das nur ein kurzfristiger Faktor. Konzerne dürften eher daran interessiert sein, auf lange Sicht hin strategisch wichtige Unternehmen zu kaufen, als auf den kurzfristigen Währungsaspekt zu setzen, so Meyer.