Moderne Ansätze des Working Capital Management (WCM) verbinden kurzfristige, taktische und langfristige Elemente. Zu den bekannten kurzfristigen Massnahmen gehören unter anderen:

Veränderung von Zahlungsprozessen, z.B. Einführung von zwei- oder vierwöchigen Zahlungsläufen,

Absenkung der Sicherheitsbestände für nicht sensitive Teile,

Kategorisierung der Zulieferer zur Erkennung von nicht strategischen und nicht sensitiven Zuliefern mit der Zielsetzung, eine durch das Unternehmen selbst veranlasste Neudefinition der Zahlungsbedingungen durchzusetzen.

Mittelfristig ist insbesondere eine Veränderung der Supply Chain möglich, die gegebenenfalls auch eine steuerliche Optimierung durch Transfer-Pricing-Modelle zulässt. Change Management geniesst auch taktischen Charakter, wenn es auf Verhaltensänderung einzelner Funktionen wie zum Beispiel des Vertriebs abzielt.

Auf strategischer Ebene ist eine Veränderung des Geschäftsmodells, die Standortkonsolidierung und der Rückzug aus spezifischen Auslandmärkten möglich, wo auf absehbare Zeit die kritische Masse und die notwendigen Deckungsbeiträge nicht erreicht werden.

Fast-Track-M&A auf dem Vormarsch Eine weitere Möglichkeit der kurzfristigen Cash-Generierung kann der Verkauf von Beteiligungen oder Unternehmensteilen - auch rechtlich unselbstständig - mit geringer Vorbereitungszeit sein. Ausgelöst durch die Kapitalmarktkrise wird dies zunehmend durch erfahrende M&A-Stabstellen unterstützt von internationalen Transaktionsberatern begleitet, um eine Restrukturierung der Passivseite in kürzester Zeit zu ermöglichen. Insbesondere Private-Equity-Unternehmen nutzen diese Gelegenheit zur Reduktion der Verschuldung einzelner Portfoliogesellschaften.

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Wesentliche Erfolgsfaktoren für einen Fast-Track-M&A-Prozess sind profunde Kenntnis der strategischen Interessen der wichtigsten Kaufinteressenten, aussagekräftiges Zahlenmaterial, je nach Fall unterlegt durch ein finanzielles, steuerliches und rechtliches Fact Book, effektives Projektmanagement und letztendlich Verhandlungsgeschick. So wird die Zeit für den Auktionsprozess und die Due Diligence reduziert.

Strategische Kostensenkung flankiert durch WCM-Programme ABB hat vor Weihnachten ein strategisches Kostensenkungsprogramm von mehr als 1 Mrd Dollar angekündigt und befindet sich damit in guter Gesellschaft mit anderen SMI- und europäischen Konzernen. Ein effektives WCM-Programm setzt in kurzer Zeit signifikant Liquidität frei, um strategische Kostensenkungsprogramme und damit einhergehende Restrukturierungsmassnahmen zu finanzieren.

Ferner gibt es Anstösse zur Optimierung der betrieblichen Prozesse und entsprechende Synergien bei der Umsetzung. Unter anderem ermöglicht die Kategorisierung der Unternehmen im ersten Schritt eine Veränderung beziehungsweise Vereinheitlichung der Zahlungsbedingungen. Im zweiten Schritt sind aufgrund der Ergebnisse der Kategorisierung eine Konsolidierung hinsichtlich der Anzahl der Zulieferer und eine Neuausschreibung möglich.

Absicherung des Rating WCM-Programme und Fast-Track-M&A-Projekte dienen auch dazu, kurz- bis mittelfristig ein kapitalmarktspezifisches oder bankeninternes Rating zu erhalten und im Rahmen von Kreditbedingungen (Covenants) zu bleiben. Durch eines der oben beschriebenen Programme kann der Nachweis von «permanenten» Cash-Vorauszahlungen und damit von nicht betriebsnotwendigem Cash erbracht werden. Ratingagenturen verrechnen dies mit den Bruttofinanzverbindlichkeiten des jeweiligen Unternehmens. Somit sinkt die Nettoverschuldung aus Ratingsicht.

Strategische Liquiditätspolster zur Absicherung der Marktposition und Erschliessung neuer Märkte Solche Programme sind häufig auch Basis zur Schaffung von strategischen Liquiditätspolstern, die zum einen zwar Begehr-lichkeiten der Konkurrenz wecken, zum anderen es aber ermöglichen, Opportunitäten im Markt zu nutzen und die eigene Marktposition nachhaltig abzusichern. Beispiele sind die Übernahme von Clariant durch BASF oder die angestrebte Übernahme von Genentech durch Roche. Neben der aktiven Teilnahme am Konsolidierungsprozess in einigen Branchen ermöglichen diese Cash-Reserven auch strategische Geschäftsfelder unabhängig zu entwickeln.

Abschliessend lässt sich zusammenfassen, dass das Interesse der Unternehmen aber auch der Banken am effektiven Liquiditätsmanagement der Firmenkunden in jüngster Zeit markant gestiegen ist. Der Nachweis der Firma hilft bankinterne Ratings zu verbessern und bestehende Kredite zu prolongieren oder Akquisitionsfinanzierungen oder Mezzanine-Finanzierungen zu refinanzieren. Wer seine Hausaufgaben in den Boomjahren nicht gemacht hat, kann jetzt noch schnell reagieren.