Die österreichische Austrian Airlines soll rasch privatisiert werden. Somit ist das Unternehmen einer der aktuellsten Übernahmekandidaten unter Europas Fluglinien. Die Österreicher favorisieren, trotz längerer Wunschliste (siehe Kasten), dem Vernehmen nach die Lufthansa.

Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber gab im Gespräch mit der «Handelszeitung» zu verstehen, bezüglich einer AUA-Übernahme nicht den ersten Schritt zu machen. Das Thema sei zuerst eine Frage des Eigentümers, und der habe sich gegenüber Lufthansa nach wie vor nicht geäussert. Auch bleibt Mayrhuber bei seiner Einschätzung, «dass nur eine vollständige Übernahme der AUA interessant» sei. «Unser Geschäft ist es nicht, eine Airline zu kaufen, sondern für den Kunden das bestmögliche Netzwerk zu organisieren», erklärt er. Derartiges müsse für beide Seiten Sinn machen, denn man übernehme im Grunde Verantwortung für einen integralen Bestandteil der Infrastruktur eines Landes. «Dass wir das kennen und auch können, haben wir an anderen Stellen bewiesen. Etwa mit Swiss», so Mayrhuber.

Für eine Konstellation mit Lufthansa sprechen auch die Fakten. So sind die Österreicher bereits Mitglied des Lufthansa-Verbundes Star Alliance. Zudem bietet das Drehkreuz Wien attraktive Anbindungen nach Osteuropa.

Swiss profitiert von Synergien

So mancher AUA-Manager blickt in diesen Tagen neidisch auf die Lufthansa-Tochter Swiss. Die noch immer hohe Schuldenlast und die im Branchenvergleich überdurchschnittlichen Produktionskosten zwingen den Österreichern Massnahmen auf, welche Swiss bereits erfolgreich umgesetzt hat. «Es kann einer Fluglinie nichts Besseres passieren, als in einen konservativ finanzierten Konzern wie die Lufthansa integriert zu sein», wirbt Swiss-CEO Christoph Franz gegenüber der «Handelszeitung». Zusätzlich gebe es erhebliche Synergien durch die Integration in den Lufthansa-Konzern.

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Franz: «Platz für weitere Airlines»

Wie würde Franz die AUA als zukünftige Schwestergesellschaft beurteilen? «Lufthansa hat eine Mulitbrand- und Multihub-Strategie, da hat es noch Platz für weitere Fluggesellschaften», gibt sich Franz unbesorgt. Frühere «Befürchtungen» rund um Swiss und Lufthansa – etwa, dass sich unsere nahe beieinander liegenden Drehscheiben Frankfurt, Zürich und München konkurrenzieren – haben sich nicht bewahrheitet.»

Fakt ist: Swiss würde auch nach einer Übernahme der AUA die grössere der beiden Töchter bleiben. Das sieht auch AUA-Chief-Commercial-Officer Andreas Bierwirth so. «Wir wer-den niemals über so viele Langstreckenflugzeuge verfügen wie eine Swiss. Das muss man akzeptieren», sagt Bierwirth. Bierwirth, zuvor CEO der Billig-Airline Germanwings und Marketingchef der Lufthansa, will allerdings das einstige Schicksal der Swissair und die jetzige Situation der AUA nicht vergleichen. «Swissair ist in Konkurs gegangen, die AUA ist es nicht. Und wir können mit einem strategischen Partner die Airline in die schwarzen Zahlen führen.» Würde die AUA einen Swiss Manager ins Boot holen, um eine Übernahme durch Lufthansa vorzubereiten? «Das ist eine Frage, wenn Lufthansa die AUA übernimmt. Derartiges hat einen positiven Effekt, und ich würde jede Information, welche ich bezüglich Übernahmen bekommen würde, anzapfen», so Bierwirth. Des internen Friedens willen sollte den Job wohl ein Österreicher machen. Jedenfalls betonen Christoph Franz und sein AUA-Vorstandskollege Alfred Ötsch unisono die gute Kooperation ihrer beiden Gesellschaften im Rahmen der Star Alliance. So wird Verkehr ab der Schweiz über Wien in den Osten Europas, das Spezialgebiet der AUA, generiert. Umgekehrt nutzen viele Österreicher die Swiss Richtung Afrika, Nordatlantik und Südwesteuropa. Übrigens: Die längste Partnerschaft, welche die AUA jemals pflegte, war jene mit der 2001 untergegangenen Swissair. Vor allem technisch arbeiteten die beiden Airlines seit den 1960er Jahren eng zusammen und dehnten die Kooperation auf kommerzielle Sparten aus. Diese intensive Partnerschaft wurde im September 1999 beendet, als sich die AUA für die Star Alliance entschied.

Dass AUA jetzt ihren Verkauf vorantreibt, liegt auf der Hand: Wegen des aktuellen Schuldenstandes von knapp 900 Mio Euro droht der immer noch eigenständigen nationalen Fluggesellschaft das Geld auszugehen. Um dies zu verhindern, hatte man sich politisch geeinigt, die AUA zu 100% zu privatisieren, jedoch eine österreichische Sperrminorität von 25% plus eine Aktie zu bilden.