Wie empfinden Sie das derzeitige Klima zwischen Liechtenstein und Deutschland?

Adolf E. Real: Die jüngsten Ereignisse sind für den gesamten Finanzplatz unangenehm, zumal der Finanzplatz Liechtenstein in der Vergangenheit ? lange vor der deutschen Intervention ? viel unternommen hat, um internationale Standards zu implementieren. Diese teils enormen Reformanstrengungen werden derzeit ? ob bewusst oder unbewusst ? nicht oder nur ungenügend zur Kenntnis genommen.

Tatsache ist aber, dass in Liechtenstein hohe Summen aus Steuerhinterziehung gefunden wurden.

Real: Die Daten wurden nicht gefunden, sondern gestohlen. Seit dem Beitritt des Fürstentums zum EWR wurden die EU-Gesetze in nationales Recht implementiert, sodass Liechtenstein europäische Standards bei der Bekämpfung der Geldwäscherei, der Terrorismusfinanzierung und des organisierten Verbrechens hat. Was wir nicht kennen, ist ein umfassender Informationsaustausch in Steuerangelegenheiten. Der Schutz der Privatsphäre soll auch in Zukunft erhalten bleiben. Selbstverständlich bietet das Bankkundengeheimnis aber keinen Schutz bei kriminellen Aktivitäten.

Welche Massnahmen sind geplant, um dem Druck aus Deutschland entgegenzutreten?

Real: Zunächst müssen wieder Sachlichkeit und Objektivität in die Debatte kommen, denn der Finanzplatz Liechtenstein wird einstweilen sehr einseitig und verzerrt dargestellt. Der hohe Regulierungsstandard wie auch die erfolgten und eingeleiteten Reformschritte müssen noch deutlicher kommuniziert werden.

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Wie eng arbeiten Sie dabei mit Schweizer Banken zusammen?

Real: Wir pflegen eine partnerschaftliche und freundschaftliche Beziehung zur Schweizerischen Bankiervereinigung und sind in regelmässigem Kontakt. Zufälligerweise findet in Kürze ein Treffen statt, an dem die aktuelle Lage auch thematisiert wird.

Wie stark hat die VP Bank die Steueraffäre zu spüren bekommen?

Real: Zurzeit gibt es bei der VP Bank keine nennenswerten Abflüsse, welche nicht dem ordentlichen Geschäftsverlauf entsprechen, und wir werden alles daransetzen, dass dies auch so bleibt. Unabhängig von der regulatorischen Entwicklung wird die VP Bank aber weiterhin dem Schutz der Privatsphäre ihrer Kunden im Rahmen ihres Einflussbereichs oberste Priorität beimessen.

Wie sehr absorbiert Sie der Fall?

Real: Der Liechtensteinische Bankenverband hat ein gut eingespieltes Team, sodass sich mein Zeitaufwand als Präsident im Rahmen halten dürfte.

Bis Ende 2009 strebt die VP Bank ein Kundenvermögen von 44 Mrd Fr. an. Wie erreichen Sie dies?

Real: Mit Hilfe der vor einigen Jahren eingeleiteten Strategie der Internationalisierung erwarten wir in Zukunft einen beachtlichen Zufluss von Neugeldern aus den Wachstumsregionen Mittlerer und Ferner Osten. Schon heute kommen nur 25% der Kundenvermögen aus der Schweiz und 13% aus Liechtenstein.

Ihre Ziele machen Sie aber von der Finanzkrise abhängig. Zweifeln Sie an Ihren Zielen?

Real: Nein, ich bin überzeugt, dass wir die kommunizierten Ziele erreichen. Bei den 44 Mrd Fr. handelt es sich um ein mittelfristiges Ziel, welches wir nicht anpassen.

Sie setzen aber einen Rückgang der negativen Folgen der Subprime-Krise voraus.

Real: Zwar ist die VP Bank davon nicht direkt betroffen, doch sind auch wir als Vermögensverwaltungsbank von der Stimmung im Markt abhängig. Bis wir bezüglich der Finanzkrise mehr Klarheit haben, wird es sicherlich noch ein halbes Jahr dauern.

Hat die VP Bank auf der anderen Seite von den schlechten News bei der Konkurrenz profitiert?

Real: Das deutliche Wachstum 2007 ist auch ein Zeichen des Vertrauens in unsere Geschäftspolitik. Zudem haben die Probleme der Mitbewerber bei der Neukunden-Akquisition geholfen.

Sie haben ein neues Team von 20 Personen in Zürich eingestellt.

Real: Das Team von Julius Bär ist auf uns zugekommen. Die VP Bank ist heute als Arbeitgeber gesucht.