Mit dem Finalspiel zwischen Bayern München und Borussia Dortmund wird morgen die Champions-League-Saison 2012/2013 abgeschlossen. Was bleibt unter dem Strich für Sie als Vermarkter des Wettbewerbs hängen?
Martin Wagner: Für die laufende Saison kann ich Ihnen natürlich noch keine Zahlen nennen. Nur soviel: Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2012 erzielte Highlight Communications im Segment Sport- und Event-Marketing Aussenumsätze in Höhe von knapp 70 Millionen Franken und unter dem Strich ein Segmentsergebnis von 32,1 Millionen Franken. (Anm. d. Red.: Für das 1. Quartal 2013 vermeldete Highlight in diesem Geschäftsbereich einen Umsatz von 12,5 Millionen und einen Gewinn von 5 Millionen Franken.)

Jahr für Jahr ist bei der Champions League mehr Geld im Spiel: Wann sind diesem Wachstum Grenzen gesetzt?
Die grossen «Premium Sport Events» – wie Formel 1, Olympische Spiele oder Fussball-Weltmeisterschaft – verzeichnen steigende Einnahmen. Die Uefa Champions League ist einer dieser weltweiten «Premium Sport Events» – deshalb sehen wir beim Wachstum keine Grenzen.

Mit welchen Wachstumsraten bei der Vermarktung kalkulieren Sie?
Basierend auf unseren Erfahrungen in der Vergangenheit rechnen wir mit einem Wachstum im zweistelligen Prozentbereich.

Der oft gehörte Vorwurf: Nicht zuletzt durch die Champions League wird die Kluft zwischen den grossen und kleinen Vereinen in Europa immer grösser.
Einspruch. Wenn wir die Gruppenphasen der vergangenen Jahre betrachten, so war die Vielfalt der Clubs sehr gross. Für alle Clubs besteht Chancengleichheit, die Uefa Champions League ist keine geschlossene Veranstaltung.

Eine weitere Kluft besteht zwischen den einzelnen europäischen Clubwettbewerben: So hat der FC Basel beispielsweise trotz Halbfinal-Qualifikation in der Europa League in etwa so viel verdient, wie ihm eine halbwegs gelungene Champions-League-Gruppenphase eingebracht hätte. Das ist doch viel Mühe für nichts.
Wenn der FCB vor 20 Jahren in der Champions League gespielt hätte, dann hätte er weniger verdient als heute in der Europa League. Diese ist jünger als die Champions League – und wir sehen eine sehr positive Entwicklung. Wenn sich also die Europa League – was wir annehmen – ähnlich entwickelt wie die Champions League, so werden die Einnahmen der Clubs zunehmen.

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Wie bereits mehrfach in den vergangenen Jahren kommt es in diesem Jahr im Champions-League-Finale zu einem nationalen Duell: Für die Vermarktung ein Vor- oder Nachteil?
Das deutsch-deutsche Duell wird sich etwas auf die Zuschauerzahlen drücken, was nicht heisst, dass das Produkt Champions League an Attraktivität verliert. Positiv auswirken wird sich das Duell auf die Vermarktung in Deutschland selbst. Summa summarum ergeben sich global bei der Vermarktung keine negativen Auswirkungen.

Ihr persönlicher Resultat-Tipp?
Der Glücklichere gewinnt das Penaltyschiessen.

Martin Wagner ist Vizepräsident des Verwaltungsrats von Highlight Communications, der 100-prozentigen Muttergesellschaft der Team Holding AG. Diese vermarktet im Auftrag des europäischen Fussballverbandes Uefa die Champions League, Europa League und den Super Cup. Der Basler Medienanwalt ist zudem Mitglied des Verwaltungsrats der Axel Springer Schweiz AG, zu der handelszeitung.ch gehört.