Die Finanzkrise dominiert das Geschehen an den Aktienmärkten seit fast einem Jahr. Rasche Besserung ist nicht in Sicht. Das hängt allein schon mit den Rezessionsängsten zusammen, die auch im 2. Quartal die Börsen überschatten. Der amerikanische Anlageguru Jeremy Grantham, Chairman von GMO, sieht weiter fallende Häuserpreise in seinem Land. Das Hauptproblem ortet er bei der Verschuldung der Finanzindustrie, die sich innerhalb der letzten zwei Jahrzehnte mehr als verdreifacht hat. Entsprechend wurden die Financials in den vergangenen Monaten abgestraft.

Nun dauert eine Börsenbaisse aber nicht ewig. Ein Blick zurück zeigt, dass die Abwärtsbewegung im langjährigen Durchschnitt zwischen 12 bis 15 Monaten anhält. Im Sommer 2007 hatten wir das letzte Börsenhoch. Das eröffnet Chancen für eine Erholung an den Aktienmärkten im 2. Halbjahr. Auch Martin Hüfner, Chefökonom der Aquila-Gruppe in Zürich, vertritt die Meinung, dass eine Neubeurteilung der Anlagesituation im nächsten Semester angezeigt ist.

Das Stock Picking ist bei den volatilen Aktienkursen allerdings bedeutend schwieriger geworden. Ganz allgemein setzen die Anlageexperten vermehrt auf die grosskapitalisierten Unternehmen. Begründet wird das mit dem verlangsamten Wirtschaftswachstum. Damit verbunden sind weniger Investitionsausgaben und Unternehmensgründungen. In einer solchen Periode sind vor allem Produktionseffizienz und Skaleneffekte ausschlaggebend, die in erster Linie mit den Large Caps in Verbindung gebracht werden. Die Small Caps sind deswegen nicht unattraktiv, aber in einem Aktienmarkt mit seitwärts tendierenden Notierungen lassen sich die Trouvaillen nicht leicht finden.

Anzeige

Den Industrieländern wird weniger Erholungspotenzial zugetraut als den Schwellenländern. Einige Analysten geben sich speziell bezüglich China fast schon euphorisch. Sie sehen das Reich der Mitte bereits heute als gewichtige Wirtschaftsnation, die bald zu den USA aufschliessen wird. Bei solchen Prognosen ist Vorsicht geboten. Die Bäume wachsen auch in China nicht in den Himmel. Je höher die Wachstumsraten sind, umso anfälliger werden diese Börsen für temporäre Einbrüche. Der letzte Absturz liegt nur ein gutes Jahr zurück.

Wer seine Anlagestrategie konsequent durchhält und nicht bei jeder Kurskorrektur in Panik gerät, wird zwar sein Portfolio punktuell den neuen wirtschaftlichen Realitäten anpassen, die Risikopapiere mit einer langfristigen Perspektive aber weiterhin stark gewichten.