Als sich die Aktienmärkte nach dem Platzen der Internetblase wieder erholten, brachen vier goldene Jahre für die Risikopapiere von kleinen und mittelgrossen Unternehmen an. Mit dem jüngsten Kurssturz im Gefol- ge der Krise am amerikanischen Subprime-Hypothekenmarkt zeig- te sich aber auch die Schwäche dieser Titelkategorie. Die Korrektur nach unten geschieht ebenso heftig, wie der Ausschlag nach oben. Über die lange Frist hinweg gibt es aber eine Erkenntnis: Die Small- und Mid-Caps verzeichnen gegenüber den Blue Chips eine Überperformance. Das gilt allerdings nur bei einer sorgfältigen Auswahl der Titel. Wer sich auf sogenannte «Penny Stocks» oder «Zockerwerte» einlässt, der wird unliebsame Überraschungen erleben. Wichtig ist die Konzentration auf wachstumsstarke kleine Unternehmen mit erfolgversprechenden Zukunftsaussichten und soliden Finanzen. Interessant sind auch Aktien von Firmen mit einem etablierten Geschäftsmodell, die noch nicht von der Masse des Marktes entdeckt wurden.

Attraktive Bewertungen

Speziell die USA bringen immer wieder Firmen hervor, die sich von bescheidenen Anfängen als Small and Mid-Cap Equity zu Weltmarktführern entwickeln. Als klassische Beispiele für diese These kann man Microsoft und Google nennen. Der amerikanische Aktienmarkt bietet nach der massiven Zurückstufung in den letzten Monaten gute Chancen für einen Einstieg bei den Nebenwerten, sofern die fundamentalen Daten der Unternehmen kontinuierlich beobachtet werden (siehe Kasten). Makroökonomisch deutet einiges darauf hin, dass sich die USA als erste Industrienation von der Wirtschaftskrise erholen wird, ganz nach dem Grundsatz «First in - first out». Für Katherine Cox, US Equity Product Manager bei Schroders, sprechen vorab die attraktiven Bewertungen für ein Engagement. Zudem würden der drastisch gefallene Ölpreis und die markant tieferen Hypothekarsätze für ein höheres verfügbares Einkommen sorgen. Bei den Unternehmen ist zu berücksichtigen, dass sich die Gewinnschätzungen 2009 nochmals leicht vermindern, nun aber immer mehr den Realitäten entsprechen. Dazu kommt ein von Päsident Barack Obama aufgegleistes Stimulierungsprogramm, das im Laufe des Jahres Wirkung zeigen wird. Auch der Dollar hat in den vergangenen Wochen gegenüber den wichtigsten Währungen ein faires Niveau erreicht.

Die Kurs-Gewinn-Verhältnisse (KGV) haben sich beim Russell 2500, dem aussagekräftigen Index für Small und Mid Caps, jüngst deutlich unter den langjährigen Durchschnittswert von 16 verschoben. Damit eröffnen sich gute Kaufmöglichkeiten. Jenny Jones, Head of US Small and Mid Cap Equities bei Schroders, setzt derzeit vor allem auf Unternehmen mit einem stabilen Wachstum: «Diese Aktien sind zwar nicht billig, aber dafür äusserst krisenresistent.» Demgegenüber sind die Turnaround-Kandidaten aufgrund der Wirtschaftlage etwas in den Hintergrund geraten. Ebenfalls ein starkes Gewicht haben Titel, deren aktuelle Notierungen das Wachstumspotenzial nicht richtig reflektieren. Zu dieser Kategorie gehört etwa der Öl- und Erdgasproduzent Plains Exploration & Production Co. Mit einer Marktkapitalisierung von rund 2,5 Mrd Dollar. Das Management, der vorab im Golf von Mexiko operierenden Gesellschaft, hat ältere Bohrstellen aufgegeben und sich neuen Plätzen mit höheren Erträgen zugewandt. Zudem ist die Firma finanziell in einer guten Verfassung und hat die Öl- und Gasproduktion für 2009 und 2010 mit Hedges abgesichert. Als Beispiel für ein stabiles Wachstum («steady eddy») stuft Jenny Jones den Plastik- und Besteckproduzenten Pactiv Corp. ein. Die ebenfalls mit rund 2,5 Mrd Dollar kapitalisierte Gesellschaft verfügt über einen starken Brand. Das ermöglicht durchschnittlich höhere Margen, als sie bei der Konkurrenz üblich sind.

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Technologie stärker gewichtet

Als Fondsmanager des Schroder International Selection Fund US Small & Mid-Cap Equity hält Jenny Jones zwischen 60 bis 80 verschiedene Titel, mit einem maximalen Anteil von 5% am Fondsvermögen. Dabei lässt man sich nicht von einzelnen Ereignissen leiten. «Wir gehen nicht auf bestimmte Sektoren ein, wie etwa Infrastruktur, nur weil jetzt US-Präsident Obama ein Konjunkturstützungsprogramm gestartet hat.» Interessant sind allerdings die gewichtigen Abweichungen gegenüber der Benchmark des Russell 2500. Technologie wird beim Schroder Fund fast doppelt so hoch gewichtet wie beim Referenzindex, während die Financial Services wesentlich tiefer eingestuft sind.