Ist in Krisenzeiten ein Master of Business Administration (MBA) noch die richtige Bildung? Auf diese Frage antwortet Dominique V. Turpin, Präsident ad interim des IMD in Lausanne: «MBA-Programme sollten eine Mischung sein - bestehend wie bisher aus Grundlagenfächern wie Rechnungswesen, Finanzen, Marketing oder Strategien. Genauso wichtig ist die Tatsache, dass das Business dringend Innovationen braucht, weil sich die Umwelt ständig weiterentwickelt.»

Sollte man daher Themen wie Change Management als Bestandteil ins Programm integrieren oder als separates Modul führen? Turpin meint: «Wir machen beides: Kurzseminare, um spezielle aktuelle Themen zu diskutieren, aber wir integrieren sie auch direkt ins Programm, wenn es sich aus einer realen Business-Situation ergibt.» Beispielsweise habe das IMD beim MBA im August eine Woche für Change Management eingebaut. Danach folgte ein zweitägiger Workshop über Umweltprobleme sowie Nachhaltigkeit. «Wir diskutieren mit unserer Leadership-Gruppe über Ethik anhand spezieller Cases wie im Programm.»Wie sehen dies andere Schweizer Kaderschmieden? «We’ll change the way you think», bringt es etwa der Executive MBA von Rochester-Bern in seinem Slogan auf den Punkt. Denn die Fähigkeit, anders zu denken, sei eine erste Grundlage jedes Change Management, sagt Direktorin Petra Jörg. In jedem einzelnen Kurs wird daher das vorhandene Wissen hinterfragt, ebenso wie die praktische Erfahrung der Studierenden. Dazu gibt es Aufgabenstellungen wie: Gäbe es andere Wege, zum Ziel zu gelangen? Wie stellt sich mein Problem dar, wenn ich es aus einer anderen Perspektive betrachte? «Wir trainieren die kritische Denkfähigkeit unserer Studierenden», ergänzt Jörg. Ihr Fazit: «Bei Rochester-Bern ist Change Management kein einzelnes Kursmodul, sondern eine Geisteshaltung.»Ähnlich sieht es die Direktorin des Executive-MBA-Programms der Universität Zürich, Andrea Schenker-Wicky: Sie betont, dass Change Management in allen Modulen schon lange ein Thema ist. Fragen zur Nachhaltigkeit, zur Führung sowie zu ethischen Aspekten werden konsequent behandelt. So wurde Ende August ein heisses Eisen angefasst: Es handelte sich um die Darstellung und Aufarbeitung eines drei Jahre zurückliegenden Korruptionsfalles, der Schmiergeldaffäre bei Siemens. Chief Compliance Officer Thomas K. Hauser trat vor den Studierenden auf, um unter anderem zu zeigen, wie Siemens darauf reagiert hat: Mit Mitarbeiterschulungen - insgesamt handelte es sich um fast 200 000 Personen.