1. Home
  2. Unternehmen
  3. Verspätete und gestrichene Flüge: Chaos am Flughimmel

Reisen
Chaos am europäischen Flughimmel

Flughafen
Keine Entspannung in Sicht: Bis zum Jahr 2040 soll sich die Zahl der um bis zu zwei Stunden verspäteten Flüge versiebenfachen.Quelle: Keystone

In der Schweiz beginnen die Sommerferien. Die Reiselust steigt. Doch wer fliegt, muss mit Wartezeiten und Verspätungen rechnen.

Von Bastian Heiniger
am 10.07.2018

Am europäischen Himmel herrscht Chaos. Ausgerechnet jetzt. Wer in die Sommerferien fliegt, muss sich auf längere Wartezeiten, Verspätungen und teils Annullierungen gefasst machen. In den sozialen Medien machen Passagiere ihrem Ärger Luft: Unter dem Hashtag der bekannten Billigflieger wie Eurowings, Ryanair, Vueling oder Easyjet mehren sich Posts von teils stark erbosten Passagieren.

Und bei Franco Muff, Ombudsmann der Schweizer Reisebranche, häufen sich die Fälle: «Wir haben derzeit vermehrt Beschwerden wegen Unregelmässigkeiten von Flügen. Teils weil Flüge gestrichen wurden, teils, weil sich kurzfristig die Abflugzeiten nach hinten schoben», sagt er. So wollte etwa kürzlich jemand von der Schweiz via Lissabon auf die Kapverden fliegen. Der Flug wurde kurz vorher gestrichen. Und am zweiten Tag hätte es aufgrund des voraussichtlich verspäteten Zubringerflugs nicht mehr auf den Anschlussflug gereicht. Weil die Reise nur als Kurzurlaub geplant war, blieb die betroffene Person letztlich lieber zu Hause.

Kleinere Airline haben mehr Mühe

Das ist kein Einzelfall: «Momentan spitzt sich die Lage zu, da viele Personen gleichzeitig in die Sommerferien fliegen», sagt Muff. Schon das kleinste Problem könne den ganzen Flugplan durcheinander bringen. Besonders Mühe hätten dann kleinere Chartergesellschaften, die weniger schnell Ersatzflieger auftreiben könnten, als etwa die grossen Airlines.

Anzeige

Sonja Zöchling, Sprecherin Flughafen Zürich, bestätigt, dass es in letzter mehr Verspätungen gab. Sie nennt etwa die Überlastung des oberen Luftraums in Europa, die Streiks der Fluglotsen in Frankreich und die zuletzt schlechten Wetterbedingungen als Ursache. Fakt ist aber auch, dass immer mehr Personen fliegen: «Sowohl die Zahl der Flugbewegungen als auch die Zahl der Passagiere haben bis Ende Mai gegenüber dem Vorjahr zugenommen. Und auch im Juni zeichnet sich ein Wachstum ab», sagt Zöchling. In den kommenden Wochen erwartet der Flughafen einen regelrechten Ansturm: An Spitzentagen sollen es mehrmals über 110'000 Passagiere sein. Das wäre ein neuer Rekord.

Das Problem am europäischen Flughimmel verschärft hat auch der Wegfall der deutschen Air Berlin und der österreichischen Niki. Noch immer können andere Fluggesellschaften viele der frei gewordenen Slots nicht bedienen, wie die «Süddeutsche Zeitung» schreibt. Ihnen fehlten oft noch Flugzeuge und Personal. Auf eine Entspannung im Luftraum ist kaum zu hoffen, im Gegenteil: Die europäische Flugsicherung Eurocontrol erwartet, dass sich bis zum Jahr 2040 die Zahl der um bis zu zwei Stunden verspäteten Flüge versiebenfachen. Grund: Der Flugverkehr wächst deutlich schneller als die Kapazitäten der europäischen Flughäfen und Flugsicherung. 

Reisebüros profitieren

Die Turbulenzen in der Fliegerei macht der Reiselaune allerdings keinen Abbruch. Die Reisebüros profitieren gar, weil sich vermehrt Kunden absichern lassen wollen, wenn sie eine Reise buchen. Wird ein Flug gestrichen, muss sich der Kunde dann nicht alleine mit der Airline herumschlagen, um eine Entschädigung zu erhalten. Markus Flick, Sprecher von DER Touristik Schweiz sagt: «Für die betroffenen Pauschalreisegäste von Kuoni und Helvetic Tours organisieren wir beim Ausfall von gebuchten Leistungen ohne Zusatzkosten eine Ersatzlösung.» Gerade bei unvorhergesehenen Ereignissen wie den Flugzeitänderungen oder Streichungen in letzter Zeit, stehe der Reiseveranstalter gegenüber dem Kunden in der Pflicht.

Ähnlich klingt es bei Tui Suisse: «Kleine Verspätungen haben auf Kunden, welche direkt fliegen keine grosse Auswirkung, jedoch sind Kunden mit Zwischenstopps oftmals erst einen Tag später am Ferienort», sagt Sprecherin Bianca Schmidt. Hier unterstütze Tui den Kunden beim späteren Check-In am Ferienort und sei bei der Umbuchung des Weiterfluges sowie einer allfälligen Übernachtung im Zwischenstopp behilflich. Um nicht an einem Flughafen zu stranden, empfiehlt Schmidt einen Direktflug zu buchen. So biete Tui etwa einen Direktflug von Zürich nach Menorca, der extra für die Monate Juli und August aufgelegt wurde – damit Kunden nicht via Barcelona fliegen müssen, um auf die Balearen Insel zu reisen.

Fiktive Airline

Wer allerdings an einem Flughafen strandet, steht zumindest noch besser da als jene Personen, die auf Germany Airlines hereinfielen. Laut Medienberichten handelt es sich dabei um eine fiktive Fluggesellschaft, die etwa Flüge von Basel nach Pristina anbot. Das Geld wurde kassiert, Flüge gab es keine. Beim Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) gingen mehrere Meldungen ein. Unterdessen ist die Webseite der Airline offline.