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Textilbranche
Charles Vögele und Tally Weijl kneifen bei Sicherheit

Näherinnen in Bangladesch: Abkommen für anständigen Arbeitsplatz. (Bild: Bloomberg)

Nach der Katastrophe mit über 1000 Toten in maroden Textilfabriken Bangladeschs schwören Modefirmen, für mehr Sicherheit zu sorgen. Doch einige Schweizer Firmen entziehen sich der Verantwortung.

Veröffentlicht am 16.05.2013

Drei Wochen nach dem verheerenden Einsturz einer Textil-Fabrik in Bangladesch haben sich 31 westliche Bekleidungsunternehmen einem Abkommen für mehr Gebäudesicherheit an den Produktionsstätten angeschlossen. Per heutigem Stichtag wurde das Abkommen der globalen Textilgewerkschaften und der Clean Clothes Campaign (CCC) für mehr Gebäudesicherheit und Brandschutz in Bangladesch unterzeichnet.

Die Vereinbarung sei eine «historische Wende für die Bekleidungsindustrie in Bangladesch», teilte das Bündnis Kampagne für Saubere Kleidung in Berlin mit. Zuvor war in der Nacht eine Frist für die Unterzeichnung des Abkommens ausgelaufen.

Mehr als Tausend Fabriken dabei

Mehr als tausend Fabriken in dem südasiatischen Land seien nun Teil des Sicherheitsprogramms, erklärten die Initiatoren. Die Umsetzung des Vorhabens solle nun umgehend beginnen.

In dem Abkommen verpflichten sich die Konzerne demnach, für Instandhaltungskosten in den Zulieferbetrieben aufzukommen. Zudem umfasse die Vereinbarung unabhängige Sicherheitsinspektionen, verpflichte zu Reparaturen und Renovierungen, binde Beschäftigte und Gewerkschaften in Entscheidungen mit ein und ermögliche Konzernen, die Geschäfte mit Fabriken zu beenden, wenn diese Sicherheitsvorkehrungen ablehnten.

Die Lieferanten dieser Markenfirmen decken einen wesentlichen Teil der dortigen Bekleidungsindustrie ab. Charles Vögele und Tally Weijl, zwei Schweizer Schwergewichte mit namhafter Produktion in Bangladesch, sperren sich weiter gegen die überfällige Übernahme der Mitverantwortung für mehr Sicherheit ihrer Näherinnen.

Switcher und auch Otto's machen mit

Zu den Unterzeichnern des Abkommens zählen dem Bündnis zufolge namhafte internationale Unternehmen wie H&M, PVH, zu dem die Marken Calvin Klein und Tommy Hilfiger gehören, Primark, Mango, Carrefour, Helly Hansen, G-Star, Benetton, Esprit, Abercrombie&Fitch oder Inditex, der Mutterkonzern der Bekleidungsketten Zara und Bershka. Aus der Schweiz haben Switcher und die Discountkette Otto's unterzeichnet.

Charles Vögele und Tally Weijl haben trotz mehrmaliger Aufforderung durch die Erklärung von Bern (EvB) und die Gewerkschaft Unia die Unterzeichnung verweigert. In einem Schreiben vom 14. Mai 2013 teilt Charles-Vögele-CEO Markus Vögeli mit, dass die Herstellungsbedingungen in Bangladesch «nur mit einer breitabgestützten Branchenlösung» verbessert werden könnten.

Tatsächlich repräsentieren die insgesamt 31 Unterzeichnerfirmen aber einen wesentlichen Teil der bangladeschischen Bekleidungsindustrie. So bezieht H&M Waren aus rund 260 und Inditex aus rund 350 Fabriken in Bangladesch. Tally Weijl wiederum teilte der EvB und Unia mit, dass das Unternehmen «in den nächsten Monaten erneut Audits bei den bangladeschischen Lieferanten durchführen» werde.

Auch die Migros hat sich noch nicht durchgerungen, das Abkommen zu unterzeichnen. Gegenüber Radio SRF zeigte sich eine Sprecherin aber offen für eine spätere Unterzeichnung.

Über 1100 Tote und 2400 Verletzte

Genau solche Überprüfungen wurden aber auch im eingestürzten Fabrikgebäude von BSCI (Business Social Compliance Initiative) und von TÜV Rheinland/Bangladesch durchgeführt. Der durch Baumängel verursachte Kollaps des Rana Plaza forderte offiziell 1127 Tote und 2438 Verletzte. Die Rettungskräfte haben ihre Suche inzwischen eingestellt. Die geschätzte Gesamtsumme fälliger Kompensationen für die Opfer und ihre Familien beläuft sich auf 54 Millionen Euro.

(chb/sda)

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