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Aus- und Weiterbildung
Chauffeure brauchen keinen Doktortitel

Ausbildung der Chauffeure. Bild: zvg

Die Transportbranche sagt Ja zur gezielten Schulung, will aber keine Verakademisierung des Chauffeurberufs.

Von Rolf Müller
am 09.10.2014

Unfälle mit Reisebussen – wie sie in jüngster Zeit leider verschiedene Male vorgekommen sind – werfen ein schlechtes Licht auf die Transportbranche. Die negativen Folgen solcher Zwischenfälle können vermieden werden, wenn die Ausbildung der Chauffeure von Reisebussen wie auch von solchen des öffentlichen Verkehrs umfassend und permanent erfolgt. Dass dies so ist, ja sein muss, dafür sorgen Vorschriften und Gesetze.

Mit Stichtag 31. August 2014 ist die erste Fünfjahresfrist für die regelmässige und obligatorische Weiterbildung im hiesigen Strassentransport abgelaufen. Der Schweizerische Nutzfahrzeugverband ­Astag, Bern, stellt fest, dass die Vorgaben – trotz Mehrkosten und zusätzlichem Aufwand – vom allergrössten Teil der Branche pünktlich und pflichtgemäss erfüllt wurden. Pro Chauffeur mussten innert fünf Jahren fünf Weiterbildungs-Kurstage à sieben Stunden besucht werden. Somit sind alle Berufschauffeure mit einem Führerausweis der Kategorien D/D1 (Personen) und C/C1 (Güter) seit dem 1. September 2014 zusätzlich mit einem Fähigkeitsausweis unterwegs. «Das Transportgewerbe hat die Hausaufgaben gemacht. Zu verdanken ist dies einem eigentlichen Kraftakt der Unternehmen und Chauffeure, dies im Interesse von Wirtschaft, Kon­sumentinnen und Konsumenten», hält Astag-Zentralpräsident Adrian Amstutz fest.

Die neue Weiterbildungspflicht wurde mit der Chauffeurzulassungsverordnung (CZV) von 2008 eingeführt. Seither müssen Berufsfahrerinnen und -fahrer im gewerbsmässigen Personen- und Gütertransport regelmässig Kurse besuchen. Damit leistet das Transportgewerbe einen wichtigen Beitrag zur Aufrechterhaltung und zur Verbesserung der Arbeits- und Verkehrssicherheit. Die CZV-Weiterbildungspflicht führt allerdings zu deutlichen Zusatzbelastungen. Mit den Kurskosten steigt der Personalaufwand, ausserdem muss Zeit reserviert werden, die sonst für Kundenaufträge oder als Ruhezeit zur Verfügung steht. Vor allem aber wurden die staatlichen Anforderungen an den Chauffeurberuf mit der CZV erhöht. Anstelle von praktischen Fähigkeiten werden von den Behörden zunehmend theoretische Kenntnisse verlangt. Die negative Folge ist, dass der Berufseinstieg für primär handwerklich und weniger schulisch begabte Jugendliche sowie Quereinsteiger unnötig erschwert wird.

Nach Ansicht des Astag darf es deshalb keine weiteren Verschärfungen der CZV geben. Die Aus- und Weiterbildung muss sich auf die tägliche Arbeit konzentrieren. «Es braucht möglichst viel Praxisbezug statt reine Theorie. Die schleichende Verakademisierung des Chauffeurberufs muss gestoppt werden. Transportprofis arbeiten mit dem Nutzfahrzeug, nicht auf einem Bürostuhl!», stellt Amstutz mit Nachdruck fest.

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