Durch die Wirtschaftskrise hat der Druck auf Unternehmen zugenommen, die Kostenstrukturen anzupassen und das bestehende Business-Portfolio kritisch zu hinterfragen. Wie das Kapital strategisch effizient verwendet und die darauf erzielbare Rendite maximiert werden kann, wurde in den letzten zwei Jahren in vielen Verwaltungsräten debattiert. Swiss Capital Corporate Finance hat diese Diskussionen unter Beizug von finanziell-strategischen Business Portfolio Reviews strukturiert und finanzanalytisch aufbereitet (nachfolgend «Business Portfolio Review»). Die aufgezeigten Handlungsoptionen geben dem Verwaltungsrat eine konkrete Entscheidungsgrundlage für die M&A-Strategie an die Hand, die er im gegenwärtigen wirtschaftlichen Aufschwung wertmaximierend umsetzen kann. Sie leiten ihn insbesondere dazu an, eine Geschäftsaktivität, welche im Vergleich zu anderen Konzerngesellschaften eine unterproportionale Kapitalrendite generiert, zu verkaufen und die freigesetzten Mittel gezielt in anderen, attraktiveren Bereichen zu verwenden.

Schritt 1: Business Check-up

Die Business-Portfolio-Analyse basiert auf einer umfassenden internen und externen Analyse der Geschäftsaktivitäten. Dabei werden jene Geschäftsaktivitäten untersucht, welche im Financial Reporting hinreichend gut abgebildet werden und deren Geschäft durch spezifische Werttreiber und Produkte abgrenzbar sind (im folgenden «Business Unit»). Die untersuchten Business Units sind in der Regel vom Detaillierungsgrad eine Stufe unterhalb des Segmentreportings gemäss Rechnungslegungserfordernissen angesiedelt. Diese detaillierte Analyse erlaubt, unterschiedliche Geschäftsmodelle und Kapitalstrukturen zu differenzieren, und ermöglicht somit eine erhöhte interne Transparenz und eine fundierte Entscheidungsgrundlage. Als Informationsbasis für die Analyse der Business Units zählen insbesondere die historische und zukünftige finanzielle Entwicklung, Markttrends-erwartungen sowie Produkt- und Strategieunterlagen.

Der erste Baustein der Analyse ist das interne Benchmarking. Hier werden Analysen über einen möglichst langen Zeitraum mit Fokus auf spezifische Kennzahlen (KPI) durchgeführt. Neben den typischen, auch im Segmentreporting häufig verwendeten KPI, wie Umsatzwachstum, Ebit-Marge oder Investitionen, wird bei der Business Portfolio Review ein grosses Gewicht auf den Wertbeitrag und das Cashflow-Profil je Business Unit gelegt. Als Wertbeitrag wird hier die Rendite auf dem durchschnittlich eingesetzten Kapital (ROACE) abzüglich der Gesamtkapitalkosten (WACC) je Business Unit betrachtet.

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Als zweiter Baustein wird ein externes Benchmarking durchgeführt. Hier werden verschiedene qualitative und quantitative Vergleichsanalysen je Business Unit mit kotierten und privaten Konkurrenzunternehmen durchgeführt. Die Analyse erfolgt unter Berücksichtigung von Marktpositionierung, Markttrends, strategischer Ausrichtung und finanzieller Performance (wieder mit KPI bezugnehmend auf Cash- flow-Kennzahlen und Renditen auf dem eingesetzten Kapital). Basierend auf den KPI der Vergleichsunternehmen kann die historische Performance der Business Units kontrastiert, können die jeweiligen Businesspläne objektiviert werden. Neben dem umfassenden Quervergleich wird als Nebenprodukt der «Faire Wert» der Business Units bestimmt. Dabei werden die Bewertungen von Vergleichsunternehmen und vergleichbaren Transaktionen sowie Cashflow-basierte Analysen herangezogen. Ein sogenannter Activist Investor würde analytisch ähnlich vorgehen und bei einem insgesamt höheren Wert der Summe der Einzelteile das Unternehmen als Break-up-Kandidat ins Visier nehmen. Dem Verwaltungsrat hingegen dient diese Analyse als «Ursachenforschung» für eine mögliche Unterbewertung der Gesamtgruppe.

Basierend auf diesen quantitativen und qualitativen Erkenntnissen wird dann ein Ranking der Business Units unter Berücksichtigung der strategischen Relevanz innerhalb der Gruppe vorgenommen. Diese Diagnose bildet die Grundlage zur Bestimmung konkreter Handlungsoptionen für die zukünftige M&A-Strategie.

Schritt 2: Therapie

Diese Handlungsoptionen werden mittels finanzieller Szenarioanalysen simuliert, um die Auswirkungen auf die Gruppe aufzuzeigen. Die objektive Einschätzung von Realisierbarkeit und erzielbaren Verkaufserlösen für eine Business Unit sowie die Annahmen zur Re-Investition aufgrund der Verfügbarkeit und Bewertung von potentiellen Zielgesellschaften sind zentrale Bausteine für die Aussagekraft der Analyse. Weiter werden finanzielle Intercompany-Verflechtungen wie Konzernumlagen sowie mögliche strategische, operative und personelle Carve-out-Auswirkungen in enger Zusammenarbeit mit dem Management umfassend berücksichtigt. Neben der durch die Portfolioveränderung erzielten Verbesserung des Margen- und Wertbeitragsprofils der neuen Gruppe hat die dadurch erzielbare verbesserte Wahrnehmung bei der Investorengemeinschaft (sogenannter «Re-Rating-Effekt») einen zentralen Einfluss auf die künftige Wertenwicklung der Aktie.

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Nachdem die Diagnose des Business- Check-up einen konkreten Therapieplan ergeben hat, obliegt es dem Verwaltungsrat, die entsprechenden Massnahmen einzuleiten. Die verbesserte Kapitalrendite auf dem eingesetzten Kapital in Kombination mit der strategischen Fokussierung der Unternehmung wird bei erfolgreicher Umsetzung vom Kapitalmarkt mit einer Höherbewertung der Aktie belohnt werden.