Der Deutsche Hans-Jürgen Käfer ist vom Zuger Obergericht wegen gewerbsmässigen Betrugs, ungetreuer Geschäftsbesorgung und Misswirtschaft zu einer Freiheitsstrafe von 5 Jahren verurteilt worden. Mit dem Urteil endet vorerst eine illustre Karriere. Denn Käfer war mindestens seit den 1990er-Jahren in der Schweiz in schummrigen Geschäften aktiv. So vertrieb er laut dem «Beobachter» etwa 1993 Persönlichkeitsschulungskurse im Schneeballsystem. Bald sattelte der begnadete Verkäufer auf Aktiendeals um.

Neben Käfer wurden vier weitere Personen vom Obergericht verurteilt. Neben happigen Strafen wurden die fünf Angeklagten solidarisch dazu verpflichtet, den angerichteten Schaden von mehreren Millionen Franken an über 200 Gläubiger zu berappen.

Viele Kleinanleger wurden geschädigt

Käfer und seine Verkäufer suchten in der Schweiz über Jahre leichtgläubige Investoren für «heisse Start-Ups» wie der Max Entertainment. Mit ihr wolle man das in den Vereinigten Staaten sehr erfolgreiche Mixed-Martial-Arts-Konzept der Ultimate Fighting Championship (UFC) in Europa im grossen Stil aufziehen.

Mit dem «heissen Tipp» der Max wurde über längere Zeit massenhaft Aktien per Kaltansprache per Telefon verkauft. Die Opfer köderte man mit sagenhaften Renditen und einem schnellen Börsengang: Bis 2011 sollte die Max 300 Millionen Euro Umsatz und 43,2 Millionen Gewinn machen. Viele Kleinanleger fielen auf diese unwahren Angaben herein.

Mindestens 7 Millionen Franken Schaden

Das Zuger Obergericht stellte nun Betrugshandlungen an 292 Personen im Umfang von 7 Millionen Schweizer Franken fest. Den Vorwurf der Geldwäscherei liess das Gericht fallen – wegen Verjährung. Käfer wird das Urteil der Zuger Richter nicht weiter anfechten, bestätigte sein Anwalt handelszeitung.ch.

Seine damalige Lebenspartnerin wurde wegen mehrfacher ungetreuer Geschäftsbesorgung, Gehilfenschaft zur mehrfachen ungetreuen Geschäftsbesorgung und Gehilfenschaft zum gewerbsmässigen Betrug mit einer Freiheitsstrafe von 29 Monaten gebüsst. 12 Monate hat sie unbedingt abzusitzen, die Probezeit beträgt 4 Jahre.

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Mitstreiter bereits in Deutschland vorbestraft

Käfers Mitstreiter G.P., der in Deutschland bereits wegen Insolvenzverschleppung vorbestraft ist, geht vors Bundesgericht. Er agierte bei der Max Entertainment als «Spezialist Investment-Banking» und wurde vom Obergericht wegen Gehilfenschaft zum gewerbsmässigen Betrug zu 18 Monaten bedingt und einer Probezeit von 2 Jahren verurteilt.

P. wurde von den Richtern auch verpflichtet, dem Staat für nicht mehr vorhandene, widerrechtlich erlangte Vermögensvorteile 350'000 Franken zu bezahlen. Bei P. wurde auch eine halbe Million Schweizer Franken beschlagnahmt - dieses Geld werde zur Deckung der von P. zu tragenden Verfahrenskosten verwendet.

Der Deutsche A.K., ein langjähriger Geschäftspartner von G.P., wurde ebenfalls wegen Gehilfenschaft zum gewerbsmässigen Betrug zu einer Freiheitsstrafe von 15 Monaten bedingt und einer Probezeit von 2 Jahren verurteilt. Eine bei ihm beschlagnahmte Uhr der Marke Breguet, Typ XX Aeronavale, wird vom Gericht verkauft - der Erlös wird zur Deckung der Verfahrenskosten verwendet. Der Anwalt von A.K. bestätigte handelszeitung.ch, dass sein Klient das Urteil akzeptiere.

Rolle in vielen Fällen

Der fünfte im Bunde, der Deutsche D.K., wurde wegen mehrfacher versuchter ungetreuer Geschäftsbesorgung mit einer bedingten Freiheitsstrafe von 14 Monaten und einer Probezeit von 2 Jahren verurteilt. Auch er wird das Urteil nicht weiterziehen, sagte sein Anwalt gegenüber handelszeitung.ch.

Der Fall Max Entertainment war nur eine von vielen Operationen, in denen Käfers Umfeld auftauchte. So findet man es etwa auch in den Akten so illustrer Fälle wie Nicstic, Ipco Investment, Creative Finance, Eypo, ASE Investment oder Amvac.